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Bundesliga im Check: Bayer Leverkusen: Der Stachel im Fleisch der Bayern

Leverkusen kommt mit großen Schritten. Der ohnehin starke Kader wird nun mit Michael Ballack noch besser. Ist Bayer reif für den ganz großen Wurf?

Von Daniel Barthold

Was ist neu?
Bayer Leverkusen hat mit Michael Ballack den spektakulärsten Spielerdeal der neuen Saison abgeschlossen. Mit Sydney Sam kam zudem ein talentierter Offensivmann, so dass die Bank der Leverkusener noch bessser besetzt ist. Sam, der in der vergangenen Saison vom HSV an Kaiserslautern ausgeliehen war, hatte dort großen Anteil am Aufstieg. Er kostete entsprechend: 2,2 Millionen Euro. Dazu kamen - gemäß dem Leverkusener Jugendstil - diverse weitere junge Spieler wie der Däne Nicolai Jörgensen (19).

Geschwächt wird Bayer allerdings durch den Verkauf von Toni Kroos, der zurück nach München musste.

Was ist gut?
Spielerisch ist Bayer vielleicht noch stärker als die Bayern oder Werder. Die Mannschaft spielte in der vergangenen Saison teilweise berauschend. Und es ist eine Entwicklung spürbar: Im Vorjahr brach die Mannschaft Anfang der Rückrunde ein, in der vergangenen Saison erst gegen Ende. Wenn Jupp Heynckes den Trend mit seiner Mennschaft fortsetzt, spielt er bis zum Schluss um die Deutsche Meisterschaft.

Und es spricht einiges dafür: Die Mannschaft kann sich auch in diesem Jahr verbessern. Stefan Kießling, René Adler, Patrick Helmes, Tranquillo Barnetta, Castro, Stefan Reinartz, Daniel Schwaab, Michael Kadlec, Sidney Sam, Lars Bender, Renato Augusto und Eren Derdiyok - sie sind alle nicht älter als 26. Allein aus ihnen lässt sich eine komplette erstklassige Mannschaft bauen, der nur die Innenverteidigung fehlte. Und hier, in dem Mannschaftsteil, in dem Routine besonders wichtig ist hat Bayer Sami Hyypiä und Manuel Friedrich - zwei Männer mit Erfahrung und Klasse. Und im Mittelfeld gibt Ballack zum einen Halt in schwierigen Situationen und sorgt dafür, dass die Mannschaft in überlegen geführten Spielen wie in Dortmund (0:3) nicht überrumpelt wird. Zudem trifft der Neu- und Ex-Leverkusener regelmäßig und stopft hier die Lücke von Kroos, dem einzigen torgefährlichen Bayer-Mittelfeldspieler der vergangenen Saison.

In Mittelfeld und Angriff hat Bayer mehr Auswahl als in der vergangenen Saison. Helmes, der in der vergangenen Saison erst lange ausfiel und dann nicht mehr in Tritt kam, wird dieses Jahr wieder angreifen. Auch der Langzeitverletzte Simon Rolfes kehrt irgendwann zurück, und Renato Augusto, der 2009/10 nur die Hälfte der Spiele bestritt, ist jetzt schon fit.

All das führt dazu, dass außer den Bayern keine Mannschaft so gut besetzt ist wie Leverkusen. Während ein Team wie Werder Bremen Verletzungsserien kaum verkraften kann, ist Heynckes Auswahl auf der Bank riesig. Er könnte fast zwei erstklassige Mannschaften in die Saison schicken.

Was ist schlecht?
Es besteht die Gefahr, dass die "Looserkusen"-Psychose auch die aktuelle Mannschaft befällt - zumal jetzt auch noch der Dauer-Zweite Michael Ballack dabei ist. Unnötige Niederlagen gegen Frankfurt, Nürnberg und Stuttgart kosteten am Ende sogar den dritten Platz, nachdem Bayer lange Zeit Tabellenführer war.

Das Bollwerk Innenverteidigung wirkte zum Schluss der Saison zunehmend sturmreif, René Adler leistete sich ungewohnte Patzer. Es ist und bleibt das Manko: Leverkusen geht kurz vor dem großen Wurf die Puste aus. Und das wird fast jede Saison aufs neue bestätigt.

Was ist möglich?
Starke Einkäufe, eingespielte Mannschaft, Helmes und Renato Augusto wieder fit und heiß, irgendwann vielleicht auch Rolfes: Leverkusen spielt ganz oben mit – in der Europa League und in der Liga. Leverkusen könnte der Stachel im Fleisch der Bayern sein. Dass man im direkten Vergleich mithalten kann, haben die beiden Remis der vergangenen Saison gezeigt. Wäre bloß diese alte Geschichte nicht. Verzeihung, Michael Ballack: Aber Zweiter ist ja auch schon etwas.

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