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Formel 1: Die Neuerungen in der Formel 1

Neue Regeln, neue Optik, neue Geschwindigkeiten? Wir haben die wichtigsten Neuerungen der kommenden Formel-1-Saison zusammengetragen und die neuesten Gerüchte, wo das Reglement vielleicht umgangen werden könnte.

Die Formel 1 hat auch in der kommenden Saison wieder Neues zu bieten. Vor allem optisch sind die Regeländerungen offensichtlich. Die Schnabelnase ist aber nicht die einzige Änderung im Vergleich zum Vorjahr. Wir erklären die wichtigsten Neuerungen in der Formel 1.

Frontpartie: Niedrigere Höhe der Fahrzeugnase

Es gibt keine neue Regel, die lautet, die Nase eines Formel 1-Boliden muss möglichst hässlich sein. Die hässlichen Frontpartien sind aber die Konsequenz einer Regeländerung. Artikel 3.7.9 des technischen Reglements besagt nämlich, dass die maximale Höhe aller Karosserie-Bauteile in einem Abstand von mehr als 19,50 cm zum Cockpit-Anfang aus Sicherheitsgründen eine Höhe von 55 cm (bislang 62,5 cm) nicht überschreiten darf.

Das Ganze soll der Sicherheit dienen. Christian Danner erklärt: "Wenn ich einen seitlichen Aufprall habe und die Nase ist so hoch, kann es passieren, dass ich den Fahrer im anderen Auto treffe. Um das zu vermeiden, hat die FIA beschlossen, die Nasen niedriger zu machen. Die Teams haben gesagt: 'Schön und gut, aber wir hätten gerne die Monocoques nach wie vor so, wie sie bis jetzt waren.' Deswegen ist der Höcker entstanden, denn alle versuchen, alles nach oben zu kriegen", so der Formel 1-Experte laut motorsport-total.com.

Aus aerodynamischen Gründen wählten also fast alle Teams die gewöhnungsbedürftige Form eines Nasenhöckers in der Mitte der Frontpartie. Nur McLaren Mercedes und Marussia setzen weiterhin auf geschwungene Linien. Das bedeutet allerdings, dass ihre Chassis niedriger liegen. Der gängigen Meinung der F1-Konstrukteure nach, ist das ein Nachteil beim Erzeugen von Abtrieb.

Man darf gespannt sein, ob sich der Höcker beim Speed auszahlt, eines ist sicher, hübsch ist er nicht. Pirellis Sportchef Paul Hembery fasste die Meinung über die zehn Nashörner in der Formel 1 auf reifenpresse.de zusammen. "Ich sehe das nicht anders als alle anderen – sie sind verdammt hässlich!“

Neue Safety Car-Regeln:

In dieser Saison dürfen sich überrundete Fahrer während einer Safety-Car-Phase wieder zurückrunden. Damit soll ein Re-Start in Rennreihenfolge gewährleistet sein. Ein Plus für die Führenden, die nicht mehr von Überrundeten Autos behindert werden. Beim Singapur Grand Prix im letzten Jahr konnte Sebastian Vettel nach dem Neustart neun Sekunden auf Jenson Button gutmachen, weil der durch überrundete Autos aufgehalten wurde. Wie oft ein Safety-Car zum Einsatz kommt, ist natürlich in jeder Saison sehr unterschiedlich. In der vergangenen Saison musste das Saftey-Car in 7 Rennen 12-mal eingesetzt werden. In der Saison 2010 sogar 21-mal in 12 Grand Prix.

Techniktricks:

In der Saison 2011 umfasste der Regeltext für die Motorsteuerung- und Auspuffpositionierung noch 89 Wörter. Seit dem angeblasenen Diffusor ist alles anders. 954 Wörter regeln nun die Motorsteuerung- und Auspuffpositionierung und der sogenannte angeblasene Diffusor ist 2012 verboten. Die Teams dürfen die Abgase der Autos nicht mehr zu aerodynamischen Zwecken nutzen. Red Bull war in dieser Technik federführend. 

