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1:3-Niederlage gegen Argentinien: Der Titan tobt

Verletzungen, Rote Karte, Elfmeter gehalten - das Länderspiel gegen Argentinien war reich an Höhepunkten. Richtig rund ging es selbst nach dem Schlusspfiff, als TV-Experte Oliver Kahn loslegte.

Von Volker Königkrämer

Der verpatzte Auftakt der deutschen Fußballnationalmannschaft Nationalmannschaft gegen Argentinien hat TV-Experte Oliver Kahn zu einem beispiellosen Wutausbruch provoziert. Der Tor-Titan ging nach Abpfiff in einer überraschenden Philippka auf Joachim Löw und sein Team los. Offenbar angestachelt durch die seiner Meinung nach allzu sorg- und leidenschaftslosen Kommentare der Spieler nach Spielschluss lederte Kahn im TV-Studio urplötzlich los.

"Mir gefällt das nicht"

"Soll ich jetzt auch noch in den Tenor einstimmen: Alles toll, alles gut? 1:3 verloren, wo ist das Problem?", antwortete er auf die Frage von ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein. In seiner Analyse kommt vor allem die Hintermannschaft nicht gut weg. "In den letzten Monaten hat sich immer wieder gezeigt hat, dass die Mannschaft in der Defensive relativ große Probleme hat. Große Mannschaften brauchen eine Kompaktheit, eine Stabilität im Defensivbereich. Da muss man grundsätzliche Überlegungen anstellen."

Kahn weiter: "Der Bundestrainer muss sich da auch mal Gedanken machen. Es ist ja alles schön und gut mit Spielphilosophie und Offensive, aber grundsätzlich hat der Gegner zu viele Torchancen."

Einer Einschätzung, der man sich auch im Hinblick auf die vergangene EM durchaus anschließen kann. Auch da gab es Situationen, in der die Defensive nicht unbedingt sattelfest wirkte.

Vor allem die Abstimmung passte laut Kahn gegen Argentinien nicht: "Khedira war viel zu offensiv. So sind immer wieder Löcher entstanden. Da muss man doch mal ansprechen. Die Argentinier hätten ein Tor nach dem anderen schießen können. Mir gefällt das nicht."

"Schon wieder drei Stück kassiert"

Doch das war noch der vergleichsweise harmlose Teil der Kritik. Da sprach noch der Fußball-Analytiker. Richtig zur Sache ging es, als Kahn sich der – in seinen Augen – mangelhaften Selbstkritik der Spieler zuwandte. "Ich muss doch mal unzufrieden sein", nörgelte der "Titan" in seinem unverkennbar geknödelten Timbre. "Wir haben gegen die Italiener blutleer verloren und jetzt wieder drei Stück kassiert. Da muss man sich auch mal ärgern."

Joachim Löw, der erst später zu der Runde stieß und Kahns Ausbruch nicht miterlebt hatte, reagierte leicht verdruckst. "Ich teile seine Meinung bedingt. Es war natürlich im Zentrum sehr schwer. Das war klar, wenn es größere Räume gibt. Aber in einigen Situationen hätten wir es besser lösen können", so der Bundestrainer.

Dem Vorwurf, seine Spieler hätten fehlenden Willen gezeigt, widersprach Löw vehement: "Das habe ich nicht gesehen. Zehn, zwölf oder acht Prozent - wer will so etwas einschätzen? Ich kann taktische Dinge herausziehen, Spieler einschätzen, ob sie Fehler gemacht haben. Aber ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen, dass er nicht alles gegeben hat."

Das sieht Oliver Kahn offenbar ein wenig anders!

P.S. Fanden Sie Oliver Kahns Kritik zu hart oder gerechtfertigt? Diskutieren Sie mit in der Fankurve, unserer Seite für Fußballfans auf Facebook.

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