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Saisonausblick 2004: "Es wird eng"

Ecclestone tippt auf Räikkönen, Willi Weber setzt auf den kleinen "Schumi", sein Bruder, der Rekordweltmeister glaubt an die Titelverteidigung: Selten gibt es soviele Favoriten auf den Titel wie in der neuen Saison.

Der Weltmeister will die Wiederholung, die Widersacher wollen die Wachablösung: Auch 2004 dreht sich in der Formel 1 alles um die Frage, ob Seriensieger Michael Schumacher seine Solofahrt zum dann siebten Titel fortsetzen kann oder die kampfstarken Konkurrenten endlich die Kurve kriegen und den Champion nach vier Jahren erstmals wieder ausbremsen können.

Ecclestone tippt auf Räikonnen - Weber sieht Rlaf Schumacher vorn

Für Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ist die Sache schon vor dem Saisonstart am 7. März in Melbourne klar. "Dieses Mal holt Kimi Räikkönen den Titel", tippt der Engländer auf den 2003 nur knapp gescheiterten Finnen und damit auf einen Machtwechsel. Willi Weber, der Manager der beiden Schumachers, ist sich dagegen sicher, dass "2004 das Jahr von Ralf" und damit des jüngeren Bruders wird. Laut Niki Lauda könnte den Reifen die Schlüsselrolle im WM-Rennen zukommen. Der dreimalige Weltmeister sieht klare Vorteile für Williams-BMW und McLaren-Mercedes wegen der Michelin-Pneus im Gegensatz zu Ferrari, das mit Bridgestone fährt.

Michael Schumacher glaubt an Titelverteidigung

Michael Schumacher lassen diese und ähnliche Experten-Prognosen völlig kalt. Der Ferrari-Star vertraut auf seine eigenen Stärken und die seines Teams. Die rote Traum-Kombination hat es auf vier Fahrer- und fünf Konstrukteurstitel in Serie gebracht, was in 55 Jahren Formel 1 einmalig ist. Diesem Erfolgsmärchen möchten Schumacher und die Scuderia ein weiteres Kapitel hinzufügen. "Ich will wieder den Titel", kündigte der Kerpener an. "Ich bin bereit. Wir alle sind bereit für die neue Herausforderung."

Allerdings rechnet der Rekord-Weltmeister mit einer denkbar knappen Entscheidung. "Es war im Vorjahr eng, und es wird wieder eng." McLaren-Mercedes-Mann Räikkönen und das Williams-BMW-Duo Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya dürften wieder die schärfsten Rivalen des 70-maligen Grand-Prix-Gewinners sein.

Zeichen stehen auf Bruderkampf

Vor allem die Drohungen des jüngeren "Schumis", keine Rücksicht mehr auf den älteren zu nehmen und bei Rad-an-Rad-Duellen nicht mehr zurückzustecken, deuten auf einen verbissenen Bruderkampf hin. "Die Zeit der Ausreden ist vorbei", setzt sich Ralf Schumacher unter gewaltigen Erfolgsdruck. "Dieses Jahr müssen wir den Titel holen." Teamkollege Montoya, dessen Wechsel 2005 ins Silberpfeil-Lager für zusätzlichen Sprengstoff sorgt, sieht sich an der Reihe. "Wenn sich mir die Chance mit Williams-BMW bietet, nutze ich die natürlich", sagte der Kolumbianer.

Räikkönen sieht "Selbstvertrauen gestärkt"

Auch Räikkönen, der Michael Schumacher 2003 nur um zwei Zähler unterlegen war, fühlt sich für das WM-Rennen gewappnet. "Es wird mir leichter fallen, ein Wörtchen um den Titel mitzureden, weil ich nun weiß, wie das geht", sagte der junge Finne. "Die Erfahrungen aus der letzten Saison haben mich schnell gemacht, mein Selbstvertrauen gestärkt."

Nick Heidfeld kann hingegen nicht mal im Traum an den Titel denken. Der Mönchengladbacher muss froh sein, im Gegensatz zu seinem einstigen Sauber-Team- und Stadtkollegen Heinz-Harald Frentzen in letzter Sekunde bei Jordan noch ein Cockpit ergattert zu haben. "Ein Platz irgendwo im Mittelfeld müsste möglich sein", sagt "Quick Nick" und hofft, den drohenden Karriereknick verhindern zu können.

Regeländerungen

Revolutionäre Reformen im Reglement sind im Gegensatz zur Vorsaison ausgeblieben. Am tief greifendsten ist die Veränderung bei den Motoren, die jetzt das ganze Grand-Prix-Wochenende halten müssen. Muss ein Triebwerk wegen eines Defektes im Training getauscht werden, rutscht der Pilot in der Startaufstellung um zehn Plätze nach hinten.

Bemerkenswert ist der Kalender: 18 Rennen - so viele wie noch nie - stehen auf dem Programm. Bahrain und Shanghai sind neu; Spa- Francorchamps nach einjähriger Verbannung wieder dabei. Das deutsche Fahrertrio genießt wie gewohnt zwei Mal Heimrecht: am 30. Mai beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring und am 25. Juli beim Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring.

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