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1. Bundesliga: Fünf Fragen an den 24. Spieltag

Rehhagels lyrisches Ich, sein beleidigter ehemaliger Hofberichterstatter, zwei schlecht vorbereitete TV-Kommentatoren, ein niederländischer Entertainer und ein Team, das Gras aus Holland - diese Fünf mehr oder weniger große Egos stehen im Mittelpunkt der heutigen Bundesliga-Vorschau.  

In unserer Bundesliga-Vorschau dreht sich auch diese Woche wieder alles um die Partien des aktuellen Spieltags im Allgemeinen, im Besonderen aber vor allem um fünf mehr oder weniger große Egos. Darunter: ein lyrisches Ich, sein mittlerweile verschmähter Höfling, selbstherrliche Reporter, ein Alleinunterhalter und holländisches Gras zur Selbstbewusstseinsstärkung.

Schiller oder Fäkalsprache: Was hilft Hertha mehr?

Der Name Schiller ist derzeit in Berlin in aller Munde... Herthas Finanzgeschäftsführer heißt Ingo Schiller und mit Otto Rehhagel wurde der wohl größte noch lebende Friedrich Schiller-Fan als neuer Trainer verpflichtet. Seit Jahrzehnten bemüht er die weisen Worte des großen Dichters, um seine Spieler zu motivieren. Schließlich heißt es in Schillers "Lied von der Glocke": "Wenn gute Reden sie begleiten, dann fließt die Arbeit munter fort."

Wenn dem doch auch bei Hertha nur so wäre. Schöngeist Ottos mit geschlossenen Augen gemurmelten Zeilen "Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß, nicht wahr?", stießen bei der Mannschaft bisher auf taube Ohren. Oder grübeln sie immer noch, wo denn bloß dieser "Schiller" früher gespielt hat? Deutlich besser dürften sie Thomas Kraft verstanden haben. Der Torhüter faltete seine Mitspieler laut bild.de vor dem Spiel gegen Werder lautstark mit den Worten "Männer, wir laufen hier alle rum, als wenn wir uns in die Hose geschissen hätten!" zusammen.

Mehr Tacheles geht angesichts von sieben Niederlagen in sieben Pflichtspielen 2012 und 1:16 Toren nicht. Ändert sich das nicht schnell, könnte Rehhagel schon vor Saisonende Aufnahme in den Club der drei Tabellenletzten beantragen. Natürlich mit den Schlussworten aus Schillers Bürgschaft: "Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte." Nicht wahr?

So, genug der literarischen Ergüsse. Der Lehrersohn hat seinen Bildungsauftrag für heute erfüllt, jetzt werden die unteren Schubladen aufgezogen

Müssen wir ein Töpperwien-Comeback fürchten?

Jahrzehnte war er die Fackel des investigativen Journalismus, der Erfinder der Zweier-Kamera-Einstellung und Zeitzeuge großer Fußballsensationen. Doch Töppi brannte nicht nur für Fußball im Allgemeinen, sondern im Speziellen für Rehhagel, sah sich und Otto als Einheit. Wo auch immer der Trainer und seine Frau Beate hingingen, er hechelte wie ein Schatten so dicht hinter ihnen her, dass ein abrupter Stopp Rehhagels böse Folgen hätte haben können.

Überrascht hätte es daher keinen, wenn sich nach Rehhagels Comeback auch Töpperwien aus dem Ruhestand zurückgemeldet hätte. Hätte, hätte, Fahrradkette und hätte Rehhagel ihm bei der WM 2010 nicht ein Interview verweigert. Seitdem sei aus der Freundschaft eine "Null-Beziehung zwischen mir und Rehhagel" geworden, erklärte der immer noch beleidigte Töpperwien 11freunde.de. Auf ein Comeback habe er daher auch keine Lust, er urlaube lieber mit der Familie.

Urlaub – gutes Stichwort, denn den haben nach den Länderspielen wohl einige bitter nötig.

Wen ernennt Thomas Wark zu seinem Kapitän?

