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Afrika Cup in Angola: Zwischen Fußball und Verkehrschaos

Megareichtum neben bitterer Armut: In Angola soll der Fußball helfen, ein zerrissenes Land zu einen. Beim Afrika Cup messen sich ab Sonntag die besten Teams des Kontinents.

Von Christian Henkel, Luanda

Um zwölf Uhr mittags geht in Angolas Hauptstadt Luanda nichts mehr. Dann regiert der Verkehr das Leben. Tausende, zumeist nagelneue Geländewagen verkeilen sich zu einem riesigen, lärmenden Verkehrschaos. Etwa 15 Kilometer weiter südlich, in Luanda Sul, ist von Krach, Staub und Stress nichts zu spüren. Hier haben sich die wohlhabenden Angolaner und vom Öl reich gewordenen Ausländer Ende der 90er-Jahre ein Paralleluniversum geschaffen, hier ist die Stimmung südeuropäisch gelassen. Am Bela Shopping, dem kommerziellen Herzstück von Luanda Sul, weht der Wind ein paar Zeitungsseiten über die Straße, ansonsten ist nichts los in den Mittagsstunden.

Gleich um die Ecke, im neu gebauten Nationalstadion von Luanda, wird am Sonntag der Afrika Cup 2010 eröffnet - das größte Sportereignis in der Geschichte des Landes. Ein Grund für Aufregung ist das hier offenbar noch nicht. Lieber diskutiert man die neuesten Preise für Immobilien oder ein Mittagessen. 2 Euro kostet im Straßenladen das Mineralwasser, 12 Euro ein doppelter Cheeseburger und 350 Euro das billigste Zimmer in einem Viersternehotel. Kosten wie diese haben Luanda seit 2008 zur teuersten Hauptstadt der Welt werden lassen. Und die Gesellschaft zerrissen.

Schätzungsweise 7 Mrd. Euro sind 2009 aus Ölexporten in eine der am schnellsten wachsenden Ökonomien der Welt geflossen. Trotzdem leben 70 Prozent der 18 Millionen Angolaner von nicht mehr, als 1,50 Euro am Tag. Die Kluft zwischen der von Diamanten- und Ölexporten profitierenden Oberschicht und den verarmten Massen ist in den vergangenen Jahren nicht kleiner geworden.

Der Fußball soll die Integration der Bevölkerung vorantreiben

Schließen soll sie nun - mal wieder - der Fußball. "Der Afrika Cup soll in unserer Bevölkerung die Leidenschaft für den Sport entfachen und damit die soziale Integration fördern", verkündete Angolas Minister für Jugend und Sport, Gonçalvez Muandumba. "Die Entscheidung für Angola war ein Vertrauensbeweis in unsere politische Stabilität und ökonomische Potenz. Und wir haben alles getan, um dieses für den Kontinent so wichtige Turnier zu einem glänzenden Aushängeschild für den Fortschritt Afrikas werden zu lassen."

Tatsächlich haben die Vorbereitungen für den Afrika Cup der angolanischen Bauindustrie einen Adrenalinstoß verpasst. Über 3 Mrd. Euro wurden in den vergangenen drei Jahren in die Erneuerung der Infrastruktur investiert, die zuvor vom erst 2002 beendeten Bürgerkrieg zerrüttet worden war. Allein 700 Mio. Euro davon gingen in den Bau von vier Stadien.

In Luanda und den Provinzhauptstädten Cabinda, Benguela und Lubango will man nun der Welt und vor allem den Afrikanern ein Turnier der Superlative bieten. Fraglich ist nur, ob sie auch vorbeischauen werden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Entscheidung für Angola als Austragungsland des Afrika Cups 2010 wenig Begeisterung bei den anderen afrikanischen Staaten ausgelöst hat.

"Die Bedingungen sind in keiner Form günstig zu nennen"

Segun Odegbami, ehemaliger Kapitän der nigerianischen Nationalmannschaft gibt unumwunden zu, dass er den Afrika Cup in Angola schon vor seinem offiziellen Beginn nicht mag. "Die Bedingungen sind in keiner Form günstig zu nennen. Die Hotels in Angola sind einfach viel zu teuer. Und das Reisen ist eine Katastrophe. Für die meisten unserer Fans bedeutet dies, dass sie uns vor Ort nicht unterstützen können."

Auch Calvin Jordan, der für das WM-Komitee Südafrikas in Angola hospitiert, sieht hinsichtlich der kommenden Wochen schwarz. "Die Ticketpreise sind zwar überaus günstig aber es gibt in ganz Angola weder ein System für lizenzierte und damit sichere Taxis noch für den öffentlichen Nahverkehr." Das Verkehrschaos sei damit programmiert. Jordan hofft nun, dass die berühmte afrikanische Improvisationskunst auch in Angola funktioniert. Denn "ein chaotischer Afrika Cup würde auch die Zweifel in die Organisation unserer WM erneuern".

Elfenbeinküste als Favorit


Bleibt die Frage, wie sich der Afrika Cup in sportlicher Hinsicht präsentiert. Mit 99 Treffern in 32 Spielen war das Turnier vor zwei Jahren in Ghana ein Festival des Offensivfußballs. Von den über 100 Profis aus allen europäischen Ligen wird man nun Ähnliches verlangen. Besonders unter Druck stehen dabei traditionell die großen afrikanischen Fußballnationen Ägypten, Kamerun, Ghana, Nigeria - und vor allem das Team aus der Elfenbeinküste. Von der goldenen Generation um Yaya Touré (FC Barcelona), Salomon Kalou (FC Chelsea), Kolo Touré (Manchester City) und Emanuel Eboué (FC Arsenal) wird nach der Finalniederlage in Ägypten 2006 und dem enttäuschenden vierten Platz in Ghana diesmal endlich der Titel verlangt. Umso mehr, weil Sturmführer und Kapitän Didier Drogba vom FC Chelsea angekündigt hat, dass dies seine letzte Kontinentalmeisterschaft werden würde. Das Turnier dürfte für die Startruppe zu einer echten Belastungsprobe werden. Denn mit Deutschlands WM-Gegner Ghana, mit Togo und Burkina Faso haben die Ivorer die wohl schwerste Gruppe in der Geschichte des Afrika Cups erwischt.

Diesen Artikel haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(