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Auftaktrennen in Melbourne: Die Formel 1 sieht wieder rot

Es ist nicht irgendein Saisonauftakt, sondern das Jahr eins nach Schumi. Und Kimi Räikkönen triumphierte in Melbourne, sein feuerrotes Spielmobil war perfekt abgestimmt. Und doch lag Schumachers Schatten über dem Albert Park.

Ein Kommentar von Elmar Brümmer

Neid und Eitelkeiten sind in der Formel 1 keine Todsünden, zusammengenommen sind sie der eigentliche Antrieb für die Menschen im Renngeschäft. Ein wenig von dieser sich selbst beschleunigenden Mischung steckt auch in der Überlegenheit von Ferrari beim Großen Preis von Australien. Nicht irgendeinem Saisonauftakt, sondern dem Jahr eins nach Schumi, dem Jahr eins mit Kimi. Und schon weckt die Überlegenheit, mit der der Finne seinen ehemaligen Arbeitgeber McLaren-Mercedes nach Belieben düpieren konnte, neue Begehrlichkeiten.

Michael Schumacher noch immer der Schnellste

Natürlich bei den direkten Verfolgern aus Stuttgart und München, vielleicht aber auch beim gerade erst in die Altersteilzeit überwiesenen Rekord-Weltmeister. Michael Schumacher bewies, dass seine Grundschnelligkeit immer noch vorhanden ist, und war der erste Gratulant am Handy. Sein Nachfolger im Amt bekam das Telefon von Ferrari-Chef Todt auf dem Weg zu seiner ersten Siegerzeremonie nach anderthalb Jahren ans Ohr gedrückt – und verstand nichts. Genauso war es ihm im Cockpit mit dem Funkverkehr gegangen. Kimi blieb ganz allein vorn. Daher bleibt auch nur zu deuten, was ihm der Fernsehkritiker Schumacher da flüstern wollte. Doch nicht etwa, dass das mit dem Rücktritt allerdings nur ein bedauerliches Versehen gewesen wäre, und dass er in drei Wochen beim Großen Preis von Malaysia gerne selbst wieder Platz in dem für ihn und zum Teil von ihm maßgeschneiderten F 2007 Platz nehmen würde?

Gemach, gemach. Die Formel 1 sieht zwar schon wieder Rot, aber das ist erst recht kein Grund, schon nach anderthalb Stunden Neuzeit wieder nach Schumacher zu rufen. Warum auch. So überlegen, wie Ferrari im Augenblick ist, erschien das Team zu Schumis Zeiten selten. Die Lust nach zwei Jahren Frust wird offenbar technisch ausgelebt. Zu pass kommt den Italienern dabei die große Erfahrung mit den Bridgestone-Gummis, die jetzt zum Einheitsreifen mit Wechselzwang im Rennen erkoren wurden. Offenbar ist Räikkönens feuerrotes Spielmobil perfekt auf die Ansprüche der Pneus abgestimmt. Die Sportchefs der direkten Verfolger Mercedes und BMW, Norbert Haug und Mario Theissen, beziffern die Dauer dieser Aufholjagd auf etwa ein halbes Jahr. Wenn sich die Einschätzung erfüllt, dann werden noch ein paar Rennen so ausgehen, wie dieser erste richtige Arbeitstag von Kimi Räikkönen im Ferrari endete: Freihändig über die Ziellinie rasend, die Arme jubelnd in den Himmel gesteckt. Zumindest für den Finnen war es ein Neu-Anfang. Aber keine Sorgen: Neid und Eitelkeiten werden dazu beitragen, die anderen wieder zu beschleunigen. Nur Mut.

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