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Bardarbunga in Island: Vulkan spuckt Schwefel bis nach Deutschland

In Deutschland wurden so hohe Schwefeldioxid-Werte gemessen wie schon lange nicht mehr. Laut Experten sind sie dem Vulkanausbruch in Island geschuldet. Gesundheitliche Gefahren bestünden aber nicht.

Der Bardarbunga-Vulkan stößt derzeit große schwefelhaltige  Gasmengen aus - auch in Deutschland macht sich dies bemerkbar

Der Bardarbunga-Vulkan stößt derzeit große schwefelhaltige
Gasmengen aus - auch in Deutschland macht sich dies bemerkbar

Der seit Wochen brodelnde isländische Vulkan Bardarbunga spuckt jetzt Schwefel bis nach Deutschland. Die Werte in der Luft seien drastisch gestiegen, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Donnerstag. "Solche Werte hatten wir schon lange nicht mehr", sagte DWD-Sprecher Gerhard Lux. Das sei der Wetterlage geschuldet. Eine Gesundheitsgefahr sehen die Experten nicht.

Schwefeldioxid vor allem aus der Braunkohleverbrennung war der Grund für den sauren Regen, der Ende des 20. Jahrhunderts die Umwelt schwer schädigte. Die aktuelle Konzentration ist aber nach Einschätzung der DWD-Experten eindeutig dem Vulkanausbruch auf Island zuzuordnen. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg wurden am vergangenen Montag ungewöhnlich hohe Schwefeldioxid-Werte gemessen.

An den beiden DWD-Messstationen Hohenpeißenberg am Alpenrand und dem Schneefernerhaus unterhalb der Zugspitze hatten die Messgeräte plötzlich heftig ausgeschlagen. Dort seien Spitzenwerte von bis zu 120 Mikrogramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter Luft gemessen worden, sagte DWD-Experte Harald Flentje. Nach sechs Stunden seien die Werte wieder zurückgegangen. Die Spitzenwerte seien aber noch weit entfernt vom hierzulande geltenden Grenzwert, der etwa drei Mal so hoch sei. Gesundheitliche Schäden seien daher nicht zu befürchten.

Großer Ausbruch nicht ausgeschlossen

Dass der Schwefel aus Island bis zu den Alpen kam, war nach den Worten Flentjes der Wetterlage geschuldet: Zwischen einem Hoch im Westen und einem Tief im Osten sei die Luft aus Norden rasch und direkt nach Süden geflossen.

Im Jahr 2010 waren beim Ausbruch des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull enorme Aschemengen in den Luftraum geschleudert worden und hatten den Flugverkehr in weiten Teilen Europas zum Erliegen gebracht. Diesmal sei der Vulkan nicht explodiert, deshalb gebe es auch keine großen Aschemengen, sagte DWD-Sprecher Lux. Stattdessen entlasse der Bardarbunga langsam große schwefelhaltige Gasmengen. Vor Ort sei das auch zu riechen.

Auf Island werden die Menschen je nach Windrichtung aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Der Ausbruchsstelle könnten sich die Wissenschaftler nur mit Gasmasken nähern, sagte eine Sprecherin des Meteorologischen Instituts. Immer wieder werden Erdbeben rund um den Volkan registriert. Ein größerer Ausbruch, der das Eis schmelzen und eine Aschewolke produzieren würde, wird auch fast sechs Wochen nach Beginn der Aktivitäten nicht ausgeschlossen.

mod/DPA / DPA