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Bayern im Uefa-Cup: "Kroos"-artig, aber Hoeneß tobt

Ein Supertalent rettet die Dusel-Bayern: Ausgerechnet der Jüngste avancierte beim wichtigen 3:2-Sieg in Belgrad zum Matchwinner. Alle schwärmten danach von Toni Kroos - nur Uli Hoeneß nicht. Der Manager polterte nach der "Schlacht" munter drauf los.

Uli Hoeneß tobte, Miroslav Klose lobte: So dicht wie in Belgrad standen die Über-Bayern in dieser Saison noch nicht vor einer Niederlage - bis zur Einwechslung von Toni Kroos. "Ich weiß nicht, wie ich hier bei Roter Stern mit 17 Jahren aufgetreten wäre? Da muss man den Hut ziehen", sagte ein staunender Klose über Jungspund Toni Kroos, der von Trainer Ottmar Hitzfeld beim Stand von 1:2 als letzte Option gezogen wurde und die ersatzgeschwächten Dusel-Bayern als "Joker" in nur zehn Minuten und mit zwei Freistößen doch noch zu einem 3:2 (1:1)-Erfolg und damit einem perfekten Start in die Uefa-Cup-Gruppenphase führte.

"Jetzt müssen wir noch unsere zwei Heimspiele gegen Bolton und Saloniki gewinnen, dann sind wir durch", meinte Manager Hoeneß, der wegen der katastrophalen Platzverhältnisse im Marakana-Stadion feststellte: "Das war eine richtige Schlacht, ein Glücksspiel."

Seinen ersten Freistoß in der brodelnden Arena servierte der junge Kroos dem zweifachen Torschützen Klose (20./85.) maßgerecht auf den Kopf, der zweite fand in der Nachspielzeit an Freund und Feind vorbei den direkten Weg ins Tor. "Kroos"-artig fanden das alle, nur Hoeneß mochte in dem Supertalent partout nicht den Matchwinner sehen. "Da hat er doch Glück gehabt, dass der Freistoß reingegangen ist. Den hätten wir zwei auch reingeschossen", blaffte der Manager einen Reporter an. Für Hoeneß waren vielmehr Abwehrchef Lucio ("Weltklasse, eine 1 mit Sternchen") und der unglaublich effektive Klose ("Er hat die zwei wichtigen Tore gemacht") die wahren Garanten des Sieges.

"Natürlich war es ein Glückssieg"

"Wir müssen die Jungen ein bisschen im Zaum halten und aufpassen, dass sie nicht so hochgejubelt werden", polterte Hoeneß - und nahm sich statt der tapfer, aber glücklos kämpfenden Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski dieses Mal den von ihm selbst zum künftigen Nationaltorhüter hochgejubelten Michael Rensing vor. Der beim 1:0 von Ognjen Koroman (16.) machtlose Kahn-Vertreter hatte beim 30-Meter-Schuss von Nenad Milijas (74.) zum 2:1 keine gute Figur abgegeben. "Es ist gut, wenn Michael sich wieder mehr auf Fußball konzentriert und nicht so viel ins Sportstudio geht", polterte Hoeneß; dabei war der TV-Auftritt am letzten Wochenende mit dem Verein abgesprochen. Beim Spiel im Heimatland von Rensings Mutter passte Hoeneß die Spielvorbereitung des 23-Jährigen nicht: "Den ganzen Tag saß er hier mit seinen Verwandten rum. Wir hatten hier aber ein Europapokal-Spiel und keine Familien-Zusammenführung."

Die Hoeneß’schen Misstöne wirkten deplatziert und überzogen an einem Abend, an dem der Bundesliga-Primus nicht gut spielte, aber ohne Franck Ribéry, Luca Toni und Martin Demichelis neue Qualitäten bewies. "Heute war nicht Schönspielerei angesagt, sondern harter Kampf. Das war eine absolute Willensleistung", erklärte Hitzfeld. "Kompliment an die Mannschaft, wie sie immer wieder zurückgekommen ist", ergänzte Klose: "Natürlich war es ein Glückssieg."

Nächster Kraftakt am Sonntag in Dortmund

"Es war enorm wichtig, dass wir mit einem Sieg in die Gruppenphase gestartet sind", sagte Kroos, der schon bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Energie Cottbus (5:0) Klose zwei Tore aufgelegt hatte. Dass ausgerechnet der Jüngste statt Schweinsteiger oder Zé Roberto die Freistöße schießen durfte, war für Hitzfeld keine Frage: "Es geht nicht nach Alter, es geht nach Können. Er ist da der Beste." Der Trainer ist nicht erst seit Belgrad ein absoluter Kroos-Fan: "Ich hab’s ja schon mal gesagt, dass er Nationalspieler wird."

Vorerst sind andere Spieler noch wichtiger: Nach dem Kraftakt von Belgrad sollen am Sonntag im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund wieder Ribéry, Toni und Demichelis als Trümpfe stechen. "Uns ist allen wohler, wenn sie auf dem Platz stehen", meinte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, der den müden Spielern weit nach Mitternacht beim Bankett im Ballsaal des Belgrader Hyatt-Hotels zurief: "In Dortmund müssen wir uns steigern. Wir müssen besser und engagierter spielen, wenn wir dort unsere Serie aufrechterhalten wollen."

kbe mit DPA

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