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Formel 1: Nürburgring und Hockenheim streiten um deutschen Grand Prix

Ein Deal des Nürburgrings mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sorgt für Wirbel: Ab 2015 soll der Große Preis nur noch in der Eifel stattfinden. Der Hockenheimring fühlt sich übergangen - und reagiert.

Der Hockenheimring will dem Nürburgring nicht den Großen Preis von Deutschland in den Jahren 2016 und 2018 überlassen. Mit Unverständnis reagierte Hockenheimring-Geschäftsführer Georg Seiler auf die Meldung über einen Vertrag des Nürburgrings mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, wonach der deutsche Grand Prix von 2015 an für fünf Jahre auf dem Eifel-Kurs gefahren werden soll. "Ja, natürlich", antwortete Seiler der auf die Frage, ob in den Jahren 2016 und 2018 der Große Preis von Deutschland wie bislang geplant in Hockenheim stattfinden werde.

Hockenheimring beruft sich auf Vertrag

Seiler berief sich auf einen entsprechenden Vertrag der Nordbadener mit Ecclestone. Darin sei festgelegt, dass bis 2018 das prestigeträchtige Rennen im jährlichen Wechsel in Hockenheim und am Nürburgring ausgetragen werde. Der nächste Große Preis von Deutschland findet am 20. Juli auf dem Hockenheimring statt.

"Ich finde es unmöglich, zum jetzigen Zeitpunkt und so kurz vor unserem Grand Prix eine solche Meldung in diese Welt zu setzen", schimpfte Seiler. Zuvor hatte die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) die überraschende Einigung mit Ecclestone verkündet.

Bislang wechselten Rennstrecken

Bislang war die Formel 1 alle zwei Jahre am Nürburgring zu Gast - im Wechsel mit dem Hockenheimring. Immer wieder hatten die Motorsportfans in Deutschland in den vergangenen Jahren um den Heim-Grand-Prix bangen müssen. Nach dem Ende des großen Booms der Michael-Schumacher-Jahre kämpften beide Strecken mit wachsenden finanziellen Problemen. Nur das Entgegenkommen von Ecclestone, der einen wichtigen Kernmarkt nicht aufgeben wollte, und die Einigung auf ein jährliches Wechselspiel sicherten vorerst den Großen Preis von Deutschland.

Als dann der Nürburgring in die Pleite rutschte, stand das Formel-1-Rennen in der Eifel erneut auf der Kippe. Doch die neuen Besitzer des krisengeschüttelten Nürburgrings sehen ihr Heil offenbar weiter in der Königsklasse. CNG-Chef Robertino Wild konnte Ecclestone anscheinend von seinen Plänen für den mythischen Kurs überzeugen. Vorgesehen sei ein Finanzierungsmodell mit einer "ausgeglichenen Gewinnverteilung" zwischen beiden Partnern, hieß es. Nun sollten umgehend Gespräche mit potenziellen Geldgebern aufgenommen werden.

Europa wird zunehmend unwichtiger

Dass es in den kommenden Jahren erneut zwei WM-Läufe in einer Saison in Deutschland geben wird, erscheint höchst fraglich. Längst hat die Rennserie neue Märkte vor allem in Asien und im arabischen Raum erobert, dort kassiert Ecclestone deutlich höhere Antrittsgebühren von den Veranstaltern. Die Europa-Rennen sind dagegen auf dem Rückzug, vor allem wegen finanzieller Probleme.

Zudem ist der Kalender mit 19 Rennen bereits fast am Limit, neue Anwärter wie Aserbaidschan und New Jersey sollen nachrücken. Da wird der Platz für zwei Rennen in Deutschland knapp.

fme/DPA / DPA

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