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Arminia Bielefeld: Zwangsurlaub für den Fahrstuhltrainer

Geht er oder geht er nicht - lange hatte Bielefeld auf eine Entscheidung von Uwe Rapolder gewartet. Nun kam der Verein dem Trainer zuvor und beurlaubte ihn. Nächste Saison will Bielefeld dann auf Altbewährtes setzen.

Beim Fußball-Bundesligisten Arminia Bielefeld überschlagen sich in der Endphase der erfolgreichsten Saison in der 100-jährigen Club-Geschichte die Ereignisse. Chefcoach Uwe Rapolder wurde am Mittwoch beurlaubt. Stattdessen wird Co-Trainer Frank Geideck in den Spielen bei Hansa Rostock und gegen den VfL Wolfsburg als Verantwortlicher auf der Bank sitzen. Zur neuen Spielzeit wird dann Thomas von Heesen neuer Cheftrainer bei den Ostwestfalen - und das zum dritten Mal. Von Heesen hatte die Bielefelder Profis schon 1998 bis 1999 und für kurze Zeit im Februar 2004 als Vorgänger Rapolders betreut.

Von Bielefeld nach Köln

Mit der Beurlaubung reagierte die Bielefelder Clubführung auf die Entscheidung Rapolders, dem Rekord-Aufsteiger nach nur 14 Monaten erfolgreicher Arbeit den Rücken zu kehren und ab der neuen Spielzeit bei Erstliga-Rückkehrer 1. FC Köln einen Einjahresvertrag einzugehen. Rapolder wird in Köln zum 1. Juli Nachfolger des Niederländers Huub Stevens. Der Kölner Club-Präsident Wolfgang Overath sagte, er wolle den neuen Trainer "nicht unter Druck setzen". Der Klassenverbleib sei in der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg das einzige Ziel: "Wenn Uwe Rapolder das, was er in Bielefeld geleistet hat, auch in Köln umsetzen kann, werden wir nicht absteigen", so Overath.

Der 46 Jahre alte Rapolder äußerte sich nach der Entscheidung des Clubs verblüfft: "Das hat mich schon überrascht, aber ich akzeptiere es", sagte er. Am Dienstag habe er auf eine entsprechende Anfrage von Arminia Bielefelds Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch mit den Worten geantwortet: "Ich beuge mich Ihrer Entscheidung." Jetzt müsse er aber erstmal seine Gedanken und Gefühle ordnen. Er nehme aber prinzipiell nur "gute Eindrücke" aus Bielefeld mit, sagte Rapolder weiter.

Bestürzung bei Rapolder

Doch den Äußerungen Rapolders war auch Bestürzung zu entnehmen: "Schließlich ging es hier immer aufwärts. Ich hatte eine tolle Zeit in Bielefeld." Seitdem er im März 2004 verantwortlich war, lief es für die einstige "Fahrstuhlmannschaft" bestens: Aufstieg in die Bundesliga, frühzeitiges Sichern des Klassenverbleibs, erstmaliges Erreichen des Halbfinales im DFB-Poka. "Es war der totale Erfolg", resümiert auch der scheidende Trainer.

Sein Nachfolger, von Heesen, hatte noch am Dienstag gesagt, er hoffe, "die Saison mit Uwe Rapolder professionell zu beenden". Andererseits solle die Mannschaft auch frühzeitig wissen, mit sie es in der neuen Saison zu tun haben, so von Heesen. Mannschaftskapitän Mathias Hain versicherte dagegen, dass sein Team sehr traurig sei über Rapolders Entschluss: "Wir verlieren einen großartigen Trainer."

Bei den Fans hatte Rapolder seine Gunst ohnehin schon verliert. Bei der 100-Jahr-Feier war er von den eigenen Anhängern ausgepfiffen worden. Dennoch hätte er sich den Pfiffen der Fans auch im letzten Saison-Heimspiel am 21. Mai gegen Wolfsburg noch gestellt: "Das wäre nur mein Problem gewesen, nicht das des Vereins." Ohnehin hatte er den Ostwestfalen "das Gespür zugetraut, dass wir hier toll gearbeitet haben". Von Heesen räumte ein, dass er es gern gesehen hätte, wenn Rapolder seine Aufgabe bis zum Schluss hätte wahrnehmen können. "Aber die Mannschaft sollte frühzeitig wissen, mit wem sie es in der neuen Saison zu tun hat", sagte der 43-jährige von Heesen. Eine Doppelfunktion als Chefcoach und Profi-Manager schloss er aus.

Paul Tigges/DPA / DPA

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