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Bundesliga-Teamcheck: Bayern München: Guardiola ist die einzige Gefahr

Beim FC Bayern tobt der härteste Konkurrenzkampf der Clubgeschichte. Nie war der Kader besser besetzt. Wird man so automatisch Meister? Schon, wäre da nicht die Veränderungswut des neuen Trainers.

Von Klaus Bellstedt

Er soll beim FC Bayern nichts weniger als eine neue Ära prägen: Pep Guardiola. Der Trainer-Gott. Der System-Messias. Beim FC Barcelona ist ihm das gelungen. 14 Titel in vier Jahren fuhr Guardiola zwischen 2008 und 2012 mit den Katalanen ein. Der 42-Jährige ließ Messi und Co. in dieser Zeit atemberaubenden Fußball spielen. Dann nahm er sich eine Auszeit, siedelte über nach New York, ging in die Oper, traf Woody Allen, las Hermann Hesse, lernte Deutsch und ist jetzt bereit für die vielleicht größte Herausforderung in seinem noch jungen Trainerleben: Er muss das Triple verteidigen. Das ist das Mindeste, was die Bayern von ihm verlangen. "Ich muss damit leben", sagte er bei seiner Vorstellung vor ein paar Wochen. Sicher: Die Chancen stehen gut. Aber klar ist auch: Mit seiner Veränderungswut pokert Guardiola hoch. Vielleicht zu hoch.

Was ist neu?

Alles ist neu unter Guardiola: Training, Taktik, Ansprache. Die Spieler müssen sich radikal umgewöhnen. Selbst die Ernährung wurde vom neuen Coach und seinen zahreichen Beratern umgestellt. In der Kabine gibt es jetzt vorzugsweise: Bananen-Milchshakes. Oder hier: Zwei Tage vor dem Bundesliga-Start an diesem Freitag gegen Gladbach (ab 20.30 Uhr live in der ARD, bei "Sky" und im stern.de-Ticker) spendierte Guardiola seinen Spielern einen freien Tag. Soll man nun darüber den Kopf schütteln? Oder ist das gar clever? Schweinsteiger und Co. dürften sich gefreut haben. Weniger angenehm ist für sie, dass der neue Trainer seinen Profis zukünftig erst eine Stunde vor Spielbeginn die Aufstellung mitteilt - während der Busfahrt ins Stadion. Philipp Lahm kann zum Thema "Was ist neu?" vermutlich am meisten sagen. Guardiola setzte den Verteidiger während der Vorbereitung vermehrt im Mittelfeld ein. Der Bayern-Kapitän arrangierte sich mit der Rolle, begeistert war - und ist - Lahm nicht.

In Sachen Transfers ging es für Bayern-Verhältnisse eher ruhig zu. Tymoshchuk und Gomez sind weg. Kirchhoff, Götze und mit Verspätung noch Thiago sind da. Für die beiden Letztgenannten blätterte man stolze 62 Millionen Euro hin. Götze ist nach seiner Verletzung noch keine Alternative für Mönchengladbach. Alle Augen richten sich stattdessen auf Thiago, der bis jetzt einen hervorragenden Eindruck hinterlassen hat.

Was ist gut?

Der Kader. So stark wie heuer waren die Münchner in ihrer gesamten Vereinsgeschichte noch nie besetzt. Die Qualität des Personals ist exquisit. Jede Position ist doppelt besetzt. Mindestens. Und logisch: Durch den Gewinn der Champions League hat sich der Brustumfang der Bayern auch noch einmal verdoppelt. Das Vertrauen in die eigene Stärke ist, seien wir ehrlich, grenzenlos.

Nochmal zurück zu Thiago. Guardiola wollte ihn unbedingt. Man kann verstehen, warum. Stichwort: Barca-Connection. Thiago weiß, was sein Chef will. Er versteht ihn und seine neuen (taktischen) Ideen. Das hat der Wunschspieler Guardiolas seinen Kollegen voraus. Noch. Ob 4-1-4-1 oder 4-3-3, Thiago gehört zu den ganz wenigen im Luxusteam der Bayern, die ihren Stammplatz sicher haben. Der neue Star ist schon jetzt ein Gewinn. Und ein Gewinner.

Was ist schlecht?

Bei den Bayern tobt der härteste Konkurrenzkampf in 50 Jahren Liga-Geschichte. Für jeden Trainer ist das eigentlich ein Geschenk. Nur beim deutschen Rekordmeister kann das zum Problem werden. "Man habe ein paar schwierige Entscheidungen zu treffen, wenn alle Spieler gesund sind", sagt Matthias Sammer und kündigt damit das Ende der Erbhöfe an. Für Stimmungsspieler wie Ribéry und Robben, die das ständige Vertrauen des Trainers für gute Leistungen brauchen, könnte das noch zum Problem werden. Und Bastian Schweinsteiger kann man sich irgendwie auch nicht auf der Bank vorstellen - ohne dass er motzt. Der Abschied von der Stammelf, er birgt auch ein gewisses Risiko in sich.

Spielerisch gibt es, man glaubt es kaum, auch ein bisschen was zu meckern. Gerade die Organisation in der Defensive stimmt noch nicht - eine Folge der vielen Verschiebungen. Das war im Supercup gegen Dortmund und sogar im Pokalspiel gegen Rheden gut zu beobachten. Zwei richtig gute Konterchancen hatte der Regionalligist. Das darf eigentlich nicht sein. Die Unordnung muss noch abgestellt werden.

Was ist möglich?

Sollten die radikalen Eingriffe von Pep Guardiola die Mannschaft gerade am Anfang nicht zu sehr verunsichern, ist für die Bayern natürlich wieder der Titel drin. Der neue Trainer muss behutsam mit den vielen sensiblen Stars umgehen und sie klug an sein Konzept heranführen. Versucht er es mit dem Holzhammer und überfordert sie, wird Dortmund Meister. Und dann hat auch Guardiola ein Problem.

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