HOME

1. Bundesliga: HSV - Spekulationen um Olsen

Droht nach der grotesken Fahndung nach einem Sportchef nun bei der Trainersuche des HSV nun eine weitere Farce? Eifrig werden mögliche Kandidaten genannt und nun hat der eigentlich schon ausgeschiedene Morten Olsen mit einem kryptischen Interview doch Interesse an dem Job angemeldet.

Schon die Suche nach einem Sportdirektor zu Beginn des Jahres hatte sich beim HSV ewig lange hingezogen und zum Teil groteske Züge angenommen. Droht dies aktuell auch bei der Suche nach einem neuen Trainer? Gesucht wird immerhin nach Thomas Doll, Huub Stevens, Martin Jol, Bruno Labbadia, Ricardo Moniz, Armin Veh und Michael Oenning der achte Cheftrainer in vier Jahren.

Doch wer will sich den Job bei den von Franz Beckenbauer als beinahe untrainierbar charakterisierten Hamburgern freiwillig antun? "Ich kenne keinen Trainer auf der Welt, der dem HSV helfen könnte", hatte der Kaiser bei Sky90 auf eine entsprechende Frage geantwortet. Michael Laudrup, angeblich einer der Wunschkandidaten von Sportdirektor Frank Arnesen jedenfalls nicht. Der Däne sagte bereits ab.

Olsen doch mit Interesse?

Dafür scheint Morten Olsen auf einmal doch wieder in der Verlosung zu sein. Der hatte am Vortag noch ausgeschlossen, eine Doppelfunktion als Club- und dänischer Nationaltrainer auszuführen. Doch mittlerweile scheint er seine Meinung geändert zu haben. "Es gibt immer Möglichkeiten“, erklärte er nun dem Ekstra Bladet zur Frage, ob Dänemarks Fußball-Verband ihm eine vorübergehende Doppelbeschäftigung erlauben würde.

DBU-Pressesprecher Lars Berendt sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir haben schon einmal vor zwei Jahren klargestellt, dass die Betreuung der Nationalelf ein Vollzeitjob ist." Auf die Nachfrage, ob dies auch heute noch gelte und er eine vorübergehende Doppelfunktion Olsens ausschließe, meinte Berendt ausweichend: "Darauf antworte ich nicht." Auch Arnesen wollte "gar nichts" sagen und schon gar nichts ausschließen. Er nannte keine Namen, deutete aber an: "Es geht jetzt um neun Monate." Diese Lösung würde dann wohl eher Huub Stevens favorisieren, der den HSV schon 2007 vor dem Abstieg gerettet hatte.

Cardoso-Effekt soll es richten

Wer wann kommt, interessiert Interimscoach Rodolfo Cardoso derzeit weitaus weniger als die sportliche Seite. Sein Auftrag lautet, den wankenden Bundesliga-Dino wieder auf Kurs zu bringen. "Der Club hat mir in den letzten Jahren viel geholfen. Nun will ich etwas davon zurückgeben", betonte Cardoso vor der Partie in Stuttgart.

Er wolle vor allem für "Ruhe und Sicherheit" im kriselnden Team sorgen. Doch das ist leichter gesagt als getan: Ausgerechnet jetzt droht in der Hintermannschaft, die sich angesichts der zweitmeisten Gegentore (17) als Wackel-Abwehr entpuppte, nach Michael Mancienne (Muskelfaserriss) auch noch der Ausfall von Dennis Diekmeier (Knieprellung).

Kapitän Heiko Westermann erklärte die Zeit der Ausreden beim Tabellenletzten für beendet und nahm seine verunsicherten Mitspieler in die Pflicht. Das Team habe "eine Teilschuld" an der Krise, räumte er ein. "In letzter Zeit wurde genug geredet. Jetzt müssen wir mal auf dem Platz anfangen, Punkte einzufahren und aufhören, uns zu verstecken". Dabei hofft er auch auf den Cardoso-Effekt, "denn ein Trainerwechsel bringt immer einen Schub".

Trainerwechsel kommt Stuttgart ungelegen

Einen solchen Schub erhofft sich Cardoso davon, den gelernten Innenverteidiger Westermann nach rechts zu ziehen. "Wenn es lichterloh brennt, werde ich auch da spielen können", sagte der Kapitän. Im Abwehrzentrum würde dann der mit großen Erwartungen geholte Niederländer Jeffrey spielen. Davor gibt Cardoso wahrscheinlich Romeo Castelen eine Chance. Der Mittelfeldmann, der nach vielen Operationen zuletzt mit zwei Toren beim VfL Wolfsburg II auftrumpfte, steht vor dem Comeback.

Der frische Wind aus der erfolgreichen HSV-II-Elf kommt Bruno Labbadia eher ungelegen. "Rodolfo bringt Lockerheit ins Team und nimmt ihm den Druck. Jetzt kann ich all' meine Spielanalysen in die Tonne kloppen", sagte der VfB-Coach, der 2010 nach nur zehn Monaten beim HSV geschasst wurde und sich liebend gerne an den Norddeutschen rächen würde. Auch wenn er freundlich anmerkte: "Egal, wir kümmern uns bei unserer Arbeit eh zu 95 Prozent um uns selbst." Und wer sein Nach-Nachfolger als HSV-Chefcoach wird, wird ihm ohnehin egal sein.

sportal.de / sportal

Wissenscommunity