Bundestrainer Joachim Löw "Wer Titel will, braucht intelligente Spieler"


Zwei Siege in den beiden wichtigen Spielen gegen San Marino und die Slowakei, dann wäre seine erste Saison rundum geglückt. Bundestrainer Joachim Löw spricht im stern über die Folgen der WM, die Kraft der Datenbank und die emotionale Schulung der Profis.

Vor den EM-Qualifikationsspielen gegen San Marino und die Slowakei hat Bundestrainer Joachim Löw von den Bundesliga-Vereinen gefordert, junge Spieler künftig besser auf deren Karriere vorzubereiten. Im Interview mit dem stern sagt Löw, einige Klubs im Ausland seien den Deutschen weit voraus, "nicht nur in der fußballerischen, technisch-taktischen Ausbildung. Auch in der emotionalen Ausbildung." Es müsse aber auch eine intellektuelle und soziale Ausbildung geben. Bei Arsenal London etwa gebe es Intelligenztests und Persönlichkeitsschulungen. "Da wird ein junger Spieler systematisch aufgebaut. In allen Bereichen. Das geht hin bis zu einer Karriereplanung."

"Deisler wurde vielleicht zu häufig allein gelassen"

"Wenn man Titel gewinnen will", so Löw weiter, "braucht man intelligente Spieler." Sie gingen besser mit Niederlagen, mit Verletzungen und Erfolgen um und seien "vielleicht auch in der Lage, sich in entscheidenden Momenten besser zu konzentrieren". Wünschenswert sei auch eine ständige psychologische Betreuung der Spieler: "Ich denke an eine Art Rundumbegleitung, auf den Spieler abgestimmt. Im Training, im privaten Leben, im Umgang mit sich selbst. Da müssen wir einen Ansatz finden, dass es nicht solche Probleme gibt wie zum Beispiel bei Sebastian Deisler. Der von allen gefeiert wurde als größtes Talent, aber vielleicht auch zu häufig allein gelassen wurde mit seinen Problemen."

Im aktuellen stern schildert der Bundestrainer, dass er selbst lange Zeit gebraucht habe, die WM 2006 zu verarbeiten: "Heute weiß ich: Die ganze WM lief wie ein Film an mir vorbei. Aber irgendwann kam alles hoch, und zwar ganz extrem. Ich musste ständig an gewisse Situationen denken, an einzelne Szenen. Ganz bewusst habe ich mir ein paar Dokumentationen angeschaut - ich habe vor dem Fernseher eine Gänsehaut bekommen."

"14 Tage mal nicht an die Nationalelf denken"

Für die letzten beiden Spiele einer langen Länderspielsaison gegen San Marino an diesem Sonnabend und gegen die Slowakei am kommenden Mittwoch hat Löw eine klare Zielsetzung ausgegeben: "Wir wollen sechs Punkte holen." Danach beginnt für den Erfolgscoach der erste fußballfreie Sommer seit drei Jahren. "Ich habe noch keine konkreten Pläne, mit Sicherheit aber werde ich mir einen Urlaub gönnen. Einfach mal 14 Tage nicht an die Nationalmannschaft denken - ich bin selbst gespannt, wie gut mir das gelingt", sagt Löw.

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