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Wetter 2004: Kein ungewöhnlicher Sommer

Warmer Winter, nasskalter Sommer. Das erste Halbjahr 2004 war entgegen dem Eindruck vieler Menschen nicht besonders ungewöhnlich.

"Wir haben bislang auch eher einen durchschnittlichen Sommer mit ein paar Höhen und einigen Tiefen", sagt Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. Der Juli war bisher jedoch recht nass. Das durchschnittliche Regensoll des Monats war nach DWD-Angaben bereits am 21. Juli erfüllt. Im Norden seien bis dahin teilweise schon 50 Prozent mehr Regen gefallen als ansonsten im gesamten Monat. Nur in einigen Bereichen des Südwestens war es etwas zu trocken. Außerdem war der Juli nach DWD-Angaben bis zum 21. um etwa ein Grad kühler als im Schnitt der Jahre 1961 bis 1990.Grund für den derzeitigen Regen ist nach Angaben des Kieler Klimaforschers Prof. Mojib Latif der so genannte Jetstream, eine starke Luftströmung in rund 5.000 Metern Höhe. Diese "Autobahn für Tiefdruckgebiete" habe sich derzeit genau über Deutschland festgesetzt und bringe nun ein Tief nach dem anderen, erläutert Latif, der am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel forscht. Der Strom ändere immer wieder seinen Lauf.Winter, Frühling und Sommer sind nach DWD-Daten in diesem Jahr bislang auch nicht außergewöhnlich kalt. Vom Februar bis April war es im Schnitt etwas wärmer als sonst, der Mai ein wenig zu kühl. Der Juni lag mit 15,4 Grad Durchschnittstemperatur laut DWD im langjährigen Mittel. Es fielen im Schnitt sogar nur 84 Prozent der für diesen Monat gewöhnlichen Niederschläge.

Die Sonne schien mit 198 Stunden zwar rund 10 Prozent weniger als im Durchschnittsjuni, doch der Grund für die schlechte Laune beim Blick auf das Wetter lieg laut Lux oft auch in der Psyche. "Wir sind ein wenig verwöhnt durch die letzten Sommer, die sehr heiß waren", meint der Meteorologe und gibt einen hoffnungsvollen Ausblick: "Der August kann ja noch immer sehr heiß werden, so dass der Sommer dann ganz anders als bislang in Erinnerung bleibt." Doch eine Voraussage lasse sich keinesfalls derzeit schon machen.Insgesamt hat sich das Wetter laut Lux in den vergangen Jahrzehnten in Deutschland leicht verändert, insbesondere auch in den Städten, die immer wärmer sind als das Umland. Die Gebäude reflektieren mehr Strahlen, der Asphalt wärmt, die Durchlüftung ist weniger gut. "Lokale Winde haben in dichter Bebauung keine Chance, die Schadstoffe herauszupusten", sagt Lux, daher sei es immer ein wenig diesiger als auf dem Land. Hinzu kommen Abwärme von Industrie, Verkehr und zunehmend auch von Klimaanlagen.Der Ausstoß von Schornsteinen und Auspuffen hat noch einen weiteren Effekt: "Es fällt in Städten und Stadtnähe etwa fünf bis zehn Prozent mehr Regen als auf dem Land." Grund seien die Staubteilchen in der Luft. Daran kondensiere die Luftfeuchtigkeit und bilde mehr Wolken als auf dem Land. Bei kleineren Städten sei das auf Grund des Wolkenzugs kaum zu spüren, wohl aber in Ballungsgebieten.Die mittlere Jahrestemperatur ist im vergangenen Jahrhundert in Deutschland um 0,6 bis 0,7 Grad Celsius gestiegen. Langfristig wird der Temperaturschnitt weiterklettern. Der Deutsche Wetterdienst befürchtet bis zum Jahr 2100 einen Anstieg von heute 8,2 Grad Celsius auf dann etwa 11 Grad. Die Folgen: feuchtere Winter, trockenere Sommer und häufigere und kräftige Stürme.

Simone Humml / DPA / DPA

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