Großer Preis von Ungarn Krieg der Sterne


Spionage-Affäre fortgesetzt, Krieg der Sterne verschärft, so viele Deutsche so weit vorn wie nie - und ausgerechnet jetzt macht die Formel 1 drei Wochen Sommerferien. Nach dem knappen Hamilton-Sieg von Ungarn zählt nicht nur der düpierte Fernando Alonso die Tage bis zur Revanche.
Von Elmar Brümmer

Auf der Piste ist den Silberpfeilen kaum beizukommen, und trotzdem hat McLaren-Boss Ron Dennis Tränen in den Augen: Er durfte nicht hoch aufs Podium, um den Siegespokal für das Team abzuholen. Denn noch ist die Achterbahnfahrt der Gefühle für die WM-Spitzenreiter nicht ausgestanden, am grünen Tisch kann viel passieren. In der Einzelwertung aber haben Hamilton (80 WM-Punkte) und Alonso (73 Zähler) vor Beginn des entscheidenden Saisondrittels ein ordentliches Polster vor Räikkönen (60) und Massa (59).

Selten, dass die Ereignisse vom Qualifikations-Samstag noch die Sonntags-Schlagzeilen dominieren. Noch seltener, dass es sich dabei um Geschehnisse aus der Boxengasse handelt. Und noch eine Rarität - dass ein Rennstall dann dafür bestraft wird, wenn sich die beiden Fahrer mit schmutzigen Tricks ausmanövrieren. Die Blockade von Fernando Alonso kurz vor Ende des Qualifyings, die dem Spanier die Pole Position bringen sollte und Hamilton die schnellste Runde kostete, war eine Retourkutsche. Das neuerliche Nachtreten eines Weltmeisters scheint die ganze Verzweiflung eines Mannes auszudrücken, der trotz der eindeutigen Startnummer derzeit nur die gefühlte Nummer zwei ist.

Hamilton ignorierte Teamorder im Qualifying

Es gibt eine Menge Verschwörungstheorien zum Zwischenfall vor der McLaren-Garage, wo Alonso völlig unverständlich 30 Sekunden lange parkte. Der Auslöser, so lässt sich das durch den von unflätigen Worten garnierten Funkverkehr halbwegs nachvollziehen, war ein eigenmächtiges Vorgehen Hamiltons zu Beginn der Top-Ten-Wertung. Der Brite ignorierte ausdauernd die Anweisung des Teams über Boxenfunk, Alonso aus taktischen Gründen vorbei zu lassen. Danach war Ron Dennis erregt wie nie vor den Fernsehkameras zu sehen. Er ahnt, dass ihn die Geschichte einholt: Vor zwei Jahrzehnten haben ein gewisser Alain Prost und ein Ayrton Senna ähnliche Spielchen getrieben. Es war die erfolgreichste Zeit des Rennstalls, aber das Hauen und Stechen rutschte immer mehr unter die Gürtellinie und wurde immer gefährlicher - bis sich die Streithähne gegenseitig von der Piste rammten.

So lustig, wie der aktuelle Mercedes-Werbespot Glauben machen will, ist es um die interne Rivalität zwischen Alonso und Hamilton nicht bestellt: Zwischen Star und Sternchen (wobei längst nicht mehr klar ist, wer der beiden welche Rolle hat) herrscht wortwörtlich ein Krieg der Sterne. Alonso wurde nach Mitternacht von der Rennleitung um fünf Startplätze zurückversetzt, was ihm alle Siegchancen nahm. McLaren-Mercedes wurden wegen Verstoßes gegen den Wettbewerbsgedanken alle Punkte für die Konstrukteurs-Wertung in Ungarn aberkannt - wogegen noch ein Protest vor dem Berufungsgericht möglich ist.

Jean Todt und Ron Dennis im Verfolgungswahn

Justitia kann ohnehin das Zünglein an der Waage in dieser dramatisch engen Weltmeisterschaft spielen, schließlich ist auch noch die Ferrari-Berufung gegen McLaren in Sachen Spionage anhängig. Die Erzrivalen Jean Todt und Ron Dennis treiben ihren Verfolgungswahn so weit, dass es die Italiener am Hungaroring sogar ablehnten, Kimi Räikkönen und Felipe Massa zusammen mit Bernie Ecclestone und den McLaren-Piloten ablichten zu lassen.

Jedem seine eigene Wahrheit, das wird langsam zur Tradition in dieser Branche. Die Saison 2007, das ist nach knapp zwei Dritteln des Rennjahres schon klar, entpuppt sich als echte Formel Zoff.


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