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Bayern München: Irgendwo zwischen Tod und Gladiolen

Rekordmeister Bayern München taumelt durch die heiße Phase der Saison. Zwei Niederlagen in Folge, kaum Ideen, Arjen Robben verletzt, jetzt kommt ManU, dann wartet der Schalker Acker – geht mit dem neuen Trainer Louis van Gaal doch noch alles schief?

Von Frank Thomsen

Die Gladiole ist ein Schwertliliengewächs, das bis zu 1,50 Meter hoch werden kann und als ausdauernde, krautige Pflanze gilt. Mit Fußball war sie bislang nicht in Verbindung gebracht worden. Vor einer Woche führte sie der gern blumig formulierende Trainer des FC Bayern München, Louis van Gaal, ins Kickerdeutsch ein. "Gladiolen oder Tod" - so umschrieb er die Situation für seine Mannschaft vor den wichtigsten sechs Spielen der Saison. Im Moment sieht es eher nach Tod aus.

Zwar erreichte Bayern vergangenen Mittwoch durch einen Sieg auf Schalke das Finale des DFB-Pokals. Doch nach den Spielen vom Samstag und der zweiten Bundesliga-Niederlage in Folge steht der Rekordmeister schwer unter Druck: Schalke hat zwei Punkte Vorsprung; am Ostersamstag muss Bayern auf dem Acker von Schalke ran; und der Trainer dort ist derselbe, der schon letztes Jahr das Abo der Bayern auf die Meisterschaft aussetzte, allerdings mit Wolfsburg - Felix Magath.

Der listige Magath

Magath hatte seit Wochen listig darauf verwiesen, dass seine junge Mannschaft keine Chance auf die Meisterschaft habe. Er vermittelte den Eindruck, man müsse quasi stündlich mit deren Einbruch rechnen. Und auch beim 0:1 im Pokalspiel am Mittwoch gegen den FC Bayern sah man Magath mit seinen Spielern schimpfen, als drohte der Zwangsabstieg in die 3. Liga. Erst jetzt, nach dem 2:0-Sieg in Leverkusen, ging Magath für seine Verhältnisse höchstes Risiko, indem er formulierte: "Wenn wir die Bayern schlagen, hätten wir schon Chancen."

Dabei ist das stark untertrieben: Mit einem Sieg hätte Schalke an Ostern fünf Punkte Vorsprung auf den FC Bayern. Und danach stehen nur noch fünf Spieltage an - mit dem leichteren Restprogramm für die Gelsenkirchener. Denn Bayern muss noch zum Tabellendritten Leverkusen.

Vorentscheidung auf dem Schalker Acker

"Es tut sehr weh", kommentierte Bayern-Trainer van Gaal die Heimniederlage gegen Stuttgart, die zweite Pleite in Folge. Die Schmerzen könnten noch zunehmen. Am Dienstag kommen Wayne Rooney & Co. von Manchester United zum Hinspiel im Viertelfinale der Champions League. Bastian Schweinsteiger wird gelbgesperrt fehlen, Arjen Robben wahrscheinlich wegen einer Wadenverletzung nicht flitzen können. Ein Weiterkommen gegen einen der Favoriten auf den Champions-League-Sieg wäre eine große Überraschung.

Die Mannschaft hat nach einer überragenden Phase im Winter mit teils hohen Siegen in Serie zuletzt wenig einfallsreich gespielt. Bemerkenswert häufig erklärte Fußballlehrer van Gaal schwache Resultate seiner Mannschaft damit, dass der Gegner ein ähnliches Spielsystem gespielt habe, gegen das es schwer sei, Mittel zu finden. Damit nicht alles in die Hose geht, hat Präsident Uli Hoeneß schon mal Prioritäten gesetzt: Am Wichtigsten sei ihm die Meisterschaft.

So wird sich alles (vor)entscheiden am Ostersamstag in der Arena auf Schalke. Und damit auf einem Acker, über den die Bayern schon beim Pokalhalbfinale mächtig schimpften, weil Rasenhalme nur ab und an zu sehen waren. Eigentlich ein Acker wie gemacht, um darauf Gladiolen zu pflanzen.

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  • Frank Thomsen