Das KERS ist weiterhin erlaubt. Das "Kinetische Energie-Rückgewinnungs-System" sammelt die beim Bremsen entstehende Energie und stellt diese für rund 6,6 Sekunden als zusätzliche 60kW zur Verfügung. Die Fahrer können darüber per Knopfdruck verfügen und diese auf einmal, oder nach und nach einsetzen.

Kehrt der F-Schacht zurück?

Durch DRS schien der 2011 verbotene F-Schacht kein Thema mehr zu sein. Doch nun scheinen einige Teams auf ein passives F-Schacht-System zu setzen. Dabei wird die Luft z.B. durch ein Loch in der Nase des Boliden angesaugt und ab einem bestimmten Druck auf der Rückseite des Flügels ins Freie geblasen. Das soll zu einer Ablösung der Strömung und zu einer Beruhigung des Luftstromes unterhalb des Flügels führen. 

Dies könnte im Endeffekt einen Topspeedgewinn von ca. 6 bis 8 km/h bedeuten. Aber auch auf der Rückseite des Mercedes-Heckflügels wollen Beobachter zwei hauchdünne Schlitze erkannt haben, die auf ein F-Schacht-System hindeuten. Nicht nur Mercedes und McLaren sollen damit arbeiten, auch beim Red Bull wurden solche Ablassschlitze gesichtet. Zudem wurde der Heckflügel immer sehr schnell verdeckt, damit niemand sich etwas abschauen kann, so wird vermutet. 

Nun wird bei jedem Boliden auf jede mögliche Öffnung geschaut, die ein Lufteinlass für ein F-Schacht-System sein könnte, bei Lotus ist man angeblich auch schon fündig geworden. Inwieweit ein passives F-Schacht-System regelkonform ist, dabei sind sich alle Beteiligten nicht sicher. Laut "auto motor und sport" soll sich ein Rennstall bereits über die Legalität der Systeme beschwert haben und offiziell bei der FIA um eine Klarstellung in diesem Bereich gebeten haben.

Die Reifen

Im Vorjahr hatten die Teams sechs Reifensätze für Qualifikation und Rennen zur Verfügung. In dieser Saison ist die Verwendung fexibilisiert worden. Die Kombination von hard und soft oder medium und soft ist nun ebenfalls möglich.

Regeln für die Fahrer:

Zum einen dürfen die Fahrer die Strecke nicht mehr ohne "vertretbare Gründe" verlassen, falls sie zum Beispiel mit dem Abkürzen von Schikanen Zeit oder Benzin sparen wollten. Diese Regel ist eine Reaktion auf den Grand Prix von Südkorea im letzten Jahr, wo Sebastian Vettel und einige andere Piloten im Qualifying eine Abkürzung nahmen, um die Reifen zu schonen und Kraftstoff zu sparen. Das ist nun streng verboten.

Zum anderen dürfen die Piloten beim Verteidigen ihrer Position "nicht mehr als einen Richtungswechsel“ ausführen. Beim Zurückwechseln auf die Ideallinie müssen sie genügend Raum, sprich "mindestens eine Fahrzeugbreite", zwischen ihrem Auto und dem Streckenrand lassen. "Das Zurückwechseln auf die Ideallinie könnte als zweiter Richtungswechsel verstanden werden und wäre somit illegal", erklärt Rennleiter Charlie Whiting laut motorsport-total.com.

"Wir wollen uns hier nicht auf Diskussionen um Zentimeter einlassen und haben daher festgelegt, dass der sich verteidigende Fahrer mindestens eine Fahrzeugbreite zwischen seinem Auto und dem Streckenrand lassen muss." Diese Regel ist wohl eine Reaktion auf das Duell zwischen Lewis Hamilton und Michael Schumacher beim Monza-Grand Prix im letzten Jahr.

Fazit:

Die Autos sind nicht hübscher geworden, aber entscheidend ist die Geschwindigkeit, nicht das Aussehen - "Entscheidend ist, was auf der Uhr steht", kommentiert Nick Heidfeld laut motorsport-total.com die optische Besonderheit der allermeisten Boliden. Interessant dürften allerdings nicht nur die Regeländerungen und ihre Konsequenzen sein, sondern die Schlupflöcher und F-Schächte, die sich in dieser Saison auftun und vielleicht bald von der FIA wieder geschlossen werden.  

Michel Massing 

sportal.de / sportal

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