"6+5"-Regelung Mehr Deutsche in die Bundesliga


Geht es nach Fifa-Präsident Joseph Blatter, werden in Zukunft mehr deutsche Spieler in der Bundesliga zu sehen sein. Mit der so genannten "6+5"-Regelung rennt der Chef des Fußball-Weltverbandes bei vielen Clubs offene Türen ein.

Joseph Blatter hat in der Fußball-Bundesliga an Sympathie gewonnen. Mit seiner Forderung der so genannten "6+5"-Regel rennt der Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA derzeit bei vielen Clubs offene Türen ein. Der Anteil der eingesetzten ausländischen Spieler ist an den ersten neun Spieltagen der laufenden Saison der Eliteliga im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozentpunkte auf 54 Prozent angestiegen. Das ergab eine Erhebung der Deutschen Presse-Agentur dpa. In den Spielzeiten zuvor war er von 53 (2004/2005) und 51 (2005/2006) auf 49 Prozent kontinuierlich gesunken.

Damit bestätigen die 18 Clubs einen Trend in Europa, wonach immer weniger heimische Spieler eingesetzt werden. Nicht zuletzt deshalb will Blatter durchsetzen, dass mit Beginn der Saison 2010/2011 in jedem europäischen Team mindestens sechs inländische Fußballer in der Anfangself stehen. Der FIFA-Chef verspricht sich davon eine höhere Identifikation der Fans, bessere Chancen für Talente und eine finanzielle Entlastung der Vereine. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", sagte der Schweizer dem Fachmagazin "Kicker".

"Große Lösung in ganz Europa"

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) begegnet den FIFA-Plänen mit großem Wohlwollen. "Wenn wir etwas ändern wollen, dann geht das nur mit der großen Lösung, die in ganz Europa oder sogar weltweit gilt", sagte Peter Peters, der 1. DFL-Vizepräsident. "Ich finde das für überdenkenswert und grundsätzlich positiv." Den angestiegenen Ausländeranteil hält Peters unabhängig von der Vorzügen der "6+5"- Regel aber für unproblematisch. "Es gibt gesetzliche Vorgaben, die die Vereine ausschöpfen. Das kann man ihnen nicht vorwerfen", sagte Peters, der zugleich Geschäftsführer des FC Schalke.04 ist.

Bei den Vereinen gibt es ganz pragmatische Gründe für die hohen Einsatzzeiten ausländischer Profis. "Ich würde auch lieber mehr deutsche Spieler verpflichten, aber finanziell ist das für uns nicht möglich", begründete Steffen Heidrich, Manager von Energie Cottbus. Der Tabellenletzte hat mit 83 Prozent den höchsten Ausländeranteil an eingesetzten Spielern. Laut Heidrich seien deutsche Spieler mit der gleichen Qualität nicht bezahlbar. Ähnliches wird beim 1. FC Nürnberg dafür gesorgt haben, dass Hans Meyer von 23 eingesetzten Spielern bislang 17 Ausländer aufs Feld schickte.

Grundsatz, dass Deutsch gesprochen wird

Doch es gibt auch Clubs, die ein anderes Konzept verfolgen und damit Erfolg haben. Beim Aufsteiger Karlsruher SC kamen nur 7 Ausländer zum Einsatz. "Bei mir landen die meisten Angebote ausländischer Spieler direkt im Papierkorb", sagte KSC-Manager Rolf Dohmen. Grund dafür sei, dass es genug gute Spieler in Deutschland gebe. Beim KSC herrscht der Grundsatz, dass Deutsch gesprochen wird. Mit einer Umsetzung des FIFA-Plans hätte der Aufsteiger schon jetzt keine Probleme. Entsprechend fällt Dohmens Bewertung des Plans aus. "Für den deutschen Fußball gibt es nichts Besseres."

Auch Hansa Rostock setzt auf zumeist deutschen Nachwuchs, obwohl sich der Verein wie der andere Ost-Club Cottbus den meisten Konkurrenten finanziell unterlegen fühlt. "Wir wollen Deutschlands Ausbildungsverein Nummer eins werden", kündigt Hansa-Coach Frank Pagelsdorf vollmundig an. Und er lässt Taten sprechen. Mit nur acht "Fremdarbeitern" hat Rostock mit 36 Prozent den geringsten Ausländeranteil aller Bundesligisten.

"Unsere Philosophie ist es, junge deutsche Spieler auszubilden und diese wieder zu verkaufen", erklärt Arminia Bielefelds Geschäftsführer Reinhard Saftig. Bei der Arminia liegt der Ausländeranteil mit 38 Prozent bislang ebenfalls deutlich unter dem Bundesliga-Durchschnitt. "Meine Erfahrung ist, dass sich deutsche Spieler vor allem im Misserfolg mehr mit ihren Clubs identifizieren", erläutert Saftig. Auch er hält die "6+5"-Regel für gut. Das häufig geäußerte Argument, dass damit der Nationalelf geholfen würde, findet er jedoch falsch: "Die anderen Nationen würden natürlich auch davon profitieren, denn es wäre ja eine international geltende Regelung."

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sieht ebenfalls keine Vorteile für die nationalen Auswahlen. "Für die Nationalmannschaft ist es völlig egal, ob ein Spieler in Deutschland oder im Ausland ausgebildet wird." Als Einziger ist Holzhäuser grundsätzlich kein Freund der "6+5"-Regelung für die Liga. Für ihn macht sie "keinen Sinn".

DPA DPA

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