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Grand Prix von Monza: Ein Festival in Rot

Umjubelter Jubiläumssieg in Monza: Michael Schumacher hat beim Ferrari-Heimspiel für ein rotes Festival gesorgt. Nach einem Vierteljahr ohne Grand-Prix-Erfolg verschaffte sich der Weltmeister damit im WM-Endspurt etwas Luft.

Michael Schumacher hat mit einem umjubelten Jubiläumssieg die erhoffte Wende geschafft und beim Ferrari-Heimspiel in Monza für ein rotes Festival gesorgt. Nach einem Vierteljahr ohne Grand-Prix-Erfolg beendete der Weltmeister beim Großen Preis von Italien seine schwarze Serie von fünf sieglosen Rennen und verschaffte sich damit im spannendensten WM-Endspurt seit Jahren etwas Luft. Der fünfmalige Champion, dem vor seinem Meisterschafts-Verfolger Juan Pablo Montoya der 50. Triumph für Ferrari gelang, hat nun zwei Rennen vor Schluss drei Punkte Vorsprung vor dem Williams-BMW-Piloten. Zehntausende begeisterter Tifosi feierten Schumacher. Der Kerpener kann bereits in zwei Wochen in Indianapolis als erster Pilot der Formel-1-Geschichte überhaupt zum sechsten Mal Weltmeister werden.

Schumachers fünfter Saisonsieg

Nach 53 Runden und 306,720 km im "Autodromo Nazionale" im Königlichen Park war Schumachers insgesamt 69. Grand-Prix-Erfolg perfekt. Zuletzt hatte der Ferrari-Star, der vor drei Wochen in Ungarn sogar überrundet wurde, am 15. Juni in Kanada gewonnen. Schumacher feierte seinen fünften Saisonsieg nach 1:14:19,838 Stunden mit 5,2 Sekunden Vorsprung vor Montoya. Silberpfeil-Pilot Kimi Räikkönen wurde hinter dem brasilianischen Ferrari-Fahrer Rubens Barrichello Vierter.

Ralf Schumacher hatte seinen Start aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Heinz-Harald Frentzen blieb an siebter Position kurz vor dem Ziel stehen, sein Mönchengladbacher Sauber-Kollege Nick Heidfeld (9.) verlor auf den letzten Metern noch den achten Rang.

Schumacher führt in der WM-Wertung

In der WM-Wertung führt Michael Schumacher vor den abschließenden Grand Prix in Indianapolis und Suzuka mit 82 Punkten vor Montoya (79) und Räikkönen (75). Ralf Schumacher (58) blieb trotz der Zwangspause Vierter. In der Konstrukteurswertung behauptete Williams-BMW (141) die Führung vor Ferrari (137) und McLaren-Mercedes (120).

Schumacher hatte erstmals seit sieben Rennen wieder die Pole Position erobert ("Eine große Erleichterung"). Er erhielt vor dem Rennen Aufmunterung durch Rad-Star Jan Ullrich, der dem Ferrari-Piloten ein Bianchi-Trikot schenkte. In der heißen Startphase, als es ihm hinteren Feld spektakulär krachte, kam der Titelverteidiger knapp als Erster durch die erste Kurve; in der zweiten zog Verfolger Montoya neben ihn. Schumacher konnte sich in dem harten Rad-an-Rad-Duell in der "Variante della Roggia" mit Mühe behaupten, den Kolumbianer aber schließlich etwas abschütteln. Bis zum Boxenstopp baute er den Vorsprung langsam aus. Nacheinander kamen die WM-Rivalen Räikkönen (14.), Schumacher (16.) und Montoya (17.) zum Reifenwechsel, durch den der Weltmeister eineinhalb Sekunden auf den Williams-BMW-Piloten einbüßte.

Montoya knapp auf den Fersen

Zur Hälfte des Rennens war Montoya dem Führenden knapp auf den Fersen. Der Kolumbianer versuchte permanent, an Schumacher heranzukommen. Aber der Champion ließ sich nicht nervös machen. Räikkönen konnte nicht direkt in den Kampf der Titel-Aspiranten eingreifen. Der Finne lag als Vierter hinter Barrichello immer über zehn Sekunden hinter dem Spitzenduo. Zum zweiten Stopp kam Montoya (33.) einen Umlauf früher als Schumacher (34.). Doch erneut behauptete der 34-Jährige die Führung - mit 1,978 Sekunden Vorsprung. Wieder kam Montoya zunächst sehr, sehr nahe. Aber mit zunehmendem Rennverlauf konnte sich der Titelverteidiger leicht absetzen und den lang ersehnten Sieg ins Ziel bringen.

David Coulthard im zweiten McLaren-Mercedes schied in der 46. Runde aus. Auch Ungarn-Sieger Fernando Alonso hatte Pech: Er war in den Startunfall verwickelt und hatte nie eine Chance, um einen Platz auf dem Podium mitzufahren.

Bruder Ralf nur Zuschauer

Ralf Schumacher konnte das Rennen nur als Zuschauer vor dem heimischen Fernseher verfolgen. Der Williams-BMW-Pilot hatte seinen Start kurzfritig abgesagt, weil er am Freitagabend durch die Belastung im Zeitfahren einen Rückschlag erlitten hatte. Elf Tage nach dem schweren Testunfall, bei dem er sich eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte, waren die Beschwerden wieder aufgetreten. Der Startverzicht raubte ihm die letzte Titel-Hoffnung. "Ich habe zwar noch nie in meiner Karriere ein Rennen abgesagt, aber Sicherheit und Gesundheit gehen nun mal vor", erklärte der 28-Jährige nach seiner vorzeitigen Heimreise. Sein Bruder Michael sprach von der "vernünftigsten Entscheidung, die er treffen konnte". Ob Ralf Schumacher beim nächsten Rennen in Indianapolis antreten kann, war am Wochenende noch nicht sicher. Der spanische Ersatzpilot Marc Gene überzeugte als Fünfter.

Andrea Wimmer und Elmar Dreher / DPA

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