Formel 1 Der Supergau bleibt aus


Aufatmen in der Formel 1: Der Plan, in der kommenden Saison einen Einheitsmotor einzuführen, ist wohl kein Thema mehr. Das bestätigten die Hersteller nach intensiven Verhandlungen mit dem Automobil-Weltverband Fia. Nun werden andere Kostensenkungs-Modelle diskutiert.

Der von den Herstellern gefürchtete Einheitsmotor ist offenbar vom Tisch und damit eine mögliche Zerreißprobe in der Formel 1 wohl abgewendet. "Nach den gelaufenen Gesprächen gehen wir nicht davon aus, dass ein Einheitsmotor kommt - und darauf basiert unser Formel-1-Projekt", sagte BMW- Motorsportdirektor Mario Theissen.

Nachdem sogar Ferrari schriftlich angekündigt hatte, sein Engagement bei einer Einführung standardisierter Triebwerke infrage zu stellen, verdeutlichte auch Theissens Amtskollege von Mercedes-Benz die Position der Autobauer in der "Königsklasse" des Motorsports. "Ich glaube nicht, dass mit den Herstellern ein Einheitsmotor machbar ist", sagte Norbert Haug.

Andere Spar-Modelle

Der Automobil-Weltverband Fia spielte Ferraris Ausstiegsdrohung herunter. Das Ferrari-Gremium scheine falsch informiert zu sein, hieß es in einer Stellungnahme. Laut Fia ist der Einheitsmotor nur eine Option, um die Kosten zu senken. Eine andere Möglichkeit sei, dass die Autoimobilhersteller garantierten, Motoren für weniger als fünf Millionen Euros an die Privatteams zu liefern.

Ferrari, BMW, Mercedes, auch Toyota, Honda und Renault - alle wissen um die Dringlichkeit, im Formel-1-Geschäft auf Sparkurs zu gehen. Die Fia mit Präsident Max Mosley an der Spitze sowie Chef-Promoter Bernie Ecclestone plädieren für den Einheitsmotor. In der vergangenen Woche hatten sich Ferrari-Chef Luca di Montezemolo und John Howett von Toyota mit Mosley getroffen und erste Maßnahmen diskutiert.

Eine Lösung ist in Sicht

In der Team-Vereinigung Fota bestehe Einigkeit, betonte Haug. Auch er rechnet mit einer Lösung im Sinne aller Beteiligten. "Ich glaube, dass wir eine Lösung finden, jeder muss aber kompromissbereit sein", sagte er und forderte: "Wir müssen alle miteinander neben der Strecke kooperieren."

Renault-Teamchef Flavio Briatore geht davon aus, dass anstelle eines Einheitsmotors ein "Triebwerk kommt, das unter dem Gesichtspunkt der Kosten über bestimmte Entwicklungsgrenzen nicht hinausgehen wird". Beim Getriebe sei eine ähnliche Lösung zu erwarten, meinte der Italiener. Den Privatteams - derzeit Williams, Red Bull, Toro Rosso und Force India - solle die Technik "zu einem vernünftigen Preis" verkauft werden, erklärte Briatore.

Wer kann am besten sparen?

Wie wichtig den Herstellern das "Herzstück" der Rennwagen ist, für das die Fia bereits eine Ausschreibung startete, machte auch die Ferrari-Mitteilung deutlich. Der Vorstand habe seine starke Besorgnis über eine mögliche Einführung von Standardmotoren zum Ausdruck gebracht, hieß es darin. Die Formel 1 sei schon immer eine technische Herausforderung, pflichtete auch Haug bei, stellte aber fest: "In den letzten Jahren ist die technische Spitze gekappt worden."

Nur in punkto Finanzen machten sich die einschneidenden Maßnahmen offenbar nicht bemerkbar - im Gegenteil. Die Einführung des V8- anstelle des V10-Motors habe keine Einsparungen gebracht, auch das Energie-Rückgewinnungssystem Kers, das von der nächsten Saison an zum Einsatz kommen soll, nicht. Die Einführung der Standardmotoren war für 2011 geplant. Haug hob in der allgemeinen Finanzdiskussion, die durch die weltweite Wirtschaftskrise kurz vor dem Saisonende an diesem Sonntag mit dem Großen Preis von Brasilien enorm beschleunigt wurde, die Kompetenz der Hersteller hervor: "Wir wissen eindeutig, wie man Geld spart."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker