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1. Bundesliga: Bundesliga-Check - 1. FC Nürnberg

Platz sechs in der Abschlusstabelle hatte es für Nürnberg zuletzt in der Saison 2006/07 gegeben - in der folgenden Spielzeit stieg man ab. Somit waren die Franken gewarnt, doch der personelle Aderlass und das Wirken des Herrn Scrosoppi ließen den FCN bis auf Platz 15 fallen. Ob der Klassenerhalt gelingt, erfahren Sie hier.

In der Saison 2010/11 belegte der 1. FC Nürnberg Platz sechs und überraschte damit die gesamte Fachwelt. Mit einem Kader, der sich gespickt von vielen Spielern zeigte, die auch in einer U23-Auswahl hätten auflaufen können, kratze man an den internationalen Plätzen. Doch im Frankenland wusste man um die Einzigartigkeit dieser Saison und hatte als Ziel den Klassenerhalt ausgegeben - eine richtige Einschätzung.

Ilkay Gündogan, Mehmet Ekici, Kapitän Andreas Wolf und der aus Stuttgart ausgeliehene Julian Schieber verließen den Club vor der Saison und damit brachen gleich vier wichtige Stützen weg, die dafür gesorgt hatten, mit Platz sechs ein fantastisches Ergebnis einzufahren. Zwar fand keiner der Genannten sein Glück bei einem anderen Verein, doch das half den Franken auch nicht weiter.

Der Club liegt nach der Hinrunde nur auf Platz 15, musste zudem für kurze Zeit gar die raue Luft der Abstiegsregionen aufsaugen. Ein Sieg gegen Bayer Leverkusen und der damit verbundene Sprung auf Platz 15 der Tabelle hätte dann zwar für einen versöhnlichen Abschluss des Jahres sorgen können, wäre da nicht die Niederlage im DFB-Pokal gegen die SpVgg Greuther Fürth gewesen.

Falschester Satz aus dem Sommer-Check

"Der Klassenerhalt wird (…) auch kein Problem werden. Nürnberg wird sich weiter in der Liga etablieren. Und am Ende (…) einen sicheren neunten Platz erreichen.“ So schrieb es Kollege Asmus, der vor einigen Tagen noch mit viel Lob überhäuft wurde, als er mit der Menge an Qualität, die sein Arbeiten auszeichnet, die Hertha aus Berlin im Vorfeld der Saison nahezu perfekt eingeschätzt hatte.

Nun gut, so ganz sicher darf Asmus sich in diesem Falle nicht sein, denn der Club lässt seine Anhänger momentan ein wenig zappeln, wie es sonst nur der Aal an der Angel zu tun pflegt. Denn mit neun Saisonniederlagen im Gepäck standen die Franken am 16. Spieltag gar auf dem Relegationsrang, einzig ein Sieg gegen Bayer Leverkusen zum Abschluss ließ die Weihnachtsfeier noch fröhlich ausfallen. Auf der anderen Seite sind es auch nur vier Punkte Abstand zu Platz neun.

Größte Enttäuschung

Die größte Enttäuschung ist eindeutig Luigi Scrosoppi. Den kennen sie nicht? Der gute Mann ist der Schutzpatron der Fußballer. Und den hätten die Franken auch gut gebrauchen können, um eine auch nur im Ansatz so erfolgreiche Saison zu spielen, wie es im Vorjahr noch gelungen war. Doch der Club wurde von einer Verletzungsmisere heimgesucht, die selbst Sportdirektor Martin Bader im Trainingslager an den Rand der Sprachlosigkeit brachte.

"In dieser Art und Weise habe ich so etwas noch nicht erlebt“, erklärte er auf berliner-zeitung.de. Grund für das Kopfschütteln war die Verletzung von Omar Gonzalez. Der US-Amerikaner sollte für einen langfristigen Vertrag vorspielen, riss sich jedoch nach einer halben Stunde im ersten Training das Kreuzband.

Da war auch Herr Scrosoppi peinlich berührt und musste eingestehen, dass er seine Arbeit nicht gut erfüllt hatte. Weitere Beispiele gefällig? Timm Klose zog sich einen Tag später einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu, Innenverteidiger Per Nilsson kam wegen einer Achillessehnen-OP noch überhaupt nicht zum Einsatz.

Man könnte die Liste noch beliebig ausdehnen und das machen wir auch mal. Da haben wir noch Daniel Didavi im Angebot, der aus Stuttgart geholt wurde, um die Lücke in der Kreativzentrale zu schließen. Er zog sich einen Meniskusriss zu, hat erst sieben Spiele absolviert. Dann wären da noch Juri Judt, Javier Pinola und und und …..

