HOME

Wer steckt hinter ...: ... "Just a drop"?

Kleiner Tropfen, große Wirkung. Weil Wasser in vielen Urlaubsländern knapp ist, finanziert die britische Reise-Managerin Fiona Jeffery mit Spendengeld den Bau von Brunnen.

Fiona Jeffery liebt das Reisen. Und sie glaubt fest daran, dass der Tourismus die Welt verbessern kann. Doch der Weg dorthin ist mühsam. Mit Grauen erinnert sie sich an ihre erste Aktion: Als Managerin der Reisemesse "World Travel Market" rief sie vor 14 Jahren einen Umweltschutz-Tag des Reisens aus. Bei dem Treffen tauchten nur Menschen auf, die in Großbritannien "green anoraks" genannt werden, was man mit "Ökos" übersetzen könnte. Menschen mit Einfluss in der Reisebranche waren bei den Veranstaltungen nicht zu sehen.

Das konnte Jeffery nicht auf sich sitzen lassen. Die Idee, dass die Tourismusbranche dort helfen muss, wo Menschen nicht mal sauberes Wasser haben, ließ sie nicht mehr los. 1998 gründete sie die Organisation "Just a drop", mit der sie gegen die Apathie ihrer Kollegen anzukämpfen begann. Zunächst waren es kleine Projekte, ein Brunnen in Indien, eine Handpumpe in Kambodscha, ein paar Toiletten in Grenada. Doch schnell überzeugte sie ihre Kollegen, dass verantwortlicher Tourismus mehr bedeutet, als keine Plastiktüten auf den Strand zu schmeißen. Es musste sich dort etwas ändern, wo die Menschen am wenigsten haben. "Ich bin keine Idealistin", sagt Jeffery. Sie sieht sich nur die Zahlen an: 1,8 Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Krankheiten, die durch schmutziges Wasser übertragen werden, das sind 5000 Kinder jeden Tag. Und während die Mitteleuropäer täglich 145 Liter Wasser verbrauchen, haben in über 80 Ländern der Erde die Einwohner weniger als 20 Liter am Tag. Das reicht nicht einmal für einen europäischen Duschgang. Und viele dieser Länder sind Touristenziele: Tunesien zum Beispiel, aber auch Kambodscha, wo in der Regenzeit viele Brunnen unbrauchbar werden.

Vor Ort helfen

Die Ungleichheit wird besonders offensichtlich, wenn ein Mitteleuropäer bei Reisen in Entwicklungsländer so viel Wasser verbraucht wie zu Hause. So könnten mit dem Wasser, das einen Golfplatz auf den Philippinen grün hält, 60.000 Dorfbewohner versorgt oder 65 Hektar Ackerland bewirtschaftet werden. "Reisende sollten sich darüber im Klaren sein, dass es in vielen Ländern ein Problem mit der Wasserversorgung gibt", sagt Jeffery. "Es kann sein, dass das Wasser, das gerade während des Zähneputzens sinnlos in den Abfluss rinnt, am anderen Ende des Dorfes fehlt." "Just a drop" will vor Ort helfen, mit Geld, das Jeffery bei Spendenaktionen auf Reisemessen reinholt und bei Touristen, die reisen und helfen wollen. Für 1400 Euro kann ein Brunnen verschlossen und gegen Dreck geschützt werden; für 1,40 Euro kann ein Mensch aus diesem Brunnen für zehn Jahre sauberes Wasser schöpfen. Und für 10.000 Euro baut "Just a drop" einen neuen Brunnen - wie schon in Kambodscha, Nordostindien, Bolivien, Sambia, Sri Lanka, Chile und der Mongolei geschehen. Der Einsatz von "Just a drop" hat 800.000 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser verschafft.

Ist ein funktionierender Brunnen im Dorf installiert, müssen Frauen und Kinder nicht mehr kilometerweit mit schweren Krügen auf dem Kopf zur nächsten Wasserstelle laufen. Plötzlich gibt es Zeit für den Schulbesuch, für die Arbeit auf dem Acker, für die Betreuung der Tiere. "Es ist unglaublich, wie sich die Wirtschaftskraft eines solchen Dorfes durch einen Brunnen verändert", sagt Jeffery. Sie möchte, dass sich Touristen einmischen: "Gehen Sie hinaus und fragen Sie vor Ort, was es für Initiativen gibt, gegen Müll, für sauberes Wasser. Und wenn Sie können, helfen Sie!" Am Ende, das will Jeffery eigentlich sagen, liegt es auch an den Urlaubern. Sie können durch ihre Wahl mitbestimmen, ob Hotels als besonders attraktiv gelten, die sich um ihre Wasserversorgung kümmern oder Solarzellen aufs Dach montieren. Und dann wird sie doch ein bisschen zur Idealistin: "Für unsere Kinder wird es völlig selbstverständlich sein, auf diese Dinge zu achten!"

print

Wissenscommunity