Formel-1-Vorschau Alle gegen Schumi


Der entthronte Rekord-Weltmeister brennt auf Revanche, Renault rechnet mit der WM-Wiederholung und die revolutionäre Regelreform sorgt für einen technischen Neustart: Die Formel-1-Saison 2006 verspricht Spannung pur.

Anders als in den Vorjahren hat sich bei den Testfahrten kein klarer Favorit heraus kristallisiert. Gleich ein halbes Dutzend Piloten kann sich im Titelrennen berechtigte Hoffnungen auf die WM-Krone machen. Michael Schumacher will mit seiner erstarkten Scuderia Ferrari die alte Hackordnung herstellen, Fernando Alonso strebt im Renault das Double an. Das Silberpfeil-Duo Kimi Räikkönen und Juan Pablo Montoya will im McLaren-Mercedes endlich triumphieren. Aber auch Schumachers langjähriger "Wasserträger" Rubens Barrichello träumt nach seinem Wechsel zu Honda ebenso wie sein Teamkollege Jenson Button vom WM-Wunder.

Max Mosley, der Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes FIA, rechnet mit einem harten Kampf: "Ich traue fünf, sechs Fahrern und vier Teams gute WM-Chancen zu." Formel-1-Boss Bernie Ecclestone geht ebenfalls davon aus, dass sich mehrere Piloten bis zum Schluss ein spannendes WM-Rennen liefern. "Es gibt keinen eindeutigen Favoriten", sagte der Brite vor der am 12. März mit dem Großen Preis von Bahrain beginnenden Saison.

"Michael ist Maßstab für uns alle"

Ferrari hat seine Talfahrt von 2005 mit nur einem Schumacher-Sieg beim Skandal-Grand-Prix von Indianapolis offensichtlich stoppen können und mit dem neuen 248 F1 wieder einen WM-würdigen Wagen. Trotz kleinerer Probleme bei den Testfahrten strotzt Schumacher vor Zuversicht und hält den achten Titelgewinn für realistisch. "Wir wollen die WM gewinnen", sagte der 37 Jahre alte Kerpener. Sollte die erhoffte Wende wider Erwarten nicht gelingen, dürfte der Seriensieger und Rekordsammler nach seiner 16. Formel-1-Saison seine einmalige Karriere beenden. Zur Saisonmitte will sich Schumacher entscheiden.

Alonso hat einen Heidenrespekt vor seinem WM-Vorgänger. "Michael ist der Maßstab für uns alle. Wenn Ferrari so gut ist, wie es scheint, dann ist er der Favorit", sagte der Titelverteidiger aus Spanien. Trotz aller Warnung vor und Wertschätzung für den siebenmaligen Champion glaubt Alonso daran, Fahrer- und Konstrukteurstitel mit Renault verteidigen zu können: "Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt." Sein frühzeitig bekannt gegebener Wechsel zu McLaren-Mercedes im kommenden Jahr beeinträchtige ihn bei seinem großen Vorhaben "in keinster Weise".

Barrichello will mit Honda angreifen

Räikkönen will nach seinen zwei Vize-Titeln endlich in die Fußstapfen seines Landsmannes Mika Häkkinen treten, der mit McLaren- Mercedes zwei Mal (1998, 1999) triumphierte. Der Finne hofft darauf, dieses Jahr von Defekten verschont zu bleiben und von Anfang an vorne mitmischen zu können: "Ich bin an der Reihe." Für Montoya ist es möglicherweise die letzte Chance, im Silberpfeil sein WM-Potenzial zu beweisen. Sollte nicht sein Teamkollege, wie allgemein erwartet, 2007 zu Ferrari gehen, könnte der inkonstante Kolumbianer Opfer der Alonso-Verpflichtung werden. "Ich habe das Zeug zum Champion", kündigte Montoya selbstbewusst Großes an.

Wie befreit wirkt Barrichello, seit er aus Schumachers übergroßem Schatten getreten ist. Der Brasilianer schlug nach den überraschend starken Auftritten seines neuen Arbeitgebers Honda forsche Töne an: "Wir können Ferrari schlagen." Allenfalls Außenseiterchancen hat Ralf Schumacher. Für den 30-Jährigen geht es primär darum, mit Etat-Krösus Toyota endlich den ersten Sieg einzufahren. "Das muss unsere Zielsetzung sein. Ob es realistisch ist, werden wir in Bahrain sehen", sagte er eher skeptisch. Aufbauarbeit mit dem neuen Team BMW-Sauber steht für Nick Heidfeld im Vordergrund. "Das ist ein langfristiges Projekt. Gleich Siege zu erwarten, ist eher unrealistisch", setzt der Mönchengladbacher auf Zeit. Sein Ziel, "in ein paar Jahren Weltmeister zu werden", teilt auch Nico Rosberg. Der in Wiesbaden lebende 20 Jahre junge Sohn des Weltmeisters von 1982, Keke Rosberg, will bis spätestens 2010 seinem Vater folgen. "Ich will der Beste werden und ich will gewinnen", sagte der Formel-1-Frischling und ließ vor seinem Lehrjahr keine Zweifel daran, dass er sich zutraut, ein ganz Großer zu werden.

Noch 18 Grand Prix im Rennkalender

Von der Regel-Revolution am stärksten betroffen sind die Motoren. Mosley drückte durch, dass die rund 950 PS leistenden Dreiliter-Triebwerke mit zehn Zylindern auf 2,4 Liter-V8-Versionen mit etwa 750 PS abgespeckt wurden. Zudem gab es gewaltige Einschränkungen beim Material. Auch bei der Aerodynamik machten die FIA-Regelhüter Abstriche, um die bis zu 370 Stundenkilometer schnellen Geschosse und die ausufernden Kosten im Milliarden-Zirkus einzubremsen. Reifenwechsel sind wieder erlaubt. Ob der neue Qualifikations-Modus mehr Anklang als das alte Einzelzeitfahren findet, wird sich zeigen.

Das doppelte K.o.-System mit Abschlussfinale um die Pole-Position ist zumindest originell. Nicht nur die Leistung und die Kosten schrumpfen, auch der WM-Kalender: Nach dem Wegfall der Traditionsstrecke Spa-Francorchamps, von Schumacher als "mein Wohnzimmer" geliebt, stehen noch 18 Grand Prix auf dem Programm. Darunter angesichts der Finanzkrise der Hockenheimring GmbH möglicherweise letztmals zwei deutsche Rennen in einem Jahr. Zuwachs gab es bei den Teams: Super Aguri ist der einzige echte Neuling unter den elf Rennställen, bei denen durch Besitzerwechsel neue Namen wie BMW-Sauber, Honda, Midland F1 und Toro Rosso auftauchen.

DPA DPA

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