Vettel vor Formel-1-Debüt PS-Ersatz mit Milchgesicht


Ausgerechnet auf einer der gefährlichsten Strecken der Welt feiert ein 19-jähriger deutscher Nobody seine Premiere in der Formel 1. Sebastian Vettel übernimmt in Indianapolis furchtlos das Cockpit des noch nicht wiederhergestellten Crash-Piloten Robert Kubica.

Vor seinem Formel-1-Debüt hat Sebastian Vettel den berühmt-berüchtigten "Nudeltopf" von Indianapolis zu Fuß erkundet. "Ich bin zwei Runden gejoggt, um mir ein Bild von der Strecke zu machen", sagte der Heppenheimer. Gefahren ist der bald 20 Jahre alte Hesse auf der geschichtsträchtigen Rennbahn im Mittleren Westen der USA zwar noch nicht, aber: "Ich freue mich drauf. Der Sonntag wird ein spezieller Tag werden. Ich kann es noch nicht wirklich glauben, muss ich ehrlich sagen."

Als die Rennärzte seinem Teamkollegen Robert Kubica den Start beim Großen Preis der USA verboten, klingelte das Handy bei Vettel. "Nachdem der Robert beim Doktor war, hat mich Mario Theissen angerufen und mir gesagt, dass ich mich mal bereit machen soll." Sein Telefon behielt der Ersatzfahrer im BMW-Sauber-Team gleich in der Hand: "Ich habe dann meine Eltern angerufen und denen Bescheid gesagt."

"Immer davon geträumt"

Danach rief die Arbeit. Der Rennwagensitz musste angepasst und er selbst gewogen werden. Mit Helm saß Vettel im Cockpit und schaute den Mechanikern zu, die den Boxenstopp übten. "Es gab viel zu tun", sagte er. Auch von seinem Teamkollegen Nick Heidfeld holte er sich einige Tipps. "Er hat nach der Strecke gefragt", verriet "Quick Nick". Vettel fiebert der Premiere entgegen. "Ich denke, dass er es mit Umsicht und Augenmaß angeht und seine Aufgabe lösen wird", sagte BMW- Motorsportdirektor Mario Theissen. "Und ich hoffe, dass er die Qualität des Autos demonstrieren kann." Eine Platzvorgabe wollte Theissen dem Neuling nicht mit auf den Weg geben für die 73 Runden á 4,192 Kilometer. "Es wäre falsch, ihn unter Druck zu setzen."

Das macht Vettel schon selbst. "Unser Auto war bis jetzt sehr gut. Und von daher ist das Ziel und die Marschrichtung klar." Mit einem guten Rennen kann der junge Mann Werbung für sich selbst machen. Daran, dass er wenige Tage vor seinem 20. Geburtstag sein erstes Formel-1-Rennen fährt, hat der Sohn eines Zimmermanns nämlich lange nicht geglaubt. "Die Formel 1 war immer so ein Traum, ganz weit weg. Man hat davon geträumt, aber man hat nicht gedacht, dass man es wirklich erreicht."

Erstes Rennen mit sieben Jahren

Nun hat er es geschafft, es gab nur einen Wermutstropfen für ihn: "Ich wünschte, es wäre unter anderen Umständen dazu gekommen. Es ist nie schön, wenn ein Teamkollege nicht fahren kann, weil er einen Unfall hatte." Furcht kennt er nicht: "Man hat Respekt vor dem, was man macht, das ist ganz klar. Aber es ist jetzt nicht so, dass man Angst hat überhaupt einzusteigen." Obwohl BMW auf einen Start von Kubica, der am vergangenen Sonntag beim Grand Prix in Montréal schwer verunglückt war, gehofft hatte, akzeptierte das Team die Rennsperre: "Die Mediziner sind die Fachleute. Was die sagen, wird gemacht", sagte Theissen. Nicht überrascht war Heidfeld: "Bei einem neuerlichen Unfall wäre es gefährlich geworden", sagte er. Kubica war "enttäuscht", doch der Pole wünschte Sebastian "alles Gute. Für ihn ist es eine Chance, und ich bin sicher, er wird sie gut nutzen".

Vettels Karriere auf vier Rädern begann schon bald nachdem er auf zwei Beinen stehen konnte. Mit dreieinhalb Jahren bekam er sein erstes Kart. Sein Vater, der selbst Bergrennen fuhr, hatte ein Einsehen mit dem quengelnden Filius. Mit sieben Jahren absolvierte Vettel, der eine Schwester und einen Bruder hat, sein erstes Rennen. Zuletzt fuhr er in der Formel BMW, der Formel 3 und der Formel Renault.

Volker Gundrum/DPA


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