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Krebstod des Präsidenten Venezuelas: Auch Hollywood trauert um Chávez

US-Präsident George W. Bush bezeichnete er einst als einen nach Schwefel stinkenden Teufel. Dennoch - oder gerade deshalb - trauern auch etliche Prominente in den USA um Hugo Chávez.

Venezuela trauert um seinen Präsidenten - und sogar im Westen, wo Hugo Chávez eher als diktatorischer Haudegen mit autoritären Anwandlungen galt, äußert eine Reihe von Prominenten ihre Anteilnahme. Der linksgerichtete südamerikanische Staatschef war am Dienstag im Alter von 58 Jahren an Krebs in der venezolanischen Hauptstadt gestorben. Landesweit strömten seine Anhänger auf die Straße, um ihre Trauer zu bekunden.

Auch im Ausland rief Chávez' Tod ein breites Echo hervor. Frankreichs Staatschef François Hollande würdigte den langjährigen Staatschef in einem Kondolenzschreiben als streitbaren Kämpfer für Gerechtigkeit. "Der verstorbene Präsident stand für sein Temperament und für Orientierungen, die nicht von jedem geteilt wurden", gab Hollande zwar zu. Aber Chávez werde als jemand in die Geschichte eingehen, der sein Land tief geprägt habe. Hollande steht Chávez als Sozialist politisch etwas näher als beispielsweise konservative Politiker im Westen.

Putin lobt Führungsqualitäten des Verstorbenen

Traurig über den Tod des venezolanischen Präsidenten zeigte sich auch Kremlchef Wladimir Putin. Offenbar war es der starke Mann in Chávez, den Putin bewunderte. Denn Russlands Präsident bezeichnete den Verstorbenen als "herausragenden Anführer".

"Er war ein außerordentlicher und starker Mensch, der in die Zukunft blickte und sich selbst stets die höchsten Maßstäbe auferlegte", schrieb Putin, der Chávez' persönlichen Einsatz für die bilateralen Beziehungen lobte. Moskau und Caracas sind enge Partner - und Venezuela ist einer der wichtigsten Käufer russischer Waffen.

Sogar in den USA wühlte Chávez' Tod eine ganze Reihe von Prominenten auf, obwohl der Verstorbene gern gegen die Vereinigten Staaten und vor allem den früheren Präsidenten George W. Bush hetzte. Bush war allerdings auch in Teilen der USA äußerst unbeliebt, zum Beispiel in Hollywood.

Einige Filmschaffende kondolierten den Venezolanern denn auch zum Tode ihres Präsidenten. Regisseur Oliver Stone, 66, ("Platoon", "Geboren am 4. Juli") würdigte den sozialistischen Staatschef auf Twitter als "großen Helden für die Mehrheit seiner Leute".

Oscar-Preisträger Sean Penn ging noch weiter. "Ich habe einen Freund verloren", schrieb der 52-Jährige in einer Mitteilung, die das Branchenblatt "The Hollywood Reporter" veröffentlichte. Arme Menschen in der ganzen Welt hätten einen Verfechter verloren, fügte der Schauspieler hinzu.

Penn und Stone waren seit Jahren Sympathisanten des umstrittenen Staatschefs. Stone hatte Chávez für seine Dokumentation "South of the Border" von 2009 besucht und interviewt. Penn war im vergangenen August zu einer Wahlkampfveranstaltung für Chávez nach Venezuela gereist.

Hass verbindet

Auch Filmemacher Michael Moore trauert öffentlich um Chávez. Auf Twitter schrieb er, in den US-Medien werde nicht viel Gutes über den Verstorbenen zu hören sein. "Da dachte ich mir, ich sorge für etwas Ausgewogenheit". Chávez habe die Einnahmen aus der Ölindustrie genutzt, um drei Viertel der extremen Armut zu eliminieren, er habe Gesundheitsversorgung und Bildung für alle bereitgestellt.

Moore postete auch Fotos, die ihn zusammen mit dem venezolanischen Präsidenten beim Filmfestival in Venedig 2009 zeigen. "Wir redeten mehr als eine Stunde lang", erinnerte sich der 58-Jährige, Chávez habe sich gefreut, "dass er endlich jemanden traf, den Bush mehr hasste als ihn selber". Von Chávez' sind etliche böse Zitate über Bush überliefert. Bei der UN-Vollversammlung 2006 hatte er beispielsweise über seinen Vorredner gesagt: "Gestern war der Teufel hier, genau hier. Und es riecht hier noch immer nach Schwefel."

Bushs Nachfolger, US-Präsident Barack Obama, äußerte sich wesentlich unterkühlter zum Tod des venezolanischen Präsidenten. Denn das Verhältnis zwischen Washington und Caracas war unter Chávez stets sehr angespannt - auch nach Bushs achtjähriger Präsidentschaft. Der linkspopulistische Staatschef hatte den USA "Imperialismus" vorgeworfen und sich als lateinamerikanischer Gegenspieler Washingtons präsentiert. Dabei unterhielt er enge Beziehungen zu US-Gegnern wie dem Iran und Kuba. Die iranische Regierung rief nach Chávez' Tod einen landesweiten Trauertag aus.

US-Präsident Obama rief zu "konstruktiven Beziehungen" zwischen den Vereinigten Staaten und dem südamerikanischen Land auf. Venezuela befinde sich in "schwierigen Zeiten" und stehe vor "einem neuen Kapitel in seiner Geschichte".

Ob wirklich ein so neues Kapitel aufgeschlagen wird, ist fraglich. Denn Chavez regelte noch auf dem Sterbebett, wie es nach seinem Krebstod weitergehen sollte und proklamierte seinen Stellvertreter Nicolás Maduro zum Nachfolger.

Höfliche Anteilnahme aus London

Die Briten - stets enge Verbündete der USA - blieben ihrem Ruf treu, stets diplomatisch und höflich zu sein. Außenminister William Hague sprach den trauernden Menschen in Venezuela sein Beileid aus. "In 14 Jahren als Präsident von Venezuela hat er ein bleibendes Erbe in seinem Land und darüber hinaus hinterlassen."

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) kondolierte blumig und bezeichnete den Tod des venezolanischen Präsidenten "tiefen Einschnitt" für das südamerikanische Land. Westerwelle nutzte die Gunst der Stunde, um die Südamerikaner ein wenig anzuspornen. Er "setze darauf, dass Venezuela nach Tagen der Trauer den Aufbruch in eine neue Zeit schafft". Das Land habe "ein großes Potenzial, und Demokratie und Freiheit sind der richtige Weg, um dieses Potenzial zu verwirklichen".

Bis zur Beerdigung stündlich ein Kanonenschuss

Derzeit laufen in dem südamerikanischen Land die Vorbereitungen für eine große Trauerfeier. Am heutigen Mittwoch soll der Staatschef um 8 Uhr früh Ortszeit (13.30 Uhr unserer Zeit) landesweit mit 21 Kanonensalven geehrt werden. Das sagte Verteidigungsminister Diego Molero in der Nacht in der Hauptstadt Caracas. Bis zur Beisetzung von Chávez wird dann jede Stunde ein Kanonenschuss ertönen, meldete wie die staatliche Nachrichtenagentur AVN.

Der Leichnam des Staatschefs soll im Laufe des Tages vom Militärhospital Carlos Arvelo in die Militärakademie übergeführt und dort aufgebahrt werden. Die Bevölkerung soll die Gelegenheit bekommen, Chávez die letzte Ehre zu erweisen. Am Freitag werden zahlreiche Staats- und Regierungschefs zur offiziellen Trauerfeier in Caracas erwartet.

anb/DPA/AFP / DPA