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Prozess gegen Formel-1-Boss Ecclestone: Immer Ärger mit Bernie

Bernie Ecclestone hat die Formel 1 kompromisslos geführt - möglicherweise auch mit kriminellen Methoden. Jetzt wird ihm in München der Prozess wegen Bestechung gemacht. Es droht das Ende einer Ära.

Von Tim Schulze

In den vergangenen Wochen hat sich Formel-1-Boss Bernie Ecclestone immer wieder geärgert. Die Formel 1 sei nicht mehr das, was Sie einmal war. Seit den massiven Regeländerungen vor der neuen Saison meckert der Renn-Zampano in einer Tour: "Das sind unglaubliche Entwicklungen, aber ich glaube nicht, dass sie in die Formel 1 gehören", schimpfte der 83-Jährige beim Grand Prix in Bahrain Anfang April, "sie passen eher zu Tourenwagen oder so etwas." Oder: "Der Stand der Dinge ist inakzeptabel für die Zuschauer. Wer sich Tickets für die Formel 1 kauft, erwartet eine Königsklasse, wie sie früher war."

Früher, da gab es keine leisen Sechszylinder-Hybridmotoren und den begrenzten Benzinverbrauch. Die Formel 1 war lauter und ungezügelter und damit auch attraktiver, finden Männer wie Ecclestone, der Putin bewundert und Demokratie eher für hinderlich hält. Zu seinem Leidwesen kann Ecclestone die Regeln nicht im Alleingang rückgängig machen. Auch als Geschäftsführer der Formel 1, die mehrheitlich der Investmentfirma CVC gehört, hat er nicht die Macht dazu. Alle Teams müssten den Änderungen zustimmen. Und das wird nicht der Fall sein, weil Rennställe wie Mercedes von den neuen Bestimmungen profitieren.

Götterdämmerung in der Formel 1

Vielleicht wird die Ära Ecclestone sowieso bald Geschichte sein. Denn in München hat der Prozess gegen den 83-Jährigen wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue begonnen. Im Fall einer Verurteilung wäre der Brite seinen Job los. Der Vorwurf: Ecclestone soll dem ehemaligen Vorstand der BayernLB, Gerhard Grikowsky, 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt und sich einen Großteil davon in Form einer Beraterprovision von der BayernLB zurückgeholt haben. Der BayernLB ist dadurch laut Anklage ein Schaden von umgerechnet knapp 35 Millionen Euro entstanden.

Grikowsky und Ecclestone trafen aufeinander, als die bayerische Landesbank im Jahr 2006 ihre Mehrheit an der Formel 1 verkaufen wollte. Die Anteile an der Rennserie waren ihr als Pfand für die Pleite der Kirch-Gruppe zugefallen. Weil die Bank nicht viel damit anfangen konnte, sollte Gribkowsky die Beteiligung zu Geld machen. Dabei kam er im Jahr immer wieder mit dem mächtigen Formel-1-Lenker Ecclestone zusammen, den der Besitzerwechsel alles andere als kalt ließ. Aus Angst vor einem Machtverlust bei der Formel 1, meint die Münchner Staatsanwaltschaft.

Wie aus der Anklage hervorgeht, wollte Ecclestone Einfluss auf die Auswahl des Käufers der Formel 1 nehmen und zahlte deshalb Millionen an Gribkowsky, damit er den britischen Investor CVC aussucht. So hatte es auch Gribkowsky in seinem Prozess vor Gericht erzählt und wurde deshalb im Sommer 2012 zu achteinhalb Jahren Haft wegen Bestechung verurteilt. Im Übrigen vom selben Richter, der den Prozess gegen Ecclestone führt.

Ecclestone sieht Zahlungen als Schweigegeld

Ecclestone stellt die Zahlung hingegen als eine Art Schweigegeld dar: Er habe befürchtet, dass Gribkowsky ihn bei den britischen Steuerbehörden anzeige. Er habe ihn deshalb "friedlich, freundlich und ruhig" halten wollen. "Die behauptete Bestechung gab es nicht", erklärten Ecclestones Anwälte vor Prozessbeginn.

Sollte Ecclestone verurteilt werden, müsste der 83-Jährige wohl nicht ins Gefängnis. In Justizkreisen wird nicht mit einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung gerechnet. Doch es hätte Folgen für die Formel 1. Ecclestone müsste seinen Job abgeben. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff glaubt, dass die Rennserie dann wie jedes andere Unternehmen geführt würde: "Nach Ecclestone wird es, vermute ich, ein Management-Team mit unterschiedlichen Kompetenzen geben. Das wird ein ganz normales Management-Board sein wie in jedem anderen Großunternehmen", sagte der Österreicher.

Doch soweit ist es noch nicht. 40 Jahre hat sich Ecclestone an der Spitze der Formel 1 gehalten. "Das Ganze (der Prozess, Anm. d. Red.) ist doch nur so ein sehr kleiner Teil meines Lebens. Es sollte eigentlich keine Rolle spielen. Aber im Moment kostet es mich sehr viel Zeit", sagt Ecclestone. Er wolle im Münchner Prozess alles klarstellen - um dann mit seinem Job weitermachen zu können.

mit Material von DPA

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