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Formel 1: Schumacher: Vom Gejagten zum Jäger

Erstmals seit 130 Wochen geht Michael Schumacher nicht als WM-Spitzenreiter an den Start. Vom ungewohnten Rollentausch lässt sich der fünfmalige Champion jedoch nicht aus der Ruhe bringen.

«Der WM-Kampf besteht nicht nur aus einem Rennen», sagte Michael Schumacher vor dem Rennen in Malaysia am Sonntag. Wer derzeit der Stärkste ist, vermochte der beim Auftakt in Melbourne geschlagene Superstar noch nicht zu beurteilen. «Ich bin mir nicht ganz sicher, was uns beim Großen Preis von Malaysia erwarten wird», meinte der Ferrari-Pilot, der erneut wie geplant im Vorjahresauto antritt: «Auf jeden Fall freue ich mich auf das Rennen und bin auch recht zuversichtlich.»

Der letztjährige Dominator sieht sogar positive Aspekte in seiner neuen Position. Schumacher freut sich, «dass ich diesmal am Freitag nicht wieder den Straßenkehrer spielen muss». Er geht in der ersten Qualifikation zum zweiten Saisonrennen gemäß seines WM-Rangs als Vierter auf die Strecke. Zuletzt in Melbourne hatte er als erster Fahrer mit einem Schmutz-Belag auf dem Kurs zu kämpfen. Letztmals hatte Schumacher vor dem Grand Prix in Indianapolis am 24. September 2000 nicht die WM-Führung innegehabt. Damals in den USA hatte er sie wieder übernommen und seither nicht mehr abgegeben.

Kriegs-Angst im Fahrerlager

Unterdessen wächst auch in der Formel 1 die Angst vor dem drohenden Irak-Krieg. «In Malaysia fühle ich mich sicher. Aber es macht mir Sorgen, dass der Krieg bald losgehen könnte. Ich will das nicht, weil so viele Menschenleben gefährdet sind», sagte Nick Heidfeld der malaysischen Zeitung «Star». «Man macht sich schon Gedanken», so Sauber-Kollege Heinz-Harald Frentzen.

Vor dem schwierigen Rennen am Sonntag (08.00 Uhr MEZ/live bei RTL und Premiere) in Sepang akklimatisierte sich Michael Schumacher im Fitness-Urlaub an einem geheim gehaltenen Ort. Der als Modell-Athlet bekannte Kerpener fühlt sich fit für Außentemperaturen von bis zu 40 Grad und einem bis zu 55 Grad heißen Cockpit. «Ein Rennen in dieser Hitze und Feuchtigkeit zu fahren, fordert wirklich sehr viel von dir ab, und ich bin froh, dass ich in dieser Hinsicht recht hart im Nehmen bin. Hitze macht mir nicht allzu sehr zu schaffen», erklärte der zweimalige Sepang-Sieger auf seiner Homepage.

Schumacher rangiert in der WM-Wertung mit fünf Punkten hinter Melbourne-Sieger David Coulthard (10), dem BMW-Williams-Piloten Juan Pablo Montoya (8) sowie dem finnischen Silberpfeil-Fahrer Kimi Räikkönen (6). Trotz des heiß ersehnten Erfolges durch den Schotten war Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug vorsichtig mit Prognosen. "Malaysia ist ein ganz neues Spiel", meinte er. Nach wie vor sei Ferrari die Messlatte für McLaren-Mercedes. Coulthards Sieg heiße nicht, "dass wir jetzt ein Abonnement auf den Erfolg haben".

"Perfekter Kurs für unser Auto"

Schöne Erinnerungen verbindet Ralf Schumacher mit Malaysia. Als einziger aus dem deutschen Fahrer-Quartett war er zwischen den Rennen nach Europa geflogen, um Testfahrten zu absolvieren: Im Vorjahr hatte er in Sepang den einzigen BMW-Sieg 2002 geholt. "Ich habe das Rennen genossen und hoffe sehr, dass ich das wiederholen kann", sagte der Kerpener. "Ich liebe dieses Land und diese Rennstrecke." Seiner Ansicht nach passt der Kurs "perfekt zu unseren Reifen und unserem Auto". Michelin, Partner von Williams und McLaren, gilt wegen der Temperaturen als Reifen-Favorit.

Im Gegensatz zu den Schumachers haben Frentzen und Heidfeld in Malaysia schon Schwerarbeit hinter sich. Am Mittwoch ging die Serie von PR-Auftritten für den malaysischen Team-Partner Petronas mit der Präsentation eines neuen Motoren-Öls sowie einem Empfang in der Schweizer Botschaft weiter. Der bald 36 Jahre alte Frentzen verblüffte einheimische Journalisten mit der Aussage, er wolle Riccardo Patreses Rekord von 256 Grand Prix einstellen. "Ich habe noch einen weiten Weg, bis ich zu ihm aufgeschlossen habe", wird er im "Star" zitiert. Der Mönchengladbacher bestritt 142 Grand Prix.

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