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FORMEL 1: Die Formel 1 im Zeichen der Trauer

Nach den Terror-Anschlägen in den USA ist den »Tifosi« und Ferrari in Monza nicht mehr zum Jubeln zumute. Kaum einer spricht noch vom vielumjubelten WM-Erfolg.

Nach den Terror-Anschlägen in den USA ist den »Tifosi« und Ferrari in Monza nicht mehr zum Jubeln zumute. Kaum einer spricht noch vom vielumjubelten WM-Erfolg. »Der WM-Sieg hat jetzt keine Bedeutung mehr«, sagt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Alle Jubel-Feiern für Weltmeister Michael Schumacher wurden abgesagt. Statt überschwänglicher Freude herrscht »Trauer und Angst in Monza«, titelte die Zeitung »L¿Unitá«.

Schwarze Frontpartie und keine Werbung

Die Ferrari werden »als Zeichen der aufrichtigen Anteilnahme am großen Schmerz des amerikanischen Volkes« mit schwarz lackierter Frontpartie und ohne Sponsoren-Logos an den Start gehen. »Das Rennen wird eine reine Sportveranstaltung ohne kommerzielle Zwecke und ohne Freude sein«, teilten die Italiener mit. In einer Schweigeminute gedachte die Formel 1 am Freitagmittag den Opfern der Anschläge. Alle Teams reihten sich vor den Boxen auf. Zehn Minuten lang standen alle Motoren still.

Zurück zur Normalität

Lange wurde diskutiert, ob das Rennen in Monza überhaupt stattfinden soll. Am Ende gaben Formel 1-Chef Bernie Ecclestone und der Internationale Automobil-Verband (FIA) grünes Licht. »Es macht keinen Sinn, das Rennen ausfallen zu lassen. Wir alle müssen wieder zur Normalität zurückfinden«, wurde Ecclestone in italienischen Zeitungen zitiert.

Ralf Schumacher wollte nicht fahren

Nicht alle waren mit der Austragung des Grand Prix einverstanden. Am deutlichsten sprach sich Ralf Schumacher dagegen aus: »Wenn es nach mir gegangen wäre, wären wir in Monza nicht gefahren«, erklärte der BMW-Williams-Pilot, der neue Anschläge fürchtet. »Am Sonntag sitzen hier 100 000 Leute wie auf einem Präsentierteller. Man sollte vorsichtig sein«, warnte Schumacher. Auch Nick Heidfeld war gegen den Start. Beim freien Training am Freitag gab es in Monza keine sichtbare Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen.

Keine offiziellen Veranstaltungen

Alle offiziellen Festbankette und Feten wurden abgesagt: Die traditionelle Ferrari-Feier am Samstag genauso wie die WM-Gala der Regionsregierung in Monza. Auch alle anderen Teams verzichteten auf ihre Feste. Das Autodromo Nazionale strich das offizielle Rahmenprogramm komplett. Die Stimmung auf den Rängen war sehr verhalten. Der italienische Automobilclub (ACI) hatte die Fans zur Zurückhaltung aufgerufen.

Häkkinens Babypause

Unterdessen gab McLaren-Mercedes bekannt, was längst klar war: Mika Häkkinen legt nach elf Jahren Formel 1 eine »Babypause« ein, will aber 2003 wieder in die Königsklasse zurückkehren. Supertalent Kimi Räikkönen ersetzt den zweifachen Weltmeister in der kommenden Saison bei den Silberpfeilen und soll mit dem Schotten David Coulthard Jagd auf Michael Schumacher machen. McLaren-Mercedes bedauerte am Freitag bei der Bekanntgabe der Fahrerbesetzung Häkkinens Entscheidung, setzt aber darauf, dass dessen 21 Jahre junger Landsmann die Lücke schließen kann.

»Meine Karriere hat mich so in Anspruch genommen, dass es meine Familie und Freunde immer mehr belastete«, begründete Häkkinen seinen Schritt. »Ich habe das Team um diese Pause gebeten, denn sie gibt mir die Möglichkeit, meine Batterien aufzuladen und mehr Zeit mit meiner Frau Erja und meinem Sohn Hugo zu verbringen«.

Räikkönen vor dem Karriere-Sprung

Räikkönen, der einen der größten Karrieresprünge in der Geschichte des Motorsports macht, kommentierte seine historische Chance nüchtern: »Ganz besonders möchte ich Peter Sauber dafür danken, dass er mir den Wechsel zu McLaren-Mercedes im nächsten Jahr ermöglicht hat.« Der Schweizer Teamchef hatte das Talent direkt aus der viertklassigen Formel Renault nach insgesamt nur 23 Autorennen in die Formel 1 geholt. In 14 Rennen holte Räikkönen bereits 9 Punkte. Eigentlich wollte Sauber seinen jungen Fahrer mit allen Mittel verteidigen.

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