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American-Football-Finale: Der "Bad Guy" will den dritten Super Bowl

Das Duell der Quarterbacks im Super Bowl: Die Spielmacher der Pittsburgh Steelers und der Green Bay Packers stehen beim Finale der amerikanischen Football-Liga NFL im Mittelpunkt. stern.de über zwei unterschiedliche Typen und ihre Aussichten im großen Showdown.

Von Malte Arnsperger

Gegen den einen wurde bereits zwei Mal wegen sexueller Belästigung ermittelt, der größte öffentliche Fehltritt des anderen war es, einem Fan das Autogramm zu verweigern. Der eine ist seit Langem eine der umstrittensten Figuren des US-Sports, während der andere jahrelang still und leise auf der Auswechselbank geschmort hat. Der eine hat den Super-Bowl schon zwei Mal gewonnen, der andere feiert am Sonntag sein Debüt beim größten Einzelsportereignis der Welt. Das diesjährige Endspiel der amerikanischen Football-Liga NFL zwischen den Pittsburgh Steelers und den Green Bay Packers ist auch das Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Typen: der Quarterbacks Ben Roethlisberger und Aaron Rodgers.

Hang zu Eskapdaden

Roethlisberger kommt in diesem Duell die Rolle des "Bad Guy" zu. Der 28-jährige Superstar mit Schweizer Wurzeln hat es in den vergangenen Jahren sowohl durch seine sportlichen Erfolge wie auch durch seine privaten Eskapaden immer wieder geschafft, für Gesprächsstoff zu sorgen. Roethlisberger, genannt "Big Ben", ist ein Turm von einem Mann, 1,96 Meter groß, 110 Kilo schwer. Bereits in seiner ersten Saison mit den Steelers führte er das Team 2005 beinahe in den Super Bowl, den er dann in seinem zweiten Jahr als jüngster Quarterback aller Zeiten gewann. 2009 gelang ihm sogar der zweite Sieg. Und das, obwohl er sich im Juni 2006 bei einem Motorrad-Unfall lebensgefährliche Verletzungen zugezogen hatte. Roethlisberger wurde damals heftig kritisiert, da er keinen Helm getragen hatte.

2009 dann der nächste Aufreger: Eine Hotel-Angestellte beschuldigte den Sportler, sie sexuell belästigt zu haben. Der Fall ist bis heute noch nicht vor Gericht verhandelt worden. Kaum ein Jahr später behauptete eine Frau, von Roethlisberger sexuell missbraucht worden zu sein. Die Ermittlungen wurden zwar eingestellt, weil die Frau ihre Anschuldigungen zurückzog. Doch die NFL war weniger gnädig: Sie suspendierte Roethlisberger für die ersten vier Spiele der laufenden Saison.

Der Quarterback schafft es dennoch, Pittsburgh zum dritten Mal in den Super Bowl zu führen. Steelers-Besitzer Art Rooney II: "Er hat alles getan, was wir von ihm verlangt haben. Er ist in sich gegangen. Aber es wird für eine lange Zeit Zweifler geben."

Nachfolger einer Legende

Viele Zweifel gab es auch bei Aaron Rodgers. Denn der 27-Jährige ist der Nachfolger einer Legende. 15 Jahre lang, von 1992 bis 2007 war Brett Favre der Stamm-Quarterback der Green Bay Packers, für die er in jedem Spiel von Beginn auf dem Platz stand. Rodgers kam im Jahr 2005 als großes Talent, doch saß er die ersten drei Jahre bis auf ein paar Kurzeinsätze nur auf der Bank.

Dann kündigte Favre seinen - inzwischen mehrfach widerrufenen - Abschied vom Football an. Rodgers bekam seine Chance. Und er nutzte sie. Zwar verpassten die Packers in seinem ersten Jahr als Stammspieler die Playoffs, doch Rodgers brachte seine Kritiker mit guten Leistungen zum Schwiegen. Zudem schafften die Packers 2009 den Sprung in die Entscheidungsrunden.

Heute gilt er als einer der besten Quarterbacks der NFL, seine Pässe sind extrem hart und millimetergenau, und er macht wenige Fehler. Vor allem aber: Er schafft es, abgesehen von den bei US-Sportstars üblichen Gerüchten über Affären mit attraktiven Frauen, weitgehend skandalfrei zu bleiben. Lediglich Anfang des Jahres sorgte ein Video für kurze Aufregung, auf dem zu sehen ist, wie Rodgers einem krebskranken Packers-Fan ein Autogramm versagt.

Defensiv-Bollwerk gegen Offensiv-Feuerwerk

Doch sowohl Rodgers als auch sein Kontrahent Roethlisberger werden sich in diesen Tagen allein auf ihre sportlichen Aufgaben konzentrieren. Das sollten sie auch, schließlich wird das Spiel als eines der ausgeglichensten Finals der letzten Jahre beurteilt. In der Wettmetropole Las Vegas sind die Packers hauchdünner Favorit, obwohl die Steelers die etwas bessere Saison gespielt haben.

Die Stärken der Mannschaften sind unterschiedlich verteilt. Die Steelers haben traditionell eine eisenharte, fast unüberwindbare Defensive, den sogenannten "Steel Curtain" (Stahlvorhang). In diesem Jahr finden die Gegner vor allem gegen die Laufdefensive kaum ein Durchkommen. In der Offensive setzt Pittsburgh in erster Linie auf das Laufspiel mit Running-Back Rashard Mendenhall. Der wird aber wohl ohne einen seiner wichtigsten Helfer, Star-Center Maurkice Pouncey, auskommen müssen, der sich im Halbfinale verletzt hat. Ihn wird auch "Big Ben" vermissen, spielt der Center doch auch für das Passspiel eine wichtige Rolle. Roethlisberger ist aber nicht nur ein umsichtiger Werfer, sondern ist auch selber sehr gut zu Fuß und aufgrund seiner Statur vom Gegner kaum zu Boden zu bringen.

Allerdings: Die Defensive der Packers hat jedoch mit Michael Vick von den Philadelphia Eagles vor einigen Wochen einen noch gefährlicheren Quarterback in Schach gehalten. Doch die Stärken von Green Bay liegen ganz klar in der Offensive. Das Laufspiel dient dabei fast nur der Ablenkung vom Passspiel. Denn das Team weiß, dass es mit Rodgers nicht nur einen hervorragenden Quarterback hat, der jede Defensive auseinandernehmen kann, sondern auch die dazu nötigen erstklassigen Passempfänger (Receiver).

Dieser passorientierten Attacke, die sehr auf Genauigkeit und perfektes Timing ausgelegt ist, wird auch der Spielort entgegenkommen. Denn obwohl derzeit Schneestürme für eisige Temperaturen in Irving im US-Bundesstaat Texas sorgen, können sich die Packers auf optimale Bedingungen ohne unliebsame äußere Einflüsse freuen. Das Stadion kann nämlich mithilfe des Schiebedaches in eine riesige Halle verwandelt werden. Aaron Rodgers: "I love it, man."

Halbzeitshow mit Urban, Aguilera und den Black Eyed Peas

Das werden Sängerin Christina Aguilera, Country-Star Keith Urban und die Mitglieder der Pop-Gruppe Black Eyed Peas bestimmt ähnlich sehen. Sie alle sind Teil der stets aufwändigen Show rund um den Super Bowl. Keith Urban wird vor dem Spiel auftreten, Aguilera direkt vor dem Kick-Off die amerikanische Nationalhymne singen und die Black Eyed Peas sollen für Stimmung in der Halbzeit sorgen.

Wer sich kurzfristig entschieden hatte, das Spektakel auf den letzten Drücker live im Stadion anzuschauen, musste tief in die Tasche greifen. Bei Ebay wurden Tickets für rund 5000 Dollar angeboten. Wenn's ein bisschen mehr sein durfte: Die Vip-Box für 30 Personen ging für 190.000 Dollar weg. Ein bisschen günstiger kommen Football-Fans in Deutschland in den Genuss der Bilder aus Texas: Die ARD überträgt den Super Bowl am Sonntag ab 23.35 Uhr live.

Jeder Zuschauer, der ein bestimmtes Team anfeuert, sollte sich dabei einer gewissen Gesundheitsgefahr bewusst sein. Forscher einer kalifornischen Universität haben im Vorfeld des Super Bowl herausgefunden, dass eine Niederlage der Lieblingsmannschaft das Herzinfarktrisiko erhöht. Der Stress könnte einen starken Anstieg des Herzschlags und des Blutdrucks zur Folge haben.

Brett Favre, der gerade seine wohl endgültig letzte Saison hinter sich hat, wird diese Warnung vermutlich herzlich wenig interessieren. Obwohl er Green Bay im Streit verlassen und die letzten zwei Jahre im Trikot des Erzrivalen Minnesota Vikings gespielt hat, drückt er seinem Ex-Team die Daumen. Dem US-Sender ESPN sagte Favre, er hoffe, die Packers "gewinnen das Ding".

PS: Der Autor tippt auf einen klaren 27:14-Sieg der Packers.

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