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Bayerns Obermahner: Sammer schadet vor allem sich selbst

Die Bayern kommen nicht zur Ruhe und ärgern sich mittlerweile schwarz über Sportdirektor Matthias Sammer. Dessen öffentliche Kritik war gleichsam unnötig wie effekthascherisch. Was treibt den Mann?

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

War das nun der Sammer-Effekt? Haben die Bayern ihr Champions-League-Auftaktspiel gegen Moskau auch deshalb so deutlich für sich entscheiden können, weil der ewig nörgelnde Sportdirektor sie mit seiner öffentlichen "Dienst nach Vorschrift"-Kritik vom vergangenen Wochenende aufgerüttelt hatte? Von wegen! Insgeheim hatte sich Sammer das vielleicht gedacht, vielleicht hatte er sogar mit ein bisschen Lob gerechnet. Aber es kam anders.

Das Lob galt hinterher der Mannschaft. Und der Motzki erhielt die nächste Rüge. Nach Präsident Uli Hoeneß war jetzt der Boss dran. Karl-Heinz Rummenigge fand deutliche Worte. Sammer habe eine "kontraproduktive Phantomdiskussion" losgetreten. Mannschaft, Trainer, Bosse - keinem habe seine Kritik "gefallen", so der Vorstandsvorsitzende, der im gleichen Atemzug eine Unterredung der Chefs mit Sammer ankündigte. Der Sportchef muss also zum Rapport. Und das völlig zu Recht!

Was macht Sammer bei den Bayern?

Denn es hätte diesen unnötigen Weckruf nach einem Saisonstart ohne Niederlage überhaupt nicht bedurft. Auch weil die Großkopferten bei den Bayern um die enorme Fallhöhe im Jahr nach dem historischen Triple und angesichts der großen Erwartungen an Trainer Pep Guardiola natürlich selber wissen. So fragt man sich: Was hat Sammer dazu getrieben? Was will der Mann? Und: Fällt das öffentliche Meckern überhaupt in das Aufgabenprofil des Sportvorstandes? Es ist nur eine Vermutung, aber Hoeneß und Rummenigge werden im Zweifel mit Sammer vor allem darüber diskutieren. Diskutieren müssen.

Im Grunde weiß bis zum heutigen Tag keiner so genau, was Sammer bei den Bayern macht und was seine Bedeutung für den Club ausmacht. Achtung, nur ein Gedanke: Den schlauen Sammer nervt das, weshalb er dann und wann einen raushaut und sich liebend gerne in die Rolle des unbequemen Mahners begibt. Das gibt Aufmerksamkeit und Zeilen. Dieses Mal ist aber noch mehr passiert: Sammer hat sich selbst geschadet.

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