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1. FC Köln: Daum verirrt sich zurück

Nach sechs Jahren übernimmt Christoph Daum wieder einen Trainer-Job in Deutschland: Nachdem er zunächst abgesagt hatte, unterschrieb Daum jetzt doch einen Vierjahresvertrag beim Zweitligisten 1. FC Köln.

In dem zur Posse gewordenen Bemühen des Traditionsclubs um ein Engagement des Erfolgstrainers ist es zu einer spektakuläre Kehrtwende gekommen. Wie der Verein am Sonntag bestätigte, hat der 53 Jahre alte Fußball-Trainer einen Vertrag bis 2010 unterschrieben und soll schon nach dem kommenden Spiel in Greuther Fürth am Sonntag die Arbeit beim Fußball-Zweitligisten aufnehmen. Nach stundenlanger Mauertaktik des Vereins, der sich vor der 1:2-Schlappe gegen den TSV München 1860 nicht zum Thema äußern wollte, gab der FC die Einigung mit seinem Wunschtrainer bekannt. "Wir sind der Überzeugung, dass das die optimale Lösung für uns ist", sagte FC-Manager Michael Meier.

Obwohl Daum den hartnäckigen Kölnern zwei Mal abgesagt hatte, weil er sich nach einer Halsoperation aus "gesundheitlichen Gründen" nicht zur Übernahme des Traineramtes in der Lage sah, kam es am Samstag auf Bitten des Coaches zu einem weiteren Gespräch. Fünf Tage zuvor hatte er sowohl die FC-Offerte für eine langfristige Verpflichtung als auch für ein Intermezzo bis zum Saisonende ausgeschlagen. "Er konnte mit dieser Entscheidung nicht leben, deshalb ist er erneut auf uns zugekommen", sagte Meier.

"Dann habe ich auf mein Herz gehört"

Daum begründete in einem Interview mit dem "Express" (Montagausgabe) seinen überraschenden Sinneswandel: "Ich habe Michael Meier letzten Mittwoch zum Geburtstag gratuliert. Er sagte mir, dass trotz meiner Absage die Tür nicht zu sei. Ich kam ins Grübeln. Dann habe ich auf mein Herz gehört." Wie groß der Handlungsbedarf ist, offenbarte die seit nunmehr acht Spielen sieglose und acht Punkte von einem Aufstiegsplatz entfernte Mannschaft beim 1:2 gegen die "Löwen". Doch auch der neuerliche Offenbarungseid seiner künftigen Profis ließ Daum nicht an seiner Entscheidung zweifeln: "Wir stehen vor einer schweren Aufgabe. Jetzt muss ein Ruck durch die Stadt gehen, damit wir den Aufstieg noch packen."

Nach Aussagen von Daum-Anwalt Stefan Seitz machte der FC trotz lukrativerer Angebote aus dem Ausland das Rennen. Den Vorwurf, mit seiner zögerlichen Art für einen Fußball-Karneval gesorgt zu haben, hält Daum für ungerecht: "Der FC brauchte eine schnelle Entscheidung in der Trainerfrage. Ich hatte gerade eine schwere OP hinter mir. Der Arzt warnte mich, dass ein sofortiges Engagement schlimme Folgen haben könnte. So habe ich schweren Herzens Nein gesagt." Nicht nur bei den Fans, sondern auch innerhalb der Mannschaft stieß das Ja-Wort von Daum auf große Zustimmung: "Er hat einen großen Namen und kann uns sicher helfen", sagte Abwehrspieler Alpay. Sein Comeback auf der Kölner wird Daum im Heimspiel am 4. Dezeber im Duell der Bundesliga- Absteiger gegen den MSV Duisburg geben.

Kritik vom DFB-Präsidenten

Das Hin und Her des wankelmütigen Daum ist für DFB-Präsident Theo Zwanziger sechs Jahre nach dessen "Kokain-Affäre" keine gute Voraussetzung für die Rückkehr "eines der weltbesten Trainer" in den deutschen Profi-Fußball. "Wenn er in die Bundesliga zurück will, muss er nicht nur sportliche, sondern auch soziale und gesellschaftliche Glaubwürdigkeit zeigen", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Sonntag im DSF, "und dies ist zur Zeit nicht so".

Nach Bekanntwerden seines Rauschgift-Missbrauchs war Daum im Oktober 2000 nicht nur von Bayer 04 Leverkusen entlassen worden. Der DFB zog auch sein Angebot zurück, ihn zum Bundestrainer zu ernennen. Seit der Affäre hat er nur noch im Ausland gearbeitet, holte dort vier Meistertitel, drei davon in der Türkei. Eine Rückkehr zum 1. FC Köln, mit dem er als Coach zwischen 1986 und 1990 zwei Mal deutscher Vizemeister wurde, soll ihm der Club mit einer jährlichen Gage von mehr als zwei Millionen Euro und einen zweistelligen Millionen-Betrag.

Andreas Schirmer und Heinz Büse/DPA / DPA

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