Zahlreiche Spieler drohen nämlich nach in den Länderspielen erlittenen Blessuren am Wochenende auszufallen. Besonders betroffen ist die Partie zwischen Bayer Leverkusen und Bayern München: Holger Badstuber hat Bauchmuskelprobleme, Franck Ribéry einen Pferdekuss, Eren Derdiyok Schmerzen im Sprunggelenk, Vedran Corluka muskuläre Probleme und André Schürrle was an der Nase. Ihre Einsatzfähigkeit ist derzeit noch etwas unsicher.

Den größten Ausfall hatten allerdings zwei ZDF-Kollegen. Dass Thomas Wark Spielernamen öfters nach Gutdünken ausspricht ("für Australien stürmt John Alesi") war bekannt, nun schert er sich aber nicht mal mehr um das zu kommentierende Bild. "Gerrard neuer Kapitän der Engländer", verkündete Wark bei England vs. Niederlande und ließ sich davon im gesamten Spielbericht nicht mehr abbringen, obwohl mehrere Kameraeinstellungen eindeutig bewiesen, dass Scott Parker die Spielführer-Binde trug.

Fragwürdig auch Wolf-Dieter Poschmanns Einschätzung, Zlatan Ibrahimovic - immerhin 15 Tore in der Serie A – sei nur noch ein "besserer Vorbereiter". Tja, wenn sich von den beiden ZDF-Kollegen doch auch einer "Vorbereiter" nennen dürfte. Aber vielleicht sind sie ja am Wochenende bei ihren Bundesligaberichten wieder etwas gründlicher.

Ist Robben gegen Bayer Leverkusen wieder egoistisch?

Als Vorbereiter hatte sich auch Arjen Robben nach der öffentlichen Kritik an seinen Alleingängen zuletzt gegen Schalke probiert - allerdings vergeblich und sehr zum Ärger von Uli Hoeneß sogar in Situationen, in denen er besser geschossen hätte. Nur wegen dieser ewigen "Scheiß-Diskussion um Alleinunterhalter und Egoist", die diese bösen, bösen Journalisten angezettelt hätten.

Dass es aber genau dieser Egoismus ist, der bei ihm den Unterschied zwischen einem mäßigen und einem überragenden Auftritt ausmacht, bewies Robben mit der Nationalmannschaft gegen England. Mit einem unwiderstehlichen Solo schoss er sein Team in Wembley in Führung und sorgte mit einem Links-Schlenzer dann auch für die Entscheidung.

"Ich weiß nicht, ob sie mein Match in Deutschland gesehen haben. Falls nicht, bringe ich ihnen eine DVD mit", stichelte Robben in Richtung seiner Kritiker. Sein Selbstbewusstsein ist nach diesem doppelten Stimmungsaufheller zurück, Leverkusen darf sich also schon einmal warm anziehen.

Verhilft Gras aus Holland Lautern zum Höhenflug?

Angesichts von 13 sieglosen Spielen in Folge könnte der 1. FC Kaiserslautern so einen kräftigen Upper auch gut gebrauchen. Die Hoffnungen ruhen nun auf 220 Jumborollen, die zwei niederländischen Grasexperten extra in die Pfalz transportierten. Aber natürlich handelt es sich dabei nicht um in Deutschland illegale Substanzen, sondern lediglich um einen neuen Rasen für das Fritz-Walter-Stadion.

Der alte Untergrund musste in Windeseile ausgetauscht werden, da die Frostperioden der letzten Wochen die Wurzeln des alten Rasen hatten absterben lassen, heißt es auf der Homepage des FCK. Ein gutes Omen erhoffen sich die Lauterer allerdings auch davon. Denn nachdem vor fast genau einem Jahr zuletzt der Rasen ausgetauscht worden war, gab es im darauffolgenden Spiel einen 1:0-Sieg über Freiburg. Fährt man gegen Wolfsburg ein ähnliches Ergebnis ein, würde das die Stimmung in der Pfalz sicher deutlich heben.

Malte Asmus

sportal.de / sportal

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