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Formel 1 in Bahrain: Krimi-Auftakt zur Schumi-Rückkehr

Spannendes erstes Qualifying in der neuen Mit-Schumacher-Ära: Der Rückkehrer fuhr in Bahrain auf Platz sieben, Sebastian Vettel auf die Pole. Doch die Ungewissheit beginnt jetzt erst.

Von Elmar Brümmer

Den Großeltern von Sebastian Vettel steht eine schwere Saison bevor. "Die fallen jedes Mal fast um vor dem Fernseher", sagt der Heppenheimer mit einem Grinsen und grüßte nach einem Qualifying-Krimi und der sechsten Pole-Position seiner Karriere Oma und Opa übers Fernsehen. Vettel wie Schumi, nur jünger. Erstes Rennen in der neuen Mit-Schumacher-Ära, und der Vize-Weltmeister im Red-Bull-Rennwagen fährt frech vorneweg. Mit fast anderthalb Sekunden Vorsprung auf den Rekord-Weltmeister, der im Silberpfeil den siebten Startplatz belegt. Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg landete auf Platz fünf, neben Vettel steht der andere große Rückkehrer der Saison, Ferraris Unfall-Opfer Felipe Massa. Es ist der erwartet enge Wettbewerb, aber für das Auftaktrennen gilt weiterhin: Formel Fragezeichen.

Schumachers Flirt mit der Kamera

Unzufrieden wirkt der aus der Frührente zurückgekehrte Schumacher mit dem siebten Rang nicht: "Eine besondere Nummer, die zu mir passt. Ich hoffe, dass ich sie im Laufe der Saison hinunter arbeiten werde." Nach der schweißtreibenden Stunde inspiziert der siebenfache Champion noch in Ruhe die anderen geparkten Autos, runzelt die Stirn - aber nur, um mit der Kamera zu flirten. Er wirkt erleichtet. Der 41-Jährige fährt eine Langzeit-Strategie, aber er ahnt, dass er sich keine stärkere Saison für das Comeback hätte aussuchen können. "Michael hat sich nach seiner langen Pause überzeugend zurückgemeldet, und das Rennen wird ihm noch besser liegen als das erste Qualifying nach so langer Zeit", lobt Mercedes-Sportchef Norbert Haug, "er startet vor dem amtierenden Weltmeister, was über die Leistungsdichte im Feld alles sagt."

"Ich habe mir mehr erwartet"

Nico Rosberg hat sich mit Rang fünf unter den Augen von Mercedes-Lenker Dieter Zetsche fürs Erste vom Schumi-Überdruck emanzipiert, allzu oft hatte der Rekordweltmeister in seiner Karriere schließlich noch nicht das Nachsehen gegen einen Teamkollegen. Um den Silberpfeil in die richtige Balance zu bringen, setzen Senior- und Juniorfahrer von Mercedes auf Teamwork. "Ich habe mir mehr erwartet, auf die Pole-Position gehofft", sagt Nico Rosberg, "aber mehr als Platz vier wäre nicht möglich gewesen. Im Rennen muss das Podium drin liegen, auch wenn es schwer wird, mit den drei da vorne mitzuhalten."

Michael Schumacher startet mit einer neuen Helmaufschrift in die Qualifikationsstunde zum Großen Preis von Bahrain, seinem Tag der Wahrheit: "Monster" lautet der Schriftzug eines neuen Sponsors. Über die Wirkung des Energiedrinks kann man streiten. Beim dreitgeteilten Ausscheidungsfahren schafft es der 41-Jährige, im ersten Durchgang als Neunter weiterzukommen. Die gleiche Platzierung im zweiten Abschnitt, da hat dann schon Vettel das Kommando ganz vorn übernommen. Rosberg, der direkte Maßstab, ist jedes Mal etwa eine halbe Sekunde schneller, nur zum Schluss verkürzt Schumacher auf drei Zehntel.

Am Ende geht es zur Sache

Die dritte Finalrunde ist mit zehn Minuten angesetzt, aber erst in der allerletzten Minute geht die Meute richtig zur Sache, Top oder Flop. Die 42 Grad heiße Piste ist mit ihren unterschiedlichen Aspahlt-Belägen schwierig zu fahren, aber Vettels Red Bull liegt perfekt. Ganz im Gegensatz zum Freitag, und mit einem entsprechend "dicken Hals" ging der 22-Jährige in das erste richtige Kräftemessen der Saison. Die Mechaniker bauten seinen Dienstwagen über Nacht komplett um, und Vettel witterte Morgenluft im Morgenland: "Ich bin mit dem besseren Fuß aufgestanden." Schlag auf Schlag purzeln die Zeiten, aber selbst die beiden favorisierten Ferrari-Piloten kommen an Vettels Bestmarke nicht mehr ran. "Eine Riesenüberraschung, damit konnte niemand rechnen. Ich bin sehr, sehr glücklich."

Und bei aller Erleichterung Vettels muss dieser - stellvertretend für die ganze Gilde - zugeben, dass die große Ungewissheit erst beginnt. Wie sich die gegenüber der Qualifikation dann vollgetankten und zunächst 160 Kilo schwereren Autos und vor allem die Reifen auf den 49 langen Runden durch die Steinwüste verhalten werden, das weiß keiner. Auch die richtige Strategie ist ein Pokerspiel: "Wie es im Rennen laufen wird, ist ein ganz großes Fragezeichen", sagt Vettel. Die weichere Reifenmischung ist die schnellere, aber das Reglement fordert auch den Einsatz des ungeliebten harten Gummis. Alle Arten von Strategien sind denkbar, nur bei den Top Ten ist es Pflicht, den Reifen der schnellsten Qualifikationsrunde am Start einzusetzen. Als wenn es nicht so schon spannend genug wäre...

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