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Bundestrainersuche: Beckenbauer bringt Schäfer ins Spiel

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) schweigt weiter, derzeit redet allein Franz Beckenbauer. Und der bringt nun noch Kameruns Trainer Winnie Schäfer ins Gespräch.

Während der DFB am Montag nach dem zweiten Treffen der Trainer-Findungs-Kommission (TFK) in Frankfurt/Main keine Informationen zum Stand der Suche nach einem Nachfolger von Rudi Völler gab, drehte TFK-Mitglied Beckenbauer weiter am Findungs-Karussell. "Winnie Schäfer ist ebenfalls ein Kandidat", sagte Beckenbauer der "Bild"-Zeitung. Sicher nicht zur Freude der DFB-Spitze, wie DFB-Pressesprecher Harald Stenger zu erkennen gibt: "Wenn sich einzelne Mitglieder äußern, kann ich das nicht beurteilen. Ich bleibe dabei, dass wir keine Wasserstandsmeldungen abgeben."

Stenger teilte nach dem TFK-Treff lediglich mit, die Kommission habe "Positionen ausgetauscht und weitere Schritte beraten. Es bleibt dabei, es gibt erst dann eine öffentliche Erklärung, wenn eine endgültige Entscheidung gefallen ist". Neben Beckenbauer gehören noch DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Generalsekrätär Horst. R. Schmidt und DFL-Chef Werner Hackmann zum Quartett der Finder.

Olsen und Hiddink weiterhin Favoriten

Während also die Suche nach einem Bundestrainer im Verborgenen weiterläuft, kritisierte Beckenbauer erneut Völlers Entschluss. "Ich weiß bis heute nicht, welcher Teufel ihn da geritten hat. Es gab für diesen Rücktritt überhaupt keine Notwendigkeit", sagte Beckenbauer in einem Interview mit der Münchner "tz". Völler hatte nach dem Vorrunden-Aus bei der EM vor über drei Wochen überraschend das Handtuch geworfen. "Jetzt haben wir die Misere: Wo kriegen wir im Juli einen Trainer her." Außenstehende hätten leicht reden. "Aber das war der ungünstigste Moment, den es gab", meinte Beckenbauer weiter.

Noch immer dürften der Niederländer Guus Hiddink und der Däne Morten Olsen nach den Absagen von Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel die aussichtsreichsten Kandidaten auf den Job sein. Beide sind allerdings vertraglich gebunden: Hiddink als Trainer und Clubdirektor beim PSV Eindhoven und Olsen als dänischer Nationalcoach. Hoffnungen macht sich zudem weiterhin der anfangs von Beckenbauer ebenfalls ins Spiel gebrachte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus. Ein Vorschlag, den Beckenbauer selbst mittlerweile wieder verworfen hat.

"Deutscher Nationaltrainer zu sein, ist etwas Besonderes"

Schäfer signalisierte unterdessen in einem dpa-Gespräch seine grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft. "Ob ich es dann auch machen würde, das ist etwas ganz anderes", sagte der Auswahl-Coach Kameruns. Bislang habe es noch keinen Kontakt zur TFK gegeben. Bei den Kamerunern, mit denen Schäfer um die Qualifikation für die WM in zwei Jahren in Deutschland spielt, steht Schäfer bis 2006 unter Vertrag. Doch soll er in seinem Kontrakt eine Ausstiegsklausel haben.

"Deutscher Nationaltrainer zu sein, ist etwas Besonderes", betonte Schäfer und äußerte sein Unverständnis darüber, ein solches Amt bei entsprechendem Angebot nicht anzunehmen. "Es ist allerdings auch nicht so, dass man in ein gemachtes Bett springt", schränkte er ein. Schäfer nahm bis Montag an einer Trainer-Tagung des afrikanischen Verbands in Ghana teil und kehrt danach nach Deutschland zurück.

Harsche Kritik an der Findungskommission

Unter dessen hielt die Kritik an der Trainerfindung, mit der in einer Kommission neben Beckenbauer und Mayer-Vorfelder auch Werner Hackmann und Horst R. Schmidt beauftragt sind, an. Oliver Kahn, Torhüter der Nationalmannschaft und von Bayern München, sagte im ZDF: "Es ist schon ein wenig beängstigend, wer alles zum Bundestrainer gemacht werden soll."! Klaus Allofs, Manager von Werder Bremen, meinte in der ARD: "Jetzt muss man es besser machen." Der ehemalige Bundestrainer Jupp Derwall äußerte im Kölner "Express": "Trainer-Findungskommission - schon das Wort ist trostlos. Es gibt im DFB viele gute Leute, die organisieren können. Aber von Fußball haben die keine Ahnung."

Bierhoff erster Kandidat für Teammanager-Posten

Öffentlich diskutiert wurde über das Wochenende auch die Forderung nach Strukturveränderungen im Umfeld der Nationalmannschaft. Schalkes Trainer Jupp Heynckes sagte: "Mit veränderten Strukturen und klaren Ideen kann man vieles verbessern." In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung2 schlug Oliver Bierhoff vor, eine Entscheidung über die Schaffung einer Teammanager-Position vom Namen des neuen Bundestrainers abhängig zu machen. Nationaltrainer und Teammanager müssten "ein Team sein, das zusammenpasst, das zusammenspielt und kooperativ ist."

Der ehemalige Nationalmannschafts-Mittelstürmer gilt als erster Kandidat für eine Manager-Position. Der ebenfalls genannte Ex-Nationalspieler Jürgen Klinsmann gilt nach seiner Radikalkritik an der DFB-Führung nicht mehr als vermittelbar. Entschiedenster Gegner einer Bestellung eines Managers der Nationalmannschaft war bisher Mayer-Vorfelder, der um seinen Einfluss fürchtete. Mit der Bestellung von Zwanziger als Geschäftsführenden Präsidenten ist die Chance größer geworden, dass dem künftigen Bundestrainer ein Manager zur Seite gestellt wird.

Jens Marx/DPA / DPA

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