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ESC 2019: Hat die S!sters nur Weißrussland lieb? Woher die Jury-Stimmen für Deutschland kamen

"Sorry Germany, zero Points." Beim Eurovision Song Contest erhielt das Duo S!sters null Punkte von den Zuschauern. Nur die Jury-Wertung rettete Deutschland vor dem letzten Platz. Woher die wenigen Punkte kamen.

Laura Kästel (r.) und Carlotta Trumann von der Band S!sters

Laura Kästel (r.) und Carlotta Trumann von der Band S!sters

DPA

Danke Weißrussland. Danke Dänemark. Und Danke Schweiz: Mit zwei Mal acht und einmal sechs Punkten verhinderten die Jurys dieser drei Länder, dass Deutschland beim ESC 2019 Letzter wird. Das deutsche Duo S!sters bekam 32 Punkte im Jury-Voting (aus Litauen kamen 5, aus Australien 3 und aus Irland 2 Punkte) und null Punkte beim Televoting der Zuschauer. Insgesamt reichte das für den 24. Platz – vor Weißrussland (31 Punkte) und Großbritannien (16 Punkte).

ESC-Wertung 2019: Von diesen Ländern bekam Deutschland Punkte

ESC-Wertung 2019: Von diesen Ländern bekam Deutschland Punkte

Die Minsker Jury liebte die S!sters – könnte man meinen. Doch es gab in Weißrussland gar keine Jury, die für Deutschland abgestimmt hat. Die fünf Juroren wurden nach dem Semifinale disqualifiziert, weil sie über ihr Abstimmungsverhalten öffentlich gesprochen hatten. Statt neue Juroren zu bestimmen, übernahm das Voting ein Algorithmus - der zu einem recht merkwürdigen Ergebnis kam.

Auffälligkeit beim weißrussischen ESC-Voting

Weißrussland gab im Jury-Voting auffällig vielen Ländern Punkte, die auf den hinteren Plätzen lagen. So sah das vom Computer aggregierte Ergebnis aus:

  • Israel – 12 Punkte
  • Estland – 10 Punkte
  • Deutschland – 8 Punkte
  • Norwegen – 7 Punkte
  • Spanien – 6 Punkte
  • United Kingdom – 5 Punkte
  • San Marino – 4 Punkte
  • Serbien – 3 Punkte
  • Island – 2 Punkte
  • Australien – 1 Punkte

Mit Israel, Estland, Deutschland, Spanien, Großbritannien, San Marino und Serbien erhielten Länder Punkte, die im Gesamtergebnis auf den hinteren zehn Plätzen rangierten. Das ist zumindest bemerkenswert. Bislang hat sich die EBU nicht zur Logik des Algorithmus erklärt. Doch auf Twitter wird bereits gemutmaßt, dass es sich schlicht um einen Fehler bei der Erfassung handeln könnte, wie der Eurovision-Blog ESCXTRA enthüllte.

Weißrussland wird in einer Ländergruppe mit Russland, Aserbaidschan, Armenien und Georgien geführt. Schaut man sich das aggregierte Abstimmungsverhalten der Jurys dieser Länder an, landet Israel auf dem letzten Platz, gefolgt von Estland und Deutschland. Also die Länder, die auf den letzten zehn Plätzen liegen, haben in umgekehrter Reihenfolge Punkte bekommen. Wurde also schlicht die Reihenfolge beim Voting vertauscht? Eine entsprechende stern-Anfrage bei der EBU blieb bis zum Montagnachmittag unbeantwortet.

Deutschland könnte auf den vorletzten Platz fallen

Auf den Sieg von Duncan Laurence hätte ein Fehler beim Jury-Vote Weißrusslands keinen Einfluss. Doch sollte sich die Vertauschung der Reihenfolge bewahrheiten, wäre Nord-Mazedonien und nicht Schweden der Sieger der Jurys. Deutschland würde außerdem acht Punkte verlieren und in der Wertung hinter Weißrussland auf den vorletzten Platz zurückfallen.

Punkte auch aus Dänemark und Schweiz - den Herkunftsländern der Komponisten

Die dänische Jury setzte Deutschland sogar vor Sieger Holland auf Rang 3. Ist es Zufall, dass der Komponist des Songs "Sister" Thomas Stengaard heißt und aus Dänemark kommt? Stengaard komponierte 2013 den dänischen ESC-Siegersong "Teardrops" und im vergangenen Jahr den deutschen Beitrag "You Let Me Walk Alone", mit dem Michael Schulte Vierter wurde. Zumindest zu einer der dänischen Jurorinnen gibt es eine direkte Verbindung: Julie Berthelsen arbeitete bereits mit Stengaard zusammen.

Beim Blick in die Liste der Komponisten von "Sister" tauchen zwei Schweizer auf: Tom Oehler, ein Produzent aus Zürich, und Marine Kaltenbacher, die Frontsängerin und Songwriterin der Westschweizer Band Submaryne. Der deutsche Beitrag war zuerst in der Schweiz eingereicht worden, wurde dort aber vom SRF nicht für den Vorentscheid ausgewählt. Sympathien für den Song gab es trotzdem: Von der Schweizer Jury erhielt Deutschland sechs Punkte.

Stern-Reporter Edgars Noskovs hat den Auftritt der Sisters live beim ESC in Tel Aviv den ESC miterlebt.
mai