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Sebastian Vettel: Entlarvt und beschädigt

Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat sich durch sein beinhartes Überholmanöver entgegen der Order seines Teams vor allem selbst geschadet. Auch wenn seine Aktion sportlich nachvollziehbar war.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Der dreifache Weltmeister wirkte beschämt: "Es wird bestimmt noch jede Menge Gespräche geben, denen ich mich auch stellen werde", hauchte ein betrübt wirkender Sebastian Vettel nach seinem geklauten Sieg beim Grand Prix von Malaysia in die Mikrofone. Glaubwürdig war sein kleiner Herz-und-Schmerz-Auftritt nicht. Vor allem vor dem Hintergrund seines Auftritts nur wenige Momente zuvor auf dem Formel-1-Kurs von Sepang.

Dort hatte Vettel kurz vor Schluss entgegen der Order vom Red-Bull-Kommandostand seinen Teamkollegen Mark Webber mit einem beinharten Überholmanöver auf den letzten Metern noch den Sieg entrissen und seinen ersten Grand-Prix-Erfolg in der neuen Saison eingefahren. Seitdem schlägt ihm heftige Kritik entgegen - zu Recht. Denn so sehr Vettels Aktion aus sportlicher (Ehrgeiz)-sicht auch nachvollziehbar war, rein strategisch betrachtet war es ein Fehler, sich über die Stallorder hinwegzusetzen.

Vergiftete Stimmung bei Red Bull

Aus zwei Gründen. Zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison ist es im Titelrennen sicher kein Vorteil, wenn das eigene Team sein Vertrauen missbraucht sieht und der Kollege zum Intimfeind wird. Hilfe von Mark Webber kann WM-Spitzenreiter Vettel in den verbleibenden 17 Rennen kaum noch erwarten. Im Gegenteil: Der Australier dürfte im letzten Vertragsjahr bei Red Bull mehr denn je seine eigene Agenda verfolgen - ohne jegliche Rücksicht auf Vettel.

Die vergiftete Stimmung bei Red Bull, die der Sünder ganz allein zu verantworten hat, ist das eine. Aber was noch viel schwerer wiegt, sind die Kratzer an Vettels Image. Sicher, Egoisten sind sie im Rennauto alle, aber derartig offen hat selten ein Formel-1-Fahrer seine brutale Seite auf der Rennstrecke gezeigt. Nicht wenige fühlen sich bereits an Rekordchampion Michael Schumacher erinnert, der auf seinem Weg zu sieben Titeln des Öfteren die guten Manieren vergaß und einmal sogar seinen Bruder Ralf Richtung Boxenmauer drängte.

Hat sich Sebastian Vettel bei seinem Sieg richtig verhalten?

Vettels Ruf ist beschädigt

Siegen um jeden Preis. So war es bei Schumi - und so ist es auch bei Vettel. Die Maske ist gefallen. Die Gefahr dabei: Das skrupellose Verhalten droht das große fahrerische Talent des Deutschen verbunden mit viel Intelligenz zu überschatten. Vettels Ruf ist ab sofort beschädigt. Und man muss schon sehr abgebrüht sein, um sich mit dem Bösewicht- und gnadenlosen Egomanen-Image auf Dauer in der Königsklasse des Rennsports ganz oben zu halten. Schumacher hat das geschafft. Vettel muss das erst noch beweisen. Der Wind kommt für ihn ab sofort von vorne. In Sturmstärke.

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