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Brasilien: Abgehalfterte Zauberkünstler mit Speckrollen

Die brasilianischen Superstars Ronaldinho und Ronaldo sorgen für Aufsehen mit ihren dicken Bäuchen. Während der arbeitslose Ronaldo auf Ibiza Partys feiert, versucht Ronaldinho ein Comeback - mit Fitnesstrainer und großen Sprüchen.

Nicht das runde Leder, sondern zwei runde Bäuche halten die fußballverrückten Brasilianer dieser Tage in Atem. Die miserable körperliche Verfassung der Superstars Ronaldo und Ronaldinho, die für die kommende Saison praktisch vereinslos sind, symbolisiert für viele den Niedergang des Fußballs im Land des Rekordweltmeisters - Nachfolger der "Dicken" und des zuletzt ebenfalls schwächelnden Kakà sind nicht in Sicht. "Das ist die schlechteste Fußballer-Generation in vielen Jahrzehnten", meint der Kolumnist der Zeitung "O Globo", Fernando Calazans.

"Ronaldinhos Bauch hat mich geschockt, der kommt nie und nimmer bis zu den Olympischen Spielen in Form", ist Brasiliens Sport- Journalisten-"Papst" Armando Noriega skeptisch. Der Spieler habe sich vom Fußball distanziert, meint Noriega, zeige keinen Willen mehr. Der 28-jährige Spieler wollte diese Woche auf einer Pressekonferenz sein Gewicht um keinen Preis verraten, beteuerte aber, er sei zuversichtlich, bis Peking wieder "gut drauf" zu sein. In einer Fernsehsendung gab er aber zu: "Meine ganze Zukunft ist ungewiss."

Ronaldinho hat seit vier Monaten nicht gespielt

Ronaldinho spielt seit gut vier Monaten nicht, der FC Barcelona will ihn verkaufen, findet aber keinen Abnehmer, und will dennoch den olympischen Einsatz unterbinden. "Ich vermisse den Ball, will trainieren und bei Olympia die Goldmedaille holen, das ist mein Traum", versichert der zweifache Weltfußballer. Bei der Lektüre der jüngsten Ausgabe des brasilianischen Fußball-Magazins "Placar" wird Ronaldinhos Abstieg nachvollziehbar. Freund und Journalist Toni Frieros schrieb, Ronaldinho habe nach vielen Titeln und Ehrungen keinen Ehrgeiz mehr. Einzige Rettung sei ein Clubwechsel. "Er braucht eine neue Umgebung, neue Ziele", so Frieros.

Der Präsident des brasilianischen Nationalverbandes CBF, Ricardo Teixeira, hat dies erkannt und gegen den Willen von Nationalcoach Dunga das "Projekt Peking" für Ronaldinho gestartet. Die Risiken sind bekannt. "Ein nachlässiger und übergewichtiger Ronaldo war bei der WM in Deutschland ein Fiasko. Der andere Ronaldo muss aufpassen, dass ihm in Peking nicht ähnliches widerfährt", warnt die Zeitung "Folha de Sao Paulo". Kritik wird immer lauter. "Kein Trainer würde Ronaldinho nach Peking mitnehmen, die Seleção ist kein Reha-Zentrum", klagte Ex-Profi und TV-Kommentator Caio Ribeiro.

Ronaldo amüsiert sich auf Ibiza

Ronaldo "Nummer Eins" sonnt sich unterdessen auf der spanischen Party-Insel Ibiza. Erst jüngst wurde sein ausgelaufener Vertrag mit dem AC Mailand nicht verlängert. In Brasilien machte er im April wegen eines Skandals mit Transvestiten Schlagzeilen. Der arbeitslose 31-Jährige scheint sich aber keine Sorgen zu machen, besucht mit seiner schwangeren Freundin Bia Antony Musikkonzerte und Formel-1- Rennen, wurde mit Zigarette in der Hand fotografiert. Nach einem Patellasehnenriss wuchs sein Bauch deutlich, eine englische Boulevardzeitung verglich ihn mit einer schwangeren Frau.

Auf dem Tiefpunkt seiner Karriere wird Ronaldo, der bis November pausieren muss, daheim schon als Ex-Fußballer betrachtet. Sportlich weckt er kaum noch Interesse, auch Interviews und Berichte über sein Privatleben werden in den Medien immer seltener. "Obwohl er zur Verfügung steht, wird er nicht einmal von brasilianischen Vereinen umworben", stellte der TV-Sender ESPN Brasil fest. Bereits vor ein paar Monaten war Ronaldo von Pelé abgeschrieben worden. Er werde wohl kaum wieder gut spielen, sagte die Fußball-Legende. Nach Meinung von Ex-Nationalspielern spielt der dreifache Weltfußballer sogar mit dem Gedanken, die Stiefel bald an den Nagel zu hängen.

So weit ist Ronaldinho noch nicht. Immerhin schaffte er es auf der Liste der einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt des US-Magazins Forbes als bester Brasilianer auf Rang 38. In Peking wird er, sofern sein Club das zulässt, nicht nur um Olympia-Gold dribbeln. Auch die nächste Saison steht auf dem Spiel. Aber Mutter Dona Miguelina ist besorgt. "Mein Sohn ist doch keine Maschine", klagte sie dieser Tage.

Emilio Rappold/DPA / DPA

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