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Bundesliga-Stars im Netz: Robert Enke in 3-D

Er gilt als zurückhaltend. Über sein Privatleben redet Nationaltorhüter Robert Enke nicht gerne. Umso überraschender ist sein flotter Auftritt im Internet. Wie immer mehr Fußballprofis nutzt der 30-Jährige die Möglichkeit, sich auf einer eigenen Homepage von einer ganz persönlichen Seite zu präsentieren.

Von Kai Behrmann

Robert Enke weiß, was gleich passiert. Er greift zur Mouse, bewegt den Pfeil auf einen kleinen Hund, der über den Bildschirm des Laptops vor ihm läuft und klickt. Der Vierbeiner schnappt zu, als würde er in eine Wurst beißen und schmatzt genüsslich. Doch die Szene ist noch nicht vorbei. "Jetzt aufpassen", warnt der Torhüter von Fußball-Bundesligist Hannover 96. Was folgt ist ein lautes Verdauungsgeräusch. Enke lacht. Er hat Spaß an seiner Internseite, die gespickt ist mit kleinen Details wie der Hundeszene. Die anfänglichen Zweifel sind verflogen. "Ich habe mich lange gegen eine eigene Webseite gewehrt", gibt Enke zu. Es bedurfte großer Überredungskunst von seinem Berater Jörg Neblung und Christian Olgemöller, Geschäftsführer der Hamburger Internetagentur Kaliber5 Sports, ehe sich der 30-Jährige schließlich vor gut einem Jahr für einen eigenen Internetauftritt entschied.

Mit seiner Homepage befindet sich Enke in guter Gesellschaft. Immer mehr Bundesliga-Profis legen sich eine virtuelle Visitenkarte zu. Ein Trend, der laut Olgemöller zwar noch am Anfang stehe, in Zukunft jedoch stark zunehmen werde. "Bald wird jeder Spieler eine eigene Homepage haben", prophezeit der Hamburger Internetexperte. Gründe, die für eine Präsenz im Netz sprechen, gibt es viele. "Der Sportler hat dadurch die Möglichkeit, sich ungefiltert seinen Fans zu präsentieren", sagt Enke-Berater Neblung. Sein Klient könne auf diese Weise zum Beispiel zeigen, welcher Mensch hinter dem in der Öffentlichkeit eher "abgeklärt und sachlich wirkenden Torhüter" stecke.

Erst Sellerie, dann Intensivstation

So erfährt der Besucher der Enke-Homepage zum Beispiel, dass sich der Hundeliebhaber abseits des grünen Rasens stark für den Tierschutz engagiert und ein großes Herz für Kinder hat. In seinem persönlichen ABC verrät Enke unter dem Buchstaben "S", warum er um Sellerie einen großen Bogen macht. "Der hat mich einmal so umgehauen, dass ich anschließend auf der Intensivstation lag", heißt es dort. "Die Fans können heutzutage gar nicht genug davon bekommen, etwas über ihre Stars zu erfahren", weiß Olgemöller. Ein Wunsch, dem sich Enke zunächst eher verweigert hat. "Mit einer eigenen Homepage gibt man schon einen zusätzlichen Teil seiner Privatsphäre preis", erklärt der gebürtige Jenaer, warum er dem Projekt zunächst skeptisch gegenüber stand. Aus seiner Zeit bei Benfica Lissabon oder beim FC Barcelona war er das große Interesse an persönlichen Geschichten nicht gewohnt. "In Portugal und Spanien interessieren sich Zuschauer und Medien eher für das Sportliche."

Spieler-Homepages: Interessanter Blick hinter die Kulissen oder verzichtbare Spielerei?

Schweißtreibende Dreharbeiten

Umso wichtiger war es für ihn, dass seine Seite etwas Besonderes bietet. Einen ganzen Tag lang musste Enke dafür in einer Bluebox im Studio Hamburg schwitzen, um die Bewegungen einzuspielen. Auf dem Fußboden waren Markierungen abgeklebt, Requisiten gab es nicht. "Teilweise wusste ich gar nicht, was ich gerade mache", erinnert sich der Keeper an die Dreharbeiten. Von dem Ergebnis ist er umso beeindruckter: "Ich finde die Seite ausgesprochen gelungen."

Der Internetnutzer kann den 3-D-animierten Robert Enke durch seine detailreich gestaltete virtuelle Welt navigieren, zum Beispiel in einen Fitnessraum. Dort macht Enke mit freiem Oberkörper Liegestütze, stemmt Hanteln, lehnt lässig am Pinkelbecken und entspannt nach den schweißtreibenden Übungen unter der Dusche. Freizügige Szenen, mit denen Olgemöller und seine Kollegen dennoch den Geschmack des als zurückhaltend geltenden Ersatztorhüters der deutschen Nationalmannschaft trafen. "Das ist ein Gag, den ich sehr gut finde", sagt Enke. Zu provokant findet er die Sequenzen nicht - im Gegenteil. "Wenn man so etwas nicht mehr machen kann, wäre es ja traurig."

Plattform für Sponsoren

Aber nicht nur Fans können ihr Idol von einer ganz persönlichen Seite kennenlernen, auch für Werbepartner wird der Netzauftritt eines Fußballstars immer interessanter. „Er bietet Sponsoren eine aufmerksamkeitsstarke Plattform sowie eine Kontaktmöglichkeit zum Spieler“, sagt Neblung. Olgemöller ist sich sicher, dass die Profis schon bald auch richtig Geld mit ihren Homepages verdienen können. „Laut einer Studie lässt sich der Marktwert eines Spielers mit einer öffentlichkeitswirksamen Seite um bis zu 17 Prozent steigern“, berichtet der Hamburger.

Strikte Grenzen in der realen Welt

Die Reichweite ist dabei entscheidend. Enke empfängt bis zu 19000 Besucher pro Monat auf seiner Internetseite. Wenn sich das rostige Blechtor zu seiner virtuellen Welt knarrend öffnet, steht dahinter ein lächelnder Enke und winkt. Fan-Besuch in seinem Fachwerkhaus vor den Toren der niedersächsischen Landeshauptstadt schätzt er dagegen nicht. „Es kommt ab und zu vor, dass ein Fan bei mir an der Tür klingelt“, erzählt Enke. „Das finde ich nicht so toll.“ So offen er online Einblick in sein Leben gewährt, so strikt zieht er weiterhin die Grenzen in der realen Welt. Seine Internetseite gibt Enke die Möglichkeit selbst zu entscheiden, welche privaten Dinge er von sich preisgeben möchte und welche nicht.

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