Formel-1-Pilot Sebastian Vettel "Ich bin hier, um zu gewinnen"


Shootingstar Sebastian Vettel mischt die Formel 1 auf. Seit seinem Sieg im Regen-Rennen von Shanghai gilt der Red-Bull-Pilot als ernsthafter Weltmeisterkandidat. Vor dem nächsten Rennen in Bahrain spricht Vettel im Interview über das Fahren am Limit, über seine Ziele und die Konkurrenz.

Haben Sie Ihren Triumph von Shanghai inzwischen auch etwas genießen können oder war die Zeit dafür zu knapp?

Der Flug von China nach Bahrein war lang, ich hatte also Zeit, mich etwas auszuruhen und über den schönen Sieg in China nachzudenken.

Vor zwei Jahren fuhren Sie auch in Shanghai im Regen im Toro Rosso vom 17. Startplatz auf Rang vier vor. Im vergangenen September feierten Sie beim Regenrennen in Monza Ihren ersten Grand-Prix-Sieg. Jetzt China. Sind Sie der neue "Regen-König"?

Regen-König hin oder her, fest steht, dass man bei Regenrennen nie weiß, womit man zu rechnen hat. Mir scheint Regen gut zu tun. In China hatten wir sehr viel Aquaplaning, teilweise sind wir mehr geschwommen als gefahren. Jede Runde war eine große Herausforderung und es war extrem schwer, das Auto über das ganze Rennen am Limit zu bewegen und auf der Strecke zu halten. Es war eine riesige Erlösung, am Ende über die Ziellinie zu fahren und zu wissen, dass man das Rennen gewonnen hat. Ein fantastisches Gefühl.

Zählt Red Bull in dieser Saison schon zu den Top-Teams?

Ich denke, wir haben von Anfang der Saison an gezeigt, dass wir ein gutes Auto haben. Ich bin überglücklich darüber. Die ersten zwei Rennen bin ich leider nicht ins Ziel gekommen, aber wir waren schnell genug, um ganz vorne mitzufahren. In China hat es dann geklappt, auch wenn die Umstände etwas anders waren. Unterm Strich waren sie für alle gleich und wir waren sehr schnell unterwegs und haben den Sieg wohlverdient nach Hause gefahren. Jetzt muss man bei den nächsten Rennen weitersehen, wie sich die Kräfteverhältnisse entwickeln werden. Die Autos sind noch frisch und stehen am Anfang ihrer Entwicklung.

Rechnen Sie sich für 2009 WM-Chancen aus?

Derjenige, der am Ende die meisten Punkte gesammelt hat, wird die WM gewinnen. Drei Rennen liegen hinter uns und 14 vor uns. Es wird ein langer, harter Weg, Ziel ist es, immer und überall zu gewinnen, das auch im Hinblick auf die WM.

Rekord-Weltmeister Michael Schumacher traut Ihnen zu, eines Tages den Titel zu holen. Wann bekommt er mit seiner Prognose Recht?

Ich bin hier, um zu gewinnen, und mein Traum ist es, Weltmeister zu werden. Prognosen sind allerdings wenig stichfest. Wenn jemand sagt, dass es regnen wird, glaubt man es auch erst, wenn es nass ist.

Was sind Ihre Ziele für dieses Jahr?

Das Auto und Team sind gut, also ist es mein Ziel, die Weltmeisterschaft zu gewinnen.

Können Sie am Sonntag in Bahrain bei sicherlich komplett anderen Witterungsverhältnissen wieder ganz vorne landen?

Bahrain ist eine eigene Strecke. Die Beschaffung der Strecke ist ganz anders als in China. Top Speed auf der Geraden ist wichtig, die Teams mit KERS (Kinetisches Energie-Rückgewinnungssystem) haben vielleicht einen Vorteil, Bremsen und Reifen müssen richtig eingesetzt werden, die Luft ist heiß und trocken. Fahrzeug und Fahrer werden sehr beansprucht. Wir müssen uns gut vorbereiten, damit wir ganz vorne mitkämpfen können. Wir sprechen uns am Sonntag, nachdem ich die Ziellinie überfahren habe. Dann kann ich sagen, wo ich stehe.

Bleibt BrawnGP vorerst die Nummer 1 oder hat der Red-Bull-Doppelsieg in China die Wachablösung eingeläutet?

Die Saison ist drei Rennen alt. Unterm Strich ist BrawnGP das stärkste Team, aber das Jahr ist lang und besonders durch die große Revolution der Regeln kann noch viel passieren. Alle werden hart arbeiten und es ist schwer, an die Spitze zu kommen.

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Interview: Elmar Dreher/DPA DPA

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