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Relegation 1. FC Heidenheim - das ist der Club, der Werder Bremen aus der Bundesliga kicken will

Verkaufsstand für Fansausrüstung des 1. FC Heidenheim
"Geradeaus und ehrlich": Bescheiden geht's zu beim möglichen künftigen Bundesligisten 1. FC Heidenheim, wie der fahrbare "Fanshop" in der Innenstadt zeigt.
© Tom Weller / DPA
Ungleicher könnte das Duell kaum sein. Ein Kleinstadt-Klub vom nordöstlichen Ende der Schwäbischen Alb fordert in der Bundesliga-Relegation den großen SV Werder Bremen heraus. Wir erklären den 1. FC Heidenheim.

0 zu 1900 Bundesligaspiele. Anschaulicher als durch die Anzahl der Begegnungen, die der 1. FC Heidenheim und Werder Bremen in der ersten deutschen Fußballliga aufzuweisen haben, könnte der Unterschied zwischen den beiden Kontrahenten in der Bundesliga-Relegation kaum sein. Und doch möchte das Team von der Ostalb mit einem Marktwert von 18,9 Millionen Euro der 138,6 Millionen teuren Truppe von der Weser in zwei Spielen an diesem Donnerstag (live im stern-Ticker) und am kommenden Montag den Platz in der Beletage des deutschen Fußballs streitig machen. Kann das funktionieren?  Zweimal trafen die Klubs bisher im DFB-Pokal aufeinander. Im Oktober vergangenen Jahres siegte der SV Werder 4:1; im Juli 2011 gewann der Underdog 2:1.

Das muss man über den 1. FC Heidenheim wissen:

Die Stadt

Die Heimat des Zweitligadritten heißt mit vollem Namen Heidenheim an der Brenz. Das idyllische Städtchen mit knapp 50.000 Einwohnern liegt an der nordöstlichen Spitze der Schwäbischen Alb im Osten Baden-Württembergs, 33 Kilometer nördlich von Ulm an der Grenze zu Bayern. Gesiedelt wurde in dem Gebiet schon vor 70.000 Jahren, später stand auf Heidenheimer Gebiet ein wichtiges römisches Kastell, ab dem 8. Jahrhundert wird die Stadt urkundlich erwähnt. Heidenheim ist industriell geprägt. Zu den bekannteren ansässigen Unternehmen gehören unter anderem der Maschinenbauer Voith, dessen Ingenieure den ersten Fußballclub der Stadt gründeten, und der Medizin- und Pflegeprodukte-Hersteller Hartmann. Beide Unternehmen sind auch Hauptsponsoren des Vereins.

Der Verein

Der 1. FC Heidenheim ist 2007 durch die Abspaltung der Fußballabteilung des Heidenheimer Sportbundes entstanden, führt gleichwohl das Gründungsjahr des Sportbundes in seinem Wappen: 1846, obwohl Fußball damals in Deutschland noch gar nicht gespielt wurde. 2700 Mitglieder tragen die blau-rot-weißen Farben. Die Qualifikation für die Aufstiegsspiele zur Bundesliga ist der bisher größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Bis dahin war Heidenheim regional erfolgreich. Fünfmal gewann man den württembergischen Vereinspokal, der zur Teilnahme an der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals berechtigt. 2009 stiegen die Heidenheimer als Meister der Regionalliga Süd in die 3. Liga auf, 2014 folgte der Aufstieg in die 2. Bundesliga als Drittligameister. 2019 sorgte der 1. FC Heidenheim im DFB-Pokal für Aufsehen, als er den FC Bayern an den Rand einer Niederlage brachte, letztlich aber in der Münchner Arena 4:5 unterlag. Das Vereinsmaskottchen "Paule" ist übrigens ein lebensgrößer Teddybär, gestiftet von der weltbekannten Firma Steiff aus dem nahen Giengen an der Brenz.

Das Stadion

Gespielt wird im 15.000 Zuschauer fassenden Albstadion, das dem Verein seit 2019 auch gehört. Für zwei Millionen Euro erwarb der 1. FC das reine Fußballstadion von der Stadt. Bereits seit Februar 2011 trägt es den Namen Voith-Arena, nachdem der ortansässige Maschinenbauer die Namensrechte gekauft hatte. Das Gelände liegt auf 555 Metern Höhe auf dem Heidenheimer Schlossberg und ist damit die höchstgelegene Spielstätte im deutschen Profifußball.

Der Star

Star der Mannschaft ist ihr Kapitän Marc Schnatterer, obgleich der 35-jährige gebürtige Heilbronner kaum in den großen Vereinen aktiv war. Als Jugendlicher spielte er von 1998 bis 2000 beim VfB Stuttgart, von 2006 bis 2008 in der 2. Mannschaft des Karlsruher SC. Zum 1. FC Heidenheim kam Schnatterer 2008 und entwickelte sich in 406 Zweitligapartien zur unumstrittenen Führungsfigur der Mannschaft. Der spielstarke offensive Mittelfeldspieler ist unter anderem gefürchtet für seine gefährlichen Freistöße. 122 Zweitligatore stehen auf seinem Konto.

Marc Schnatterer vom 1. FC Heidenheim
Mittelfeldspieler Marc Schnatterer, 35, ist der Star des 1. FC Heidenheim
© Tom Weller / DPA

Der Trainer

Coach Frank Schmidt ist gebürtiger Heidenheimer und allein schon deshalb eine Vereinslegende. Seit 13 Jahren trainiert er das erste Team und führte die Mannschaft in dieser Zeit von der Oberliga Baden-Württemberg bis an die Schwelle der Bundesliga. Als Spieler war er mit unterschiedlichem Erfolg unter anderem beim SV Waldhof, Alemannia Aachen, der SpVgg Greuther Fürth und den Wiener Klubs WSC und First Vienna aktiv. Obgleich der 46-Jährige bisher nur bei seinem Heimatklub als Trainer tätig war, gilt er als herausragender Fußballlehrer. Im Dokumentarfilm "Trainer!" von Aljoscha Pause (2013) wurde seine Arbeit ebenso wie die berühmterer Kollegen wie Jürgen Klopp, Hans Meyer oder Armin Veh beleuchtet.

Der Edelfan

Als gebürtiger Heidenheimer wird Sascha Vollmer, 48, vom Country-Rock-Duo "BossHoss" mit dem 1. FC in der Relegation mitfiebern. "Die Vorfreude ist riesig, so was gab es bei uns ja noch nie. Ich kann es kaum erwarten", sagte der Musiker der Deutschen Presse-Agentur. "Ich war schon als Kind mit meinem Papa samstags bei jedem Heimspiel, damals hieß der Klub noch Heidenheimer Sportbund. Ich habe damals natürlich Flaschen eingesammelt und durfte das Pfand behalten", erinnert sich Vollmer an seine Kindheit. Sein Vater sei Vereinsmitglied. "Der hat gerade Herzrasen und erzählt, die Stimmung im Ort sei bombastisch. Eine Mischung aus Weihnachten, Silvester und WM-Finale."

Quellen: Nachrichtenagentur DPA, Transfermarkt, Hompage 1. FC Heidenheim, Stadt Heidenheim


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