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Kolumne: Hier spricht der Boomer Warum es sich die Bundesliga verdient hat, am Wochenende wieder loslegen zu dürfen

Bundesliga-Kommentar von Frank Schmiechen
Frank Schmiechen (kl. Foto) findet, dass der Neustart der Bundesliga eine gute Idee ist, die man nicht stoppen sollte.
© Privat / Manuel Kusch / DPA
Aller wohlfeilen Kritik zum Trotz: Wenn in der Bundesliga am Wochenende der Ball wieder rollt, fragt sich die Welt: Wie haben die Deutschen das bloß wieder gemacht? Wer eine gute Idee hat, sollte nicht gestoppt werden.
Von Frank Schmiechen

Ja klar. Der Fußball. Ein leichtes Opfer. Millionäre, die gegen einen Ball treten. Und viele Kinder müssen zu Hause bleiben. Das haut rein. Klischees soweit das Auge reicht. Das dankbare Publikum springt von den Sitzen auf. Donnernder Applaus. In den Netzwerken lassen sich mit Hate-Videos auf das "Geschäft mit dem Fußball" mühelos jede Menge Herzchen abräumen.

Was ist eigentlich mit den Turnern – oder mit der Rhythmischen Sportgymnastik, wird vielsagend gefragt. Und mein Kind durfte wochenlang nicht auf den Bolzplatz. Tosende Zustimmung kommt auch von Leuten, die noch nie einen einzigen Turner von Weitem gesehen haben und nicht wissen, was ein Gienger-Salto ist.

Bundesliga hat einiges richtig gemacht

Ausgerechnet die Freundin, die mir eben noch mit ernster Miene erzählt hat, dass sie Populismus ablehnt und sich lieber differenziert in höchst vertrauenswürdigen Medien umfassend über Themen informiert, kennt beim Fußball keine Gnade: "Ausgerechnet diese blöden Fußballer. Da gibt es doch wirklich wichtigere Dinge."

Das mag sein. Ja. Aber die Fußballer haben ein paar Sachen richtig gemacht.

Wie machen die Deutschen das bloß?

Am Wochenende wird es weltweit eine einzige relevante Liga im Profisport geben, die ihren Spielbetrieb durchführt. Zwar ohne Zuschauer vor Ort in den Stadien – aber immerhin. Die deutsche Bundesliga. Die ganze Welt starrt mit aufgerissenen Augen auf unser Land und fragt sich, wie wir das wieder hinbekommen haben. Wahrscheinlich wird sogar das Spiel Düsseldorf gegen Paderborn unfassbare Einschaltquoten haben, weil auch der sportbegeisterte Japaner endlich wieder einen rollenden Ball sehen möchte.

Erst ist Deutschland nicht so stark von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen wie andere Länder, jetzt spazieren auch noch junge Männer auf den Rasen und üben ihren Sport aus, als wenn nichts wäre. Wie machen die Deutschen das bloß?

Ein Plan. 41 Seiten dick

Sie machen einen Plan. 41 Seiten dick. Die Manager und Verantwortlichen der Bundesliga haben sich überlegt, unter welchen Umständen ein Spielbetrieb wieder möglich wäre. Dann wurde das Konzept entwickelt.

Dazu gehören zum Beispiel regelmäßige Tests der Spieler. Auch privat sollen sie die Quarantäne-Regeln einhalten. Kontaktpersonen der Spieler werden ebenfalls getestet. In den Stadien sind lediglich 300 Personen zugelassen. Sie müssen Mundschutz tragen. Rituale wie das gemeinsame Einlaufen fallen aus. Gemeinsame Aufenthalte in der Kabine werden auf ein Mindestmaß beschränkt. Die Spielbälle werden vor und während der Partie desinfiziert. Kein Abklatschen, keine Umarmung beim Torjubel – und Spucken ist verboten!

Wer eine gute Idee hat, sollte nicht gestoppt werden

Dass das alles ernst gemeint ist, zeigt der Fall Dynamo Dresden. Nach zwei positiven Coronavirus-Tests musste Dresden sein komplettes Zweitliga-Team für zwei Wochen in Quarantäne schicken und verpasst den ersten Spieltag.

Ob die Maßnahmen von allen Beteiligten eingehalten werden und die Saison wirklich zu Ende gespielt werden kann? Daran gibt es berechtigte Zweifel. Keine Zweifel habe ich an folgendem Grundsatz: Wer eine gute Idee hat und versucht, sie in die Wirklichkeit umzusetzen, sollte auf keinen Fall gestoppt werden. Anpfiff!


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