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Ferrari-Chef Montezemolo: "Suche keinen Nachfolger für Michael Schumacher"

Ferrari-Chef Montezemolo: "Suche keinen Nachfolger für Michael Schumacher"

Hamburg - Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo denkt noch nicht daran, einen Nachfolger für den bis 2006 an den italienischen Rennstall gebundenen Weltmeister Michael Schumacher zu suchen. "Warum sollte ich das überhaupt tun? Wir erleben gerade einen Generationswechsel in der Formel 1. Also können wir uns den passenden Mann in aller Ruhe aussuchen", sagt Montezemolo in einem Interview mit dem stern. "Ein junger Fahrer muss kontinuierlich herausragende Leistungen bringen, bevor wir uns mit ihm beschäftigen, nicht nur eine gute Saison." Erst nach zwei, drei Jahren könne man wirklich ein Urteil fällen. Auch einen Wechsel Schumachers zu einem anderen Rennstall schließt Montezemolo aus: "Wenn er seine Karriere beendet, dann bei uns."

Montezemolo hält es für wenig sinnvoll, ein Talent an Schumachers Seite auszubilden, sondern vertraut weiterhin auf das Erfolgsduo Schumacher/Barrichello. Montezemolo: "Bei Ferrari ist kein Platz für unerfahrene Piloten." Das gelte auch für den spanischen Renault-Piloten Fernando Alonso, den Kenner der Branche als möglichen Schumacher-Nachfolger sehen. Alonso sei "ein Kandidat für die Zukunft, er hat großes Potenzial. Aber mit ihm ist es ähnlich wie damals mit Michael bei Benetton: Ein fantastisches Talent, dem man noch Zeit geben muss."

Montezemolo, der in der Auseinandersetzung mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone der Wortführer auf Seiten der Autohersteller war, zeigt sich mit der vor Wochen erzielten Einigung mit Ecclestone und den Banken zufrieden. "Die Zukunft der Formel 1 ist für die nächsten zehn Jahre gesichert, wir haben mehr Transparenz und einen größeren Spielraum für die Autofabrikanten. Und die sind ja die eigentlichen Hauptdarsteller der Show."

Bisher haben Teams und Autohersteller nur 47 Prozent der TV-Einnahmen bekommen, den Rest steckte Rennveranstalter Slec ein. Slec ist zu 75 Prozent in Banken-Besitz und wird geleitet von Bernie Ecclestone, der die restlichen 25 Prozent hält. Zu der Neuverteilung der Einnahmen will Montezemolo im Detail noch nichts sagen, gibt aber im stern zu: "Der Kuchen ist für uns größer geworden." Außerdem werde sich der Einfluss der Autohersteller gewaltig steigern. "Wir werden mitreden, wenn es darum geht, ob wir in Shanghai oder Südafrika Rennen fahren. Sonst hätte ich diese Erklärung nicht unterzeichnet. Bedenken Sie: Die Formel 1 braucht Ferrari."

Ferrari gilt als größter Gewinner dieser Einigung. Allein der Beitritt zum Verbund der revoltierenden Autohersteller soll der "Scuderia" mit einem üppigen Bonus versüßt worden sein. Zu diesen Gerüchten sagt Montezemolo: "Die treffen zu. Ich sehe uns da aber völlig im Recht. Wie bereits gesagt: Ohne uns ist Formel 1 nicht vorstellbar. Und wenn sich Teams wie etwa Jordan darüber beklagen, dann muss ich Ihnen sagen: Das kommentiere ich nicht einmal." Kenner der Formel 1 sprechen von einem Bonus von 50 Millionen Dollar für Ferrari.

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