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Bayern München: Magath kapituliert im Titelkampf

Auch einen Tag nach dem enttäuschenden Spiel gegen den VfL Bochum wollte die Club-Führung nicht öffentlich Stellung zur Situation beim deutschen Fußball-Meister beziehen. Trainer Felix Magath schrieb unterdessen die Titelverteidigung ab.

Die Fans pfiffen, die Bosse flüchteten mit einem bedrohlichen Schweigen - und der Trainer kapitulierte im Titelkampf: Nach dem gespenstischen Tiefpunkt gegen den VfL Bochum erklärte ein auch persönlich in Bedrängnis geratener Felix Magath den FC Bayern München zum deutschen Fußball-Meister auf Abruf. "Über den Titel brauchen wir überhaupt nicht mehr zu reden", erklärte der 53-Jährige am Dienstagabend nach einem 0:0, das den Rückrunden-Fehlstart der Münchner perfekt machte und alarmierende Züge trug. Nach dem Absturz auf den vierten Tabellenplatz rief Magath die Rettung der Champions- League-Qualifikation zum neuen Saisonziel aus: "Für uns geht es darum, dass wir vorne dabei bleiben. Wir müssen uns darum kümmern, dass wir um die Plätze zwei und drei dabei sind."

Ist Felix Magath noch der richtige Trainer für den FC Bayern München?

Am Morgen nach dem Unentschieden, das einer Niederlage gleich kam, herrschte eine trügerische Ruhe auf dem Clubgelände. "Nein, nein", wehrte Manager Uli Hoeneß am Mittwoch Gesprächswünsche der lauernden Reporter-Schar ab. Zuvor hatte sich bereits Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wortlos in sein Büro zurückgezogen, während die Spieler locker auf dem Rasen auf vier kleine Tore kickten. Der Maulkorb, den sich die geschockten Bosse schon am Abend zuvor bei ihrer Flucht aus der Allianz Arena verpasst hatten, eröffnete Raum für Spekulationen - der Name Ottmar Hitzfeld machte hinter vorgehaltener Hand und sogar schon bei einem Radiosender die Runde.

"Der FC Bayern besitzt keine Dauerkarte auf Platz eins"

Magath scheint vor dem Derby am Freitag beim 1. FC Nürnberg ins Wanken geraten zu sein, auch wenn Oliver Kahn vor Panik-Reaktionen warnte. "Man muss nicht immer gleich den Trainer in Frage stellen oder irgendwelche populistischen Aussagen machen", meinte der Kapitän. "Wir wollen dem Trainer mit drei Punkten in Nürnberg helfen, damit es ruhiger wird", sagte Mittelfeldspieler Mark van Bommel am Mittwoch. Der ewige Kämpfer Kahn mag im Titelkampf auch noch nicht das Handtuch werfen: "Der FC Bayern kann auch sieben oder acht Spiele in Folge gewinnen." Aber auch der Torwart verschließt nicht die Augen vor der momentanen Realität: "Der FC Bayern besitzt auch keine Dauerkarte auf Platz eins."

Kahn sprach nach dem Armutszeugnis vor 64 000 Zuschauern einen alarmierenden Satz aus. "Ich habe das Gefühl, dass der eine oder andere nicht hundertprozentig mit dem Druck zurecht kommt." Dabei war es seit Jahrzehnten ein fast unumstößliches Fußball-Gesetz, dass der FC Bayern gerade in Druck-Situationen besondere Stärke demonstriert.

München konzeptlos

Gegen Bochum jedoch sah man eine verunsicherte Mannschaft ohne Konzept, die sich nach einigen vergebenen Torchancen lethargisch in ihr Schicksal ergab. "Es ist jetzt vier vor Zwölf", meinte Mark van Bommel, nachdem Magath nach der 2:3-Pleite in Dortmund von "fünf vor Zwölf" gesprochen hatte. Van Bommel vergab die größte Torchance der Münchner, als er völlig frei am guten Bochumer Schlussmann Jaroslav Drobny scheiterte (34.). "Da gibt es keine Ausreden, der Ball muss rein. Dann gewinnen wir 3:0", meinte der Niederländer. Er sieht auch ein Charakter-Problem: "Wir haben vielleicht zu viele gute Jungs im Team. Manchmal braucht man auch mal Arschlöcher."

Den Albtraum eines Sturzes in den UEFA-Pokal kann und mag sich van Bommel (noch) nicht ausmalen: "Wir können nicht ohne Champions League sein." Kahn sieht ebenfalls genug Potenzial: "Eine Mannschaft, die als Gruppenerster gegen Real Madrid im Achtelfinale der Champions League steht, kann viel mehr", meinte er. Magath irritierte dagegen mit der Aussage, er habe gegen Bochum einen "Ansatz gesehen, dass es vorwärts geht". Um ein Haar wäre das Spiel gegen den VfL sogar zum Debakel geworden, wenn Kahn nicht eine Großchance von Theofanis Gekas zunichte gemacht hätte (56.). "Sogar die ganz große Überraschung wäre drin gewesen", kommentierte Bochums Trainer Marcel Koller.

Klaus Bergmann/DPA / DPA

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