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Formel 1: Weniger Geld, mehr Action

Mehr Punkte für einen Sieg, kürzere Rennen und weitere drastische Sparmaßnahmen: Die Vereinigung der Rennställe, die Fota, will weiter sparen und die Formel 1 künftig wieder spektakulärer machen. Dafür hat sie jetzt ihre Vorschläge präsentiert.

Das Rettungspaket für die Formel 1 steht. In nie gekannter Einigkeit haben die Teams einen ehrgeizigen Zukunftsplan für die Motorsport-Königsklasse entworfen und wollen so die Rennserie langfristig stabilisieren. "Ich sehe die Formel 1 mit diesem Maßnahmenpaket auf dem richtigen Weg", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen am Donnerstag nach der Vorstellung des Konzepts der Teamvereinigung Fota in Genf. Halbierte Kosten, mehr Spektakel, kürzere Rennen und ein neues Punktesystem bilden die Eckpunkte der Strategie. Am 17. März werden die Pläne dem Weltrat des Internationalen Automobilverbands Fia vorgelegt. "Die Krise bietet eine große Chance, die Formel 1 weiterzuentwickeln", sagte Fota- Präsident Luca di Montezemolo.

Ungeachtet von Sponsoren-Flucht und Absatzkrise hätten alle in der Königsklasse engagierten Auto-Hersteller sowie die unabhängigen Teams zugesichert, bis 2012 in der Formel 1 zu bleiben, erklärte der Ferrari-Chef. Bedingung sei jedoch die Einigung auf eine neue "Formel-1-Verfassung", das sogenannte Concorde Agreement, ergänzte di Montezemolo auf Nachfrage. 70 Minuten lang entwarfen der Italiener und die Teamchefs im zum Theater umgebauten Wasserkraftwerk inmitten der Rhone ihre Vision von einer stärkeren Formel 1. "Wir haben die beste Show der Welt", rief Renault-Teamchef Flavio Briatore von der Bühne in den abgedunkelten Saal. "Wir haben Glamour, Power, Gefahr und Lifestyle", fügte der Lebemann hinzu.

Budgets um 50 Prozent kürzen

Fit für die Zukunft sollen die Formel 1 vor allem weitere Einsparungen machen. Bis 2010 wollen die Teams ihre Budgets um bis zu 50 Prozent kürzen. "Das ist eine Zielsetzung, die wir mit aller Entschiedenheit verfolgen", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Schon in diesem Jahr wird vor allem bei den Motoren und beim Getriebe kräftig gespart. Testfahrten sind deutlich begrenzt und während der Saison verboten. Im kommenden Jahr sind weitere Restriktionen beim Chassis und der Aerodynamik-Entwicklung sowie die Vereinheitlichung des teuren Hybridsystems Kers vorgesehen. "Ich habe keinen Zweifel, dass wir unser Ziel auch dort erreichen", sagte Theissen. Zudem soll künftig am Personal gespart werden.

Für eine attraktive Show schlug die Fota die Verkürzung der Rennen auf höchstens 250 Kilometer und maximal 1:40 Stunden vor. Das neue Punktesystem soll den Anreiz für alle Piloten erhöhen, bis zuletzt um den Sieg zu fahren. Schon in dieser Saison soll jeder Grand-Prix-Gewinner zwölf statt wie bislang zehn Punkte bekommen. Der Zweitplatzierte bekäme in diesem Fall neun statt acht Zähler, der Dritte sieben anstelle von sechs Punkten. Zuletzt war mehrfach Kritik laut geworden, dass die Fahrer wegen der geringen Punkte-Differenzen zwischen den Platzierungen weniger riskiert hätten und nicht mehr voll auf Sieg gefahren seien. Für 2010 brachte die Fota zusätzliche WM-Zähler für den schnellsten Boxenstopp ins Gespräch.

Neue Fans und neue Sponsoren anlocken

Mit mehr Spektakel wollen die Rennställe neue Fans und Sponsoren anlocken. "Es gibt eine Reihe von Märkten und Chancen. Die Formel 1 ist etwas Einzigartiges", erklärte Ferrari-Präsident di Montezemolo. Via Fernsehen und Internet sollen schon während der Rennen bisher geheime Teamdaten den Zuschauern zugänglich gemacht werden, um den bisweilen rätselhaften Technik-Wettlauf besser verständlich zu machen. Grafiken auf dem TV-Schirm sollen zur besseren Darstellung des Rennverlaufs erweitert werden. "Das gibt den Fans einen viel besseren Blick hinter die Kulissen", meinte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Ermöglicht hatte das weitreichende Konzept erst die erstaunliche Harmonie der einst tief zerstrittenen Teams. Seit Gründung der Fota im September 2008 mühen sich die Rennställe um eine einheitliche Stimme im Kampf mit dem Automobil-Weltverband Fia und den Rechte-Inhabern um Bernie Ecclestone um mehr Mitsprache. "Es ist sehr positiv, dass sich alle Teams in dieser Unmissverständlichkeit vereint haben", lobte Mercedes-Mann Haug.

Christian Hollmann/DPA / DPA

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