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Bundesliga-Check: FC Bayern München Der Titel muss es sein


Same Procedure as every season: Meister wird der FC Bayern - so die Prognosen. Heuer macht der Tipp allerdings richtig Sinn. Die Münchner haben ihren Kader an den richtigen Stellen aufgemotzt, während die Konkurrenz kaum Geld investierte. Sie könnten auf Autopilot schalten, wäre da nicht der aktuelle Meister.
Von Dirk Benninghoff

Was ist neu?
Viel Geld haben die Bayern in die Hand genommen, um ihren ohnehin schon starken Kader noch einmal aufzupimpen. Nennenswerte Abgänge gab es nicht, so dass der alljährliche Meisterfavorit qualitativ einen deutlichen Sprung macht. Das liegt an erster Linie an Manuel Neuer. Er mag nicht so eindeutig der beste Torwarte der Welt sein, wie es weite Teile Fußballdeutschlands gerne hätten, aber angesichts der Tatsache, dass die Bayern-Keeper in der vergangenen Saison kaum unter den Top 10 der Liga rangierten, ist sein Kauf ein Coup - wenn auch ein teurer (22 Millionen Euro).

Teuer waren auch Rafinha und Jerome Boateng. Zwar verstärken sie die Problemzone Abwehr. Ob die beiden aber zusammen fast 20 Millionen Euro wert sind? Boateng hat sich in den vergangenen Jahren kaum weiter entwickelt, ist zwar vielseitig, aber bisweilen leichtsinnig und gibt der Offensive kaum Impulse. Rafinha wollte in den vergangenen Jahren eigentlich immer nur weg - egal, wo er war. Vielleicht ist er bei den Bayern endlich angekommen. Als Powermann über rechts kann der Brasilianer jedenfalls dafür sorgen, dass die Münchener auf beiden Flügeln doppelt gefährlich besetzt sind. Lahm spielt jetzt auf links - bei den Bayern bislang ein Sorgenbereich, in der weder Contento noch Pranjic das Team weiter brachten.

Auf Zweitligatorjäger Nils Petersen trifft die Bezeichnung Ergänzungsspieler zu. Immerhin ist der für die Bayern zuletzt nutzlose Miro Klose aussortiert. Weniger Tore als er wird Petersen kaum schießen. Auch auf der Position des Ersatz-Mittelstürmers haben sich die Bayern also verstärkt. Und: Hoffnung macht auch der talentierte Rückkehrer David Alaba. Summasumarum: Die Neuzugänge sind ein Riesenplus für die Bayern. Während die Konkurrenz kaum aktiv war, haben die Münchener an den richtigen Stellen viel (etwas zu viel) Geld investiert.

Mindestens genauso wichtig wie die neuen Spieler: der neue Coach. Jupp Heynckes unternimmt seinen dritten Versuch in München. Man mag ihn hier, und er hat in Leverkusen zurück in die Erfolgsspur gefunden. Beste Voraussetzungen also für den mittlerweile stets gelassen erscheinenden Trainer, seine große Fußballkarriere in München würdig zu beenden.

Was ist gut?

Siehe Punkt 1. Die Bayern merzen die Schwachstellen des Vorjahres mit den Neueinkäufen aus. Überflüssige Verpflichtungen wie unter van Gaal (Braafheid oder Pranjic) blieben aus. Mit dem Trainer dürfte die Ruhe eines ihrer seltenen Gastspiele in München geben. Heynckes stand in Leverkusen für kontinuierliche Erfolgsarbeit. Kaum anzunehmen, dass es Ärger wie unter seinen Vorgängern Klinsmann und van Gaal gibt. Auch die leidige Torwartfrage, die seit Kahns Abgang die Mannschaft quält und schwächt, hat sich mit Neuer beantwortet.

Der Kader ist mit Abstand der beste in der Liga. Selbst die einzukalkulierenden Ausfälle von Franck Ribery und Arjen Robben, die bezeichnenderweise zum Start der Saison mal wieder verletzt sind, können kompensiert werden. Müller über rechts, Alaba über links: das könnte als Plan B funktionieren. Spielt Robben, wird die Bayern-Offensive ihre Gegner eh meist überrollen. Der Niederländer bleibt der beste Spieler der Liga. Die Rückrunde hat gezeigt: Ist er dabei, sind die Bayern einige Prozent stärker. Das "Mia san mia"-Gefühl lebt im Grunde genommen keiner in München so wie ein gesunder Robben: Nicht verbal oder durch aggressives Auftreten, sondern durch eine bemerkenswerte Selbstverständlichkeit mit der er die Gegner in Grund und Boden spielt, ein Tor nach dem anderen schießt oder vorbereitet.

Und schließlich haben die Bayern vorne Gomez, der zuletzt knipst wie er will, auf dem Weg zum erfolgreichsten Bayern-Torjäger seit Gerd Müller ist - und in dieser Saison durchaus mehr als 30 Tore schießen könnte. Das hat es seit 1977 (Dieter Müller) in der Bundesliga nicht mehr gegeben.

Was ist schlecht?

Der Fanaufstand gegen Manuel Neuer entbehrt nicht an Lächerlichkeit. Zwar wird stets betont, wie souverän der neue Torwart mit der Situation umgehe. Aber ist es etwa souverän, dass sich der Ex-Schalker den Spielregeln der Bayern-Ultras unterworfen hat? In seinen ersten Spielen für die Bayern irrlichterte der Nationaltorwart das ein oder andere Mal durch den Strafraum, patzte gegen Braunschweig sogar mit dem Fuß, was bei ihm so gut wie nie vorkommt. Die absurde Geschichte scheint ihm zuzusetzen - noch.

Viele der deutschen Nationalspieler stagnieren in ihren Leistungen. Bastian Schweinsteiger konnte nicht an seine herausragende Vorsaison, geschweige denn an die WM anknüpfen, auch Lahm war zuletzt nicht mehr als solide. Holger Badstuber sogar nicht einmal mehr das. Seine Leistungen in der Rückrunde waren teilweise so schlecht, dass nur der Mangel an Alternativen dafür sorgte, dass er noch spielen durfte. Doch das ist in diesem Jahr ja anders.

Was ist möglich?

Alles. Auch in der Champions League (Qualifikation vorausgesetzt) können die Bayern weit kommen. Ganz weit sogar, stünde nicht der FC Barcelona im Weg. Um den 23. Meistertitel der Bayern zu verhindern, braucht Borussia Dortmund erneut eine Übersaison. Vom Rest der Liga ist dazu ohnehin keiner in der Lage. Und zwei Jahre ohne einen Deutschen Meister FC Bayern, das gab es zuletzt 1995 und 96. Meister damals? Borussia Dortmund.


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