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1. Bundesliga Bundesligaanalyse - Krise in Wolfsburg


Der VfL Wolfsburg kommt nicht in Fahrt. Schuld ist vor allem die schlimme Auswärtsbilanz. Aber welche Schuld trägt Trainer Felix Magath an der Misere? Und was kann der Verein tun, um wieder nach oben zu kommen?

34 Gegentore in 16 Bundesligaspielen hat der VfL Wolfsburg kassiert, und es ist nach dem dritten Adventswochenende nicht ausgeschlossen, dass die Wölfe die Feiertage auf einem Abstiegsplatz verbringen müssen. Knecht Ruprecht meint es nicht gut mit Felix Magath und seinem aufwendig restaurierten Kader.

Was hat der Meistertrainer von 2009 innerhalb von kaum mehr als zwei Jahren verlernt? Oder nicht einmal zwei Jahren, denn selbst auf Schalke funktionierte das Regime Magath ja eine Saison lang exzellent und bescherte den Knappen eine unverhoffte Vizemeisterschaft.

Die Probleme in Gelsenkirchen mehrten sich in der zweiten Spielzeit, in der Schalke schlecht in die Bundesligasaison startete und wenig Abstand zu den Abstiegsrängen schaffen konnte. In Pokal und Champions League lief es dafür um so besser, aber das Pokalfinale in Berlin und das Champions League-Viertelfinale betreute dann schon Magaths Nachfolger Ralf Rangnick.

Der menschliche Faktor 

Was Magath letztlich seinen Job kostete, war allerdings wohl weniger der sportliche Misserfolg als vielmehr die angespannten Beziehungen zu anderen Abteilungen des Clubs. Der ruppige Umgang des Alleinherrschers mit seinen Spielern - in Erfolgszeiten ein folkloristischer Aspekt, der von den Medien humorvoll aufgeladen wurde (Medizinbälle, hihi) - geriet der Öffentlichkeit in der Krise zum Beleg mangelnder Menschenführung.

So werden Magaths zahlreiche Maßregelungen seiner Spieler schon auf Schalke, vor allem aber in der laufenden Saison in Wolfsburg eher als Schwäche interpretiert und nicht als die Stärke, die der Trainer mutmaßlich mit seinen Schweigegelübden oder der Verbannung in die Reservemannschaft demonstrieren möchte.

Nun ist diese Kritik zum Teil den klassischen Mechanismen der Sportberichterstattung geschuldet, die im Erfolgsfall in der letzten Marotte noch ein Geheimnis des Erfolges wittert, während im umgekehrten Fall nach dem Gießkannenprinzip alles kritisiert wird, was nicht niet- und nagelfest ist.

Der Absturz alle 14 Tage

Aber das allein kann keine Entschuldigung für Magath sein, wenn es um das Abschneiden seines VfL in dieser Saison geht. Ein mit allen Machtbefugnissen im sportlichen Bereich ausgestatteter Trainer-Manager muss sich an den Resultaten messen lassen, bestenfalls noch an der spürbaren sportlichen Entwicklung. Beide sind im vorliegenden Fall ungenügend.

Noch nie gelang es den Wölfen, zwei gute Spiele in Folge zu machen, jedem Sieg folgte postwendend immer eine Niederlage - mit Ausnahme des Spiels in Hamburg, wo immerhin ein Punkt geholt wurde, das allerdings höchst glücklich. Das 1:1 beim HSV war zugleich der einzige Zähler, den der VfL in den letzten acht Auswärtsspielen in der Bundesliga gewann.

Der hohe Prozentsatz an Punkten, der vor eigenem Publikum geholt wird, überrascht bei einem Club wie Wolfsburg sicherlich, der nicht gerade von seiner gigantischen Anhängerschaft lebt, sondern von den Zuwendungen eines Automobilkonzerns. Er hat aber eine gewisse Tradition beim VfL, der in der Meistersaison sogar eine negative Bilanz in fremden Stadien hatte und damals in der Auswärtstabelle nur Achter wurde.

Home sweet Volkswagen-Arena

Im Meisterjahr gab Wolfsburg zu Hause allerdings auch nur einen einzigen Punkt ab und spielte die beste Bundesligaheimserie irgendeines Clubs in den letzten fast 40 Jahren. Daheim läuft es auch in der aktuellen Spielzeit ganz gut, aber es geht ja auch nicht darum, ob die Mannschaft irgendwie die Klasse halten kann, sondern darum, ob sie ihre Saisonziele verwirklichen kann. Und die liegen sicherlich nicht im zweistelligen Tabellenbereich.

Die Hit-and-miss-Transferpolitik Magaths war früher schon einmal erfolgreicher - als er in der Bundesliga unbekannte oder unterschätzte Spieler holte und noch nicht à la Otto Rehhagel die Seniorenkarte zückte. Aber auch die aus der eigenen Jugend eingebauten Kräfte schlagen bisher überhaupt nicht ein, anders als zuvor auf Schalke. Bjarne Thoelke vermag die verunsicherte Viererkette überhaupt nicht zu stabilisieren, wobei das für einen 19-Jährigen auch keine dankbare Aufgabe ist.

Noch undankbarer sind jedoch die Umstände, unter denen Sebastian Polter, Maximilian Arnold und Robin Knoche zu ihren Bundesligadebüts kamen. Sie alle wurden eingewechselt, als die Spiele schon verloren waren. Schon wird die nächste große Kaderrenovierung für den Winter erwartet, aber was passiert eigentlich, wenn Midas Magath seinen goldenen Touch nicht mehr wiederfindet?

Dann steht der VfL Wolfsbug vor einer schweren Situation. Im sportlichen Bereich gibt es niemanden mehr, der Magath ersetzen könnte - weder auf dem Trainerstuhl noch auf der Managerposition. Dem System Magath, das nach den gescheiterten Dieter-Hoeneß-Jahren wieder eingeführt worden war, um an den Erfolg von 2009 anzuknüpfen, ist der Club auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Bei kaum einem anderen Bundesligisten wäre ein Wechsel des sportlichen Führungspersonals mit so vielen Kosten und Kollateralschäden verbunden wie beim VfL.

Das spricht dafür, dass Felix Magath eine ziemlich hohe Jobsicherheit hat - zumal eine Richtungsänderung nicht nur teuer wäre, sondern auch gut und gerne mit dem Abstieg enden könnte, denn könnte ein anderer Trainer mit dem jetzigen Kader sofort in die Erfolgsspur zurückfinden? Das erscheint zumindest fraglich.

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