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Schumacher-Comeback in Bahrain: "Es hat viel Spaß gemacht"

Der Senior unter den Rennfahrern kann zufrieden sein: Michael Schumacher hat sich nach knapp drei Jahren Rente mit einem sechsten Platz beim Grand Prix in Bahrain zurückgemeldet.

Von Elmar Brümmer, Bahrain

Vettel-Vau, Rosberg-Tolle, Schumi-Daumen - die Erkennungszeichen der Formel Deutsch sind beim Saisonauftakt der Formel 1 in Bahrain auf dem Siegerpodest nicht gefragt. Hinter dem Ferrari-Duo Fernando Alonso/Felipe Massa und McLaren-Pilot Lewis Hamilton belegt das Trio die Plätze vier, fünf und sechs. Zufrieden sein damit kann nur der Senior. Michael Schumacher meldet sich nach 1239 Tagen Renn-Rente zurück - überlegt, nicht überlegen. Immerhin rangiert er noch vor dem amtierenden Weltmeister Jenson Button. Das ist fürs Image wertvoller als die acht Punkte, die er für den Wiedereinstand gutgeschrieben bekommt.

Die Reifeprüfung für die Königsklasse ist vor allem eine Reifen-Prüfung. Die Autos sind 160 Kilo schwerer, richtige Tanklaster. Auch deshalb hält die Karawane von Bahrain nicht das, was der große Hype vorher versprochen hatte. Alles ein bisschen überhitzt. Michael Schumacher ist auch im Nachhinein mit seiner Coolness gut beraten. Das Fahren im hohen Rennfahreralter kann auch unter Extrembedingungen ein Vergnügen sein: "Es hat viel Spaß gemacht", bilanziert der 41-Jährige und gesteht nachträglich etwas Bammel vor durchdrehenden Reifen am Start ein: "Ich hatte vor dem Start ohne Traktionskontrolle schon Respekt, es ging aber gut. Körperlich war es ziemlich locker." Besonders aufregend fand er den Einstand nicht: "Nach dem Start war es die Odyssee, die wir erwartet hatten. Am Boxenstopp kann man etwas machen, nachher muss man hinterherfahren, wenn man nicht überholen kann. Die Reifen haben es nicht zugelassen."

Schumacher in der Leader-Funktion


Er will, dass etwas passiert, und rückt trotz der Niederlage im Team-Duell mit Nico Rosberg schon wieder in die Leader-Funktion. Aus rein persönlichem Interesse. Die neue Pneu-Generation passt nicht zu seinem Fahrstil, Schumacher klagt über Untersteuern. Statt eines Gefühlsausbruchs nach seinem 250. Grand Prix gibt es eine klare Analyse: "Ferrari und Red Bull haben Vorteile, wir müssen deshalb noch was am Auto machen. Wir können keinen neuen Rennwagen bauen, aber im Windkanal doch noch einiges optimieren." Der Wunsch ist ein Befehl ans Silberpfeil-Team: "Rangehen und arbeiten!" Mercedes-Sportchef Norbert Haug verspricht ihm und sich: "Wir werden bald einige Plätze weiter vorne fahren."

Während Sebastian Vettel von der Pole-Position aus davonzieht, macht Schumacher vom siebten Platz aus - dem gleichen wie bei seinem allerersten Formel-1-Start 1991 - einen Rang gut, in dem er sich aus dem Getümmel raushält und am RedBull-Boliden von Mark Webber vorbei kommt. Über die Langstrecke kommt er schon besser in Schwung als in der Qualifikation. Nach zehn Runden liefert er zum ersten Mal an diesem Wochenende eine bessere Rundenzeit als Rosberg ab. Schumi tastet sich ran, sieht plötzlich gar nicht mehr so alt aus.

Vettel ohne "Dampf auf der Kette"


Dafür sieht der jüngere Vettel ziemlich alt aus - der Red Bull verliert mit Auspuff- und Elektrikproblemen an Leistung. Der riesige Vorsprung gegenüber den Verfolgern im Ferrari schmilzt, nach 34 Runden sind die Roten vorbei, kurz darauf auch Hamilton, und am Ende hält er sich mit Müh und Not Rosberg und Schumacher vom Hals. "Ich hatte einfach keinen Dampf mehr auf der Kette", klagt Vettel, "nachdem der Sieg schon so gut wie erledigt war, konnte ich nur noch Schadensbegrenzung betreiben."

Schumachers Comeback-Leistung entspricht dem, was er sich selbst ausgerechnet hat. Der Sprung aufs Podium wäre - obgleich nicht ganz unmöglich - auch ein bisschen viel für den Anfang gewesen. Damit geht die Auszeichnung für die Rückkehr des Jahres fürs Erste an Felipe Massa, der nach seinem Horror-Crash letzten Sommer in Budapest stärker zurückkehrte als Lehrmeister Schumacher. Noch einer, der Morgenluft wittert im Morgenland.

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