Bundesliga-Vorschau HSV am Scheideweg


Für die Bayern ist es die Champions-League-Generalprobe, für den HSV eine Schlüsselpartie und für die Bundesliga das Spitzenspiel: Der ewige Nord-Süd-Klassiker zwischen dem Rekordmeister aus München und dem Hamburger SV.

Elf Punkte hat der drückend überlegene deutsche Fußball-Meister mehr auf dem Konto als sein zweit ärgster Verfolger aus Hamburg, der in München nur durch einen Sieg seine Minimalchance auf den Titel wahren kann. "Wir wollen die Meisterschaft einfahren. Dafür muss man die Heimspiele gewinnen", sagte Münchens Mittelfeldregisseur Michael Ballack.

Sollten die Bayern, die in der Allianz-Arena alle elf Bundesliga-Heimspiele gewannen, die erwarteten drei Punkte tatsächlich einfahren, würde nicht nur die gähnende Langeweile im Titelkampf verstärkt, sondern auch die Situation für den HSV heikler. Nach einer scheinbar nicht enden wollenden Erfolgsstory unter Trainer Thomas Doll sind die Hanseaten im Wettlauf um einen Champions-League-Platz ins Straucheln geraten. Zudem drohte in den vergangenen Wochen, die unter Doll entstandene Euphoriestimmung erstmals zu kippen. Leistungsträger wie Stefan Beinlich oder Sergej Barbarez meckerten über die neuen Vertragsangebote mit deutlich reduzierten Bezügen, es gab Kritik wegen der Neuverpflichtungen (Ailton, Nigel de Jong) und zuletzt machte sich sogar HSV-Star Rafael van der Vaart mit seinem Blackout beim 0:2 gegen den VfB Stuttgart zur Lachnummer der Liga.

"Ein Sieg hat vorentscheidenden Charakter"

"Wir müssen wieder positive Sachen abrufen und nicht immer nur hören, wie schlecht wir sind", mahnte Berufsoptimist Doll und versuchte sogar aus der Negativserie in München mit 31 Niederlagen in 40 Spielen Positives zu ziehen. "Statistiken sind dazu da, sie umzupusten." Kapitän Daniel van Buyten (Gelb-Rote Karte), Stefan Beinlich (Muskelfaserriss), Raphael Wicky (5. Gelbe Karte) müssen ersetzt werden. Torjäger Ailton ist nach seinem Kieferbruch noch nicht fit. Ob van der Vaart - neben Piotr Trochowski beim 2:0 im Hinspiel Torschütze - in der Startformation steht, ist offen. "Ich fühle mich gut. Bis Samstag bin ich bei 100 Prozent", sagte der Niederländer der Bild-Zeitung (Freitag-Ausgabe).

Den Münchnern kommen die Hamburger vier Tage vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gerade recht. Schließlich hatten die Norddeutschen das Hinspiel im September gewonnen und mussten sich im DFB-Pokal-Achtelfinale im Dezember erst in der Verlängerung geschlagen geben. Gegen die stabile HSV-Defensive können die Bayern jene Spielzüge testen, mit denen sie am darauf folgenden Mittwoch das Mauerwerk des AC Mailand aufbrechen wollen, um nach dem 1:1 im Hinspiel noch das Halbfinale in der Königsklasse zu erreichen. "Hamburg wird von der Spannung her wie ein Champions-League-Spiel für uns sein", sagte Bixente Lizarazu, der bei den Bayern wohl wieder für den im Länderspiel schwachen Philipp Lahm auflaufen wird. "Wenn wir gewinnen, hat das einen vorentscheidenden Charakter für die Meisterschaft."

"Bayern muss immer gewinnen"

Beim Rekordmeister wird der nach einer Oberschenkelprellung genesene Oliver Kahn nach einer Pause in Champions League, Bundesliga und Länderspiel wieder zwischen den Pfosten stehen. Verzichten muss Trainer Felix Magath gegen den HSV wohl nur auf Owen Hargreaves (Leistenoperation) und Roque Santa Cruz (Kreuzbandriss). Während die Münchner wohl auch in diesem Jahr vorzeitig den Titel feiern können, wird sich die meisterschaftslose Zeit für die Gäste bei einer Niederlage auf 24 Jahre verlängern. Bayern-Manager Uli Hoeneß geht jedenfalls davon aus. "Was erwarte ich gegen den HSV? Einen Sieg. Bayern muss immer gewinnen, immer gewinnen", sagte Hoeneß.

DPA


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