Hoffnungsträger

Nun könnten wir es uns einfach machen und Papst Johannes Paul II zurate ziehen, der eigentlich als Patron der Sportler auserkoren war und vielleicht für Scrosoppi hätte einspringen könnte. Doch nehmen wir lieber das Naheliegende und verweisen auf den Transfer von Hanno Balitsch. Wie Kollege Asmus schon richtig beschrieb, hat der Club eine hohe Anzahl von Profis im Kader, die das 23. Lebensjahr noch nicht abgeschlossen haben.

Und darum reagierte Trainer Dieter Hecking und verpflichtete den bei Bayer Leverkusen ausgemusterten Balitsch. "Hanno ist erfahren und vielseitig einsetzbar“, betonte Hecking seine Erwartungen. "Er hat Tugenden, die wir im Abstiegskampf brauchen.“ Auf welcher Position der 31-Jährige letztendlich zum Einsatz kommen wird, ist nebensächlich.

Es ist die Erfahrung, auf die Hecking baut. Auch die Aggressivität im Spiel gegen den Ball wird sicherlich kein Nachteil für die Mannschaft sein. "Eigentlich war der Wechsel von Hanno für den Sommer vorgesehen, jetzt hat sich die Gelegenheit schon vorher ergeben, ihn zu holen. Wir freuen uns, dass wir mit Hanno Balitsch einen gestandenen Bundesliga-Profi (...) gewinnen konnten“, ergänzte Bader. Bitter ist dabei, dass Balitsch nun von einer alten Muskelverletzung geplagt wird und auch erst einmal ausfällt.

Die Frage an den Fachmann

Wir konnten mit Alexander Endl und Stefan Helmer zwei absolute Fachleute gewinnen, die auf clubfans-united.de über den 1. FC Nürnberg berichten. Unsere Frage lautet: Die SpVgg Greuther Fürth gewann im DFB-Pokal gegen den Club und liegt auf guten Kurs, den Aufstieg zu schaffen. Nürnberg liegt auf Platz 15 und wird um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Wie groß schätzen sie aus Sicht der Club-Fans die Gefahr einer Wachablösung im Frankenland ein?

Alexander Endl und Stefan Helmer: "Die SpVgg ist in diesem Jahr herausragend in der Spur und momentan sieht alles nach Aufstieg aus. Aber dies ist bei der SpVgg in 15 Jahren zweite Liga nicht zum ersten Mal der Fall und am Ende reichte es meist nur für Platz 4-5. Vor diesem Hintergrund muss man erstmal abwarten, ob es der Nachbar aus Fürth in diesem Jahr schafft, bis zum Ende die Nerven zu behalten. In Nürnberg hechtete man sich mit einem 3:0 Auswärtssieg gegen Bayer 04 Leverkusen mit zwei blauen Augen in die Winterpause - das DFB-Pokal Spiel lassen wir mal außen vor - und verstärkte sich nun mit Balitsch und Hlousek vor allem im defensiven Bereich. Alles in allem sollte es aber für den Klassenerhalt reichen.

Aber wir machen uns da nichts vor. Nürnberg und Fürth zählen zu den Vereinen, die man hinter den Top 10 der Liga in den erweiterten Kreis der Top-Vereine zählt, die um die Plätze 10 bis "30" in Deutschland kämpfen. Da wäre auch ein Abstieg des Club und ein Aufstieg des Kleeblatts einmal denkbar. Für eine Wachablösung in Franken wäre das aber bei weitem nicht ausreichend. Der FCN hat auch schon in niedrigeren Ligen als die Bundesliga sein enormes Fanpotenzial bewiesen.

Erst neulich im Derby wurde ein vielsagendes Plakat hochgehalten, aus dem sinngemäß hervorging, dass auch der Landkreis Fürth und das Umland fest in Nürnberger Hand sei. Franken ist generell entweder lokalpatriotisch oder tendenziell pro FCN. In Fürth kämpft man dagegen trotz guter Leistungen nur mühsam um die (auch durch die "Fusion" und damit den Verlust von Tradition verlorene) Fangunst.“

Prognose

Nürnberg wird sicherlich nicht so eine Rückrunde spielen, wie im Jahr zuvor. Dementsprechend reicht es in diesem Jahr auch nicht unbedingt für einen einstelligen Tabellenplatz. Dennoch werden einige der verletzten Spieler ihren Weg zurück in den Kader finden und Neuzugang Hanno Balitsch kann der Mannschaft zudem mit seiner Erfahrung helfen, den Abstieg zu vermeiden. Dazu wird es auch nicht kommen und der Club pendelt sich im gesicherten Mittelfeld ein. Wo genau, das verrät Ihnen Daniel Raecke in seiner Zusammenfassung am 19. Januar.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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