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Formel 1 Hamilton und Massa geraten aneinander


Genie und Wahnsinn liegen bei Lewis Hamilton nah beieinander - beim Grand Prix von Singapur zeigte der Brite zum wiederholten Mal in dieser Saison seine "dunkle Seite". Leidtragender war Felipe Massa, der nach dem Rennen außer sich war.

Lewis Hamilton ist ein begnadeter Rennfahrer, daran besteht kein Zweifel. In den letzten Monaten hat er jedoch die Balance zwischen Aggressivität und Kontrolle zu oft verloren und immer wieder unnötige Unfälle verursacht. Auch beim Nachtrennen in Singapur war das so und nicht zum ersten Mal hieß sein Widersacher Felipe Massa.

In Runde 13 versuchte Hamilton mit aller Macht an dem Ferrari vorbeizukommen und merkte schnell, dass das nicht gehen würde. Dennoch lenkte er ein, als Massa noch neben ihm war, und fuhr ihm in den rechten Hinterreifen. Dabei gingen der Flügel des McLaren sowie der Reifen des Ferrari kaputt. Beide mussten in Box, Hamilton kassierte obendrein noch eine Durchfahrtstrafe.

Massa war nach dem Rennen stocksauer und ließ seinem Frust freien Lauf: "Er hört nicht, er versteht es nicht. Er hat mein Rennen zerstört. Er hätte einen schweren Unfall verursachen können."

Verbaler Schlagabtausch

Es folgte noch eine Begegnung der besonderen Art vor laufenden Kameras in der Interview-Zone. Während Hamilton mit einem Journalisten sprach, kam der Brasilianer von hinten herbeigeeilt und klopfte dem Briten auf die Schulter. "Gut gemacht, Bruder", erklärte der Brasilianer sarkastisch und reckte dazu den Daumen in die Höhe. Hamilton antwortete laut BBC knapp mit einem: "Fass mich nicht an, Junge!"

Bei der Beurteilung des Unfalls hatte Massa zumindest Formel 1-Experte Marc Surer auf seiner Seite. Der wurde bei motorsport-total.com mit den drastischen Worten zitiert: "Wie kann man einlenken, wenn man neben einem anderen Auto ist? Da kann man wirklich nur den Kopf schütteln. Es ist Lewis, dem immer wieder so ein Scheiß passiert. Ich verstehe das nicht, aber das geht jetzt schon das ganze Jahr so."

"Gewachsene Feindschaft'' 

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh sah das ganz anders. "Für mich hatte Lewis keine Strafe verdient. Meiner Meinung nach war das ein normaler Rennunfall“, erklärte er gegenüber BBC.

Der Unfall war der vorläufige Höhepunkt von mehreren Vorfällen zwischen den beiden binnen des letzten Jahres. Die "gewachsene Feindschaft'' hat ihren Ursprung womöglich im Jahr 2008 als Hamilton den WM-Titel mit einem Punkt vor Massa gewann. Entscheidende Punkte verlor Massa damals bei dem manipulierten Rennen in Singapur. 

Die vielen strittigen Aktionen Hamiltons in den letzten Monaten haben die Rivalität wieder erneuert, auch wenn beide derzeit nicht um den Titel kämpfen. Hamiltons Negativserie begann vor gut einem Jahr in Monza als der McLaren-Pilot sich an Massa vorbei mogeln wollte und in den Ferrari hineinfuhr. Der Brite schied damals aus und verlor die WM-Führung. Im nächsten Rennen in Singapur beschwor Hamilton dann einen Unfall mit Mark Webber herauf und musste seinen Rennen abermals vorzeitig beenden.

In dieser Saison kollidierte Hamilton in Monaco mit Pablo Maldonado und Massa, in Kanada mit Mark Webber und Jenson Button, in Belgien mit Kamui Kobayashi und nun in Singapur nun erneut mit Massa.

Bereits ein Vorfall im Qualifying

Schon im Qualifying waren die beiden aneinandergeraten, als sie auf der Strecke hintereinander fuhren und sich auf eine schnelle Runde vorbereiteten. Im Kampf um eine gute Ausgangsposition quetsche sich Hamilton schließlich an Massa vorbei. "Obwohl es die klare Absprache gibt, dass man die anderen Piloten auf der Outlap respektiert, hat er mir meine Runde versaut", ärgerte sich Massa schon da bei motorsport-total.com. Bei Hamilton hörte sich das so an: "Ich versuchte, an ihm vorbeizugelangen, doch er warf mir immer wieder die Türe zu."

Es ist müßig, bei jeder Aktion stets den Schuldigen suchen zu wollen, doch eines ist auch klar. Lewis Hamilton ist in den letzten Monaten einfach zu oft in überflüssige Aktionen verstrickt, die ihn viele Punkte gekostet haben. Zu welchen Leistungen er fahrerisch in der Lage ist, zeigte er auch in Singapur, als er von Position 17 noch auf fünf nach vorne fuhr. Er muss jedoch zwingend sein Temperament in den Griff bekommen, denn ansonsten wird Felipe Massa womöglich doch Recht behalten. Der orakelte nämlich, dass Hamilton niemals mehr einen Titel gewinnen wird, wenn er so weitermacht wie im Moment.

Lars Ahrens 

sportal.de sportal

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