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Borussia Dortmund: Die jungen Wilden und der Fluch des Erfolgs

Nach Jahren im Mittelmaß kann Borussia Dortmund auf eine rosige Zukunft hoffen. Aber dem Erfolgsmodell, mit einer Mannschaft aus jungen Profis die Liga aufzumischen, droht Gefahr. Denn manch frühreifer Überflieger steht auf der Einkaufsliste finanzstärkerer Vereine weit oben.

Kurzer Höhenflug oder Beginn einer neuen Ära? Aus dem einstmals größten Bundesliga-Problemfall Borussia Dortmund ist nach Einschätzung vieler Fachleute ein Erfolgsmodell geworden. Angesichts der fast perfekten Symbiose aus jugendlicher Unbekümmertheit, taktischer Finesse und spielerischer Stärke prophezeien sie dem Team eine rosige Zukunft. Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wähnt den Club auf gutem Weg zurück zu alter Größe: "Bleibt diese Mannschaft zusammen, kann eine neue Epoche beginnen."

Viel wird dabei jedoch davon abhängen, ob sich der verblüffende Erfolg der vergangenen Monate für den Revierclub nicht als Fluch erweist. Längst ist das Interesse der nationalen und internationalen Konkurrenz an den Jungprofis geweckt. Vor allem Taktgeber Nuri Sahin, Megatalent Mario Götze und Manndecker Mats Hummels stehen auf der Einkaufsliste diverser Vereine weit oben.

In weiser Voraussicht hat Sportdirektor Michael Zorc die Verträge mit Kevin Großkreutz, Marcel Schmelzer und Götze (bis 2014) sowie mit Sven Bender (bis 2016) in den vergangenen Monaten verlängert, musste dabei aber tiefer in die Vereinskasse greifen. Noch teurer dürfte es werden, unverzichtbare Leistungsträger wie Sahin und Hummels über 2013 hinaus an den Verein zu binden. Gleichwohl schloss Watzke eine Abkehr von der maßvollen Gehaltspolitik kategorisch aus: "Ich sehe nicht den Automatismus, irgendwann mal wieder ein Budget von 45 oder 50 Millionen Euro auf die Beine zu stellen."

Allerdings tun sich für den noch im Jahr 2005 von der Insolvenz bedrohten Club neue Geldquellen auf. Der sportliche Erfolg wirkt sich schon jetzt positiv auf die Bilanz aus. "In der laufenden Saison werden wir unsere Sponsoring-Einnahmen auf bis zu 50 Millionen Euro steigern", sagte der Geschäftsführer dem Nachrichtenmagazin Focus.

Im Vergleich zum vergangenen Geschäftsjahr bedeutet das eine Steigerung von knapp 30 Prozent. Im Falle einer Qualifikation für die Champions League rechnet er gar mit "Mehreinnahmen von 25 Millionen Euro". Damit würden die Borussen 2011/12 rund 160 Millionen Euro Umsatz erzielen und laut Watzke unter "die 15 umsatzstärksten Clubs in Europa aufsteigen".

Dennoch wollen Watzke und Zorc weiterhin nicht prassen und verweisen in den Gesprächen mit den Profis auf das Dortmunder Gesamtpaket. Die großartige Stimmung im Stadion, die erfolgreiche Arbeit von Trainer Jürgen Klopp und die glänzende Perspektive der Mannschaft sollen Schwankende zum Bleiben animieren. Das famose 3:1 am vorigen Spieltag in München hat Watzke in seinem Glauben bestärkt: "Unsere jungen Spieler sehen, dass sie bei uns am besten aufgehoben sind. Ich bin mir sicher, diese Mannschaft ordentlich zusammenhalten zu können."

Ob der Geschäftsführer mit dieser Einschätzung richtig liegt, könnte sich schon in naher Zukunft zeigen. Eine angebliche Klausel im Vertrag von Hummels, die ihm schon im Sommer 2012 für die Ablöse von acht Millionen Euro einen Vereinswechsel erlaubt, will der FC Bayern nutzen und den im Januar 2008 zum BVB gewechselten Manndecker zurückholen - wenn möglich sogar noch eine Saison eher. Nicht zuletzt deshalb verhandelt Sportdirektor Zorc derzeit mit Hummels über eine vorzeitige Verlängerung bis 2015. "Ich bin relativ entspannt", sagte der Umworbene dem "Kicker". Er will sich "viel Zeit" nehmen, um die "Entscheidung reifen" zu lassen.

Heinz Büse, DPA / DPA

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