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FORMEL 1: Arrows vor der Pleite

Böse Neuigkeiten für Heinz-Harald Frentzen: Vor dem Rennen in Silverstone wurde bekannt, dass Arrows nach einem verlorenen Prozess die Pleite droht.

Unmittelbar vor dem Formel-1-Rennen in Silverstone bangt Heinz-Harald Frentzen erneut um seinen Job in der Formel 1. Drei Tage vor dem Großen Preis von Großbritannien verlor der in einer schweren Finanzkrise steckende Rennstall des Mönchengladbachers einen Prozess vor dem höchsten Londoner Zivilgericht. »Wenn kein Wunder geschieht, dann ist das Unternehmen jetzt verloren. Die Firma steht vor der Liquidierung oder dem Konkurs«, sagte Arrows-Anwalt Robin Potts am Donnerstag. Schon vor einigen Monaten hatte Frentzen durch die Pleite des Prost-Teams ein Cockpit verloren.

Seit langem zahlungsunfähig

Die Garagen in der hinteren Boxengasse blieben leer, die Rollläden geschlossen. »Ich bin besser ruhig, Tom hat genug Probleme«, wollte Weltmeister Michael Schumacher kein Öl ins Feuer gießen. Jordan- Teamchef Eddie Jordan, der Frentzen im Vorjahr vor dem Hockenheim- Rennen entlassen hatte, gab Arrows noch nicht verloren: »Wenn einer ein Wunder schafft, dann ist es Walkinshaw.« Die Rennwagen von Frentzen und dessen Teamkollegen Enrique Bernoldi (Brasilien) können noch am Freitag von der FIA für das zehnte Saison-Rennen zugelassen werden. Der High Court stellte jedoch fest, dass das Team »seit langem zahlungsunfähig« sei.

Kein gutes Zeugnis

Undurchsichtig ist die Sache allemal. Der Londoner Richter stellte dem Arrows-Team kein gutes Zeugnis aus: Die Versuche des Managements, die Firma umzustrukturieren, seien »hinterhältig und unanständig, ja in Wirklichkeit geradezu unaufrichtig«. Das seit 1977 an dem Rennstall beteiligte Londoner Bankhaus Morgan Grenfell verhinderte, dass Walkinshaw noch ausstehende Einnahmen von der FIA an eine Getränkefirma (Red Bull) abtritt. Mit dem Geld sollte die Anschaffung neuer Motoren für die Arrows-Renner finanziert werden.

Der Motorenhersteller Cosworth liefert an Arrows nämlich nur noch gegen eine Barzahlung von 5 Millionen Euro. Die Bank dagegen besteht auf Rückzahlung eines 20-Millionen-Euro-Kredites. Schon vor dem Rennen in Monte Carlo hatte Walkinshaw in allerletzter Minute einen Scheck für die Triebwerke ausgestellt und so das Aus verhindert.

»Ich denke, dass Michael zurücktreten will«

Unterdessen spielte Ex-Weltmeister Damon Hill Prophet und sagte das baldige Karriere-Ende von Michael Schumacher voraus. »Ich habe sein Verhalten studiert, habe mir genau angesehen, wie er sich verhält. Und ich denke, dass Michael am Ende der Saison zurücktreten wird. Seine Körpersprache verrät es mir«, fachsimpelte der Brite am Donnerstag im Boulevardblatt »Sun«. Schumachers Ex-Rivale, nun Studio-Experte beim TV-Sender Sky, schob den Grund für seine ziemlich exklusive Beobachtung gleich hinterher: »Ich bin sicher, dass er nicht weiter sein Leben riskieren will.«

Trübe Gedanken

Jedes Jahr in Silverstone wird Schumacher nachhaltig an die Gefahren des Rennsports erinnert. Drei Jahre nach seinem schweren Unfall, als der Kerpener ungebremst in die Mauer raste, versucht der vierfache Weltmeister, die trüben Gedanken (»Das vergisst man nie ganz«) an den Unfall zu verdrängen. Schumacher brach sich zwar das Bein und verlor den WM-Titel, aber er blieb am Leben. »Wenn ich im Auto sitze, sind die Erinnerungen weg«, zeigt sich der souveräne WM- Spitzenreiter vor dem Großen Preis von Großbritannien am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere) furchtlos.

Schumi jagt weiter Rekorde

Mit einem komfortablen 46-Punkte-Vorsprung vor Bruder Ralf im Williams-BMW, dem »schärfsten« Verfolger, ist Schumacher zur weiteren Rekordjagd auf die Insel gekommen. Mit seinem 60. Grand-Prix-Sieg könnte der 33-Jährige die Fahrer-Weltmeisterschaft schon fast endgültig für sich entscheiden. Mit einer weiteren Platzierung unter den ersten Drei - seiner 107. im 170. Formel-1-Rennen - hätte »Schumi« zudem den »Podest-Rekord« des Franzosen Alain Prost geknackt